Elisabeth vom Hofe vom Lebensmittelladen an der Luisenstraße in Bork hat sich eigens eine stabile Schutzwand einbauen lassen in ihrem Laden - zum Schutz ihrer Kundinnen und Kunden und zum eigenen. © Sylvia vom Hofe
Corona-und Weihnachten

Last-Minute-Einkauf vorm Fest? Die Menschen bremsten sich in Selm

Die nächsten drei Tage bleiben die Lebensmittelgeschäfte geschlossen. Die anderen sowieso. Die Versuchung war deshalb groß, zu Heiligabend noch einmal richtig zuzuschlagen.

Arthur hat die Ruhe weg. Zwei Stunden vorm Ladenschluss steht er wie angewurzelt vorm Schaufenster des kleinen Lebensmittelgeschäfts vom Hofe in Bork. Die Auslage hat es dem Zweijährigen angetan. Nicht die Hinweise auf Entenkeulen und Wild, sondern die Eisenbahn. Im linken Fenster zieht sie ihre Kreise durch eine kleine Weihnachtslandschaft – so gemächlich, wie sich an diesem Tag auch die Kundenströme bewegen.

Von wegen Festtagsstress: Arthur (2) freut sich, in Ruhe die Eisenbahn Im Schaufenster zu beobachten. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

„Das verteilt sich heute alles gut“, sagt Elisabeth vom Hofe. Die 76-jährige Inhaberin des Lebensmittelladens an der Luisenstraße hat Vergleichsmöglichkeiten. Seit 55 Jahren führt sie das Geschäft. Die Menschen hätten die Appelle vernommen, rechtzeitig alles zu besorgen, um Schlangestehen und andere in Corona-Zeiten gefährlichen Kontakte zu vermeiden. Viele seien dafür auch schon extra früh auf den Beinen gewesen. Sie selbst auch, sagt Elisabeth vom Hofe. Seit 4.30 Uhr steht sie im Laden, um alles vorbereitet zu haben, als um 7 Uhr die ersten Kunden kamen.

Um 7 Uhr machte auch Lidl auf, der große Konkurrent 200 Meter weiter. Seit August gibt es das neue Einzelhandelszentrum, das Rossmann und Hosselmann komplettieren. Während Elisabeth vom Hofe um 13 Uhr an diesem Heiligabend schließen wird, bleiben dort noch eine Stunde länger die Türen auf. Von dem gewohnten Andrang kurz vor Ladenschluss – insbesondere an einem Heiligabend und an einem XXL-Wochenende – ist aber nichts zu spüren. In Selm sieht das nicht anders aus.

Ramadan: „Einkäufe wurden rechtzeitig geplant“

„Am Mittwoch war viel los“, sagt Karim Ramadan. Er hat seinen Verkaufswagen mit Feinkostprodukten vor Edeka-Geldmann stehen: ein Logenplatz, um Menschenschlangen zu beobachten. Die gibt es aber nicht. „Dafür war es einen Tag vorher überall umso voller, von morgens bis spät“, sagt Sabrina Straub, die selbst im Einzelhandel tätig ist und sich über den verfrühten Feierabend freut, nachdem der befürchtete Ansturm ausgeblieben war.

Karim Ramadan weißß, dass viele Menschen ihren Einkauf bereits am 23. Dezember erledigt hatten. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

In der Altstadt heißt es dann endlich doch: anstehen – allerdings nur, weil die Geschäfte dort gar nicht öffnen dürfen. Nur das Aufgeben von Bestellungen und das Abholen – beides draußen vor der Tür durch improvisierte Schalter – ist erlaubt. Julia Jünemann-Albert wartet geduldig vor dem Spielgeschäft „Spielen und träumen“. Sie hat dort Geschenke für ihre Neffen bestellt: sechs Monate und drei Jahre alt. Der Online-Handel sei für sie keine Alternative gewesen, „allein schon wegen der guten Beratung hier“.

„Mehr Bereitschaft, vor Ort einzukaufen als beim ersten Lockdown“

Christian Reuter vom Geschäft Knümann, wo es „alles rund ums Zuhause“ gibt, freut sich, dass Menschen zunehmend so handeln. Er registriert verstärkten Zuspruch der Kundinnen und Kunden im aktuellen zweiten Lockdown. Der persönliche Austausch werde geschätzt, die Beratung und die Möglichkeit, sich Waren erklären zu lassen. Viele wollten sich aber auch in der Corona-Krise solidarisch zeigen mit dem Einzelhandel, der ohnehin schon unter der Konkurrenz aus dem Internet litt.

Die Appelle, nicht auf letzten Drücker in die Geschäfte zu rennen, seien angekommen, stellt auch Reuter fest. Das Gros der bestellten Waren sei schon lange abgeholt.

Christian Reuter vom Geschäft Knümann wird ab Dienstag (23. März) wieder auf den Abholschalter vor der Ladentür zurückgreifen müssen.
Christian Reuter vom Geschäft Knümann wird ab Dienstag (23. März) wieder auf den Abholschalter vor der Ladentür zurückgreifen müssen. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

Weihnachten im Sommer feiern

Der ungewohnten Ruhe am letzten Einkaufstag folgt bei vielen die Ruhe beim Fest. Bei Familie Reuter auch. Wenn allein seine Teil der Familie zusammenkomme, würden 18 Personen am Tisch sitzen, sagt Christian Reuter. Und dazu käme ja dann auch noch die Familie seiner Frau. Unverantwortlich wäre das. Darum feiern dieses Mal alle für sich im kleinen Kreis. „Und gemeinsam holen wir dann Weihnachten im Sommer nach.“

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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