Lieder hellen die Abschiedsfeier des Chors „Die Sonnenkinder“ auf

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Der Selmer Chor „Die Sonnenkinder“ wird aufgelöst. Mangels Masse. Das steht seit ein paar Tagen fest. Immerhin trafen sich nochmal rund 50 aktive und ehemalige Sänger. Der Grund ist simpel.

Selm

, 05.09.2019, 13:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor 36 Jahren gründete Hans W. Schumacher den Selmer Kinderchor, aus dem später der Chor „Die Sonnenkinder“ wurde. Er hat den Chor über die Jahrzehnte gern geleitet. „Mit viel Herzblut“, sagt er. Als der 74-Jährige am Mittwoch, 4. September, vor seine Sonnenkinder trat, war von seinem Lachen, gar von Scherzen, nichts zu sehen und zu hören.

Lieder hellen die Abschiedsfeier des Chors „Die Sonnenkinder“ auf

Hans W. Schumacher fiel es nicht leicht, den Mädchen und Jungen zu erklären, warum der Chor „Die Sonnenkinder“ aufgelöst wird. © Arndt Brede

Es fiel ihm sichtlich schwer, den Mädchen und Jungen in der Aula der jetzigen Selma-Lagerlöf-Sekundarschule während einer kleinen Abschiedsfeier zu erklären, warum der beliebte und einst größte Kinderchor in Nordrhein-Westfalen aufgelöst wird. Weil eben nicht mehr so viele Kinder zum Singen kommen wie früher. In den Hoch-Zeiten waren 230 Mädchen und Jungen im Chor.

Lieder hellen die Abschiedsfeier des Chors „Die Sonnenkinder“ auf

"Ciao, es war schön": Das Lied, das die Sonnenkinder sangen, passte zum Anlass: dem Abschied vom Chor. © Arndt Brede

„Ich weiß, dass viele sehr traurig sind und es nicht verstehen“, sagte der Chorleiter.

Dass er selber auch traurig ist, musste er nicht ausdrücklich betonen. Darum ließ er die Musik sprechen und die Kinder singen. „Ciao, es war schön“ hatte er als Abschiedslied ausgesucht. „Jingle Bells“ auch.

Letztes Mal im Stadion

Das Weihnachtslied gehört seit 30 Jahren im Dortmunder Signal-Iduna-Park zu einem Zeremoniell. Immer vor dem letzten Heimspiel der Bundesliga-Hinrunde singen die Sonnenkinder vor und mit den Fans im Stadion unter anderem „Jingle Bells“. So wird es auch ein letztes Mal vor dem letzten Heimspiel des BVB vor Weihnachten sein. Ein letztes Mal, definitiv.

Die Sonnenkinder, die sich während der Feier äußerten, drückten ihre Gefühle so aus: „Ich finde es nicht gerade toll, dass wir aufhören“, sagte ein Mädchen, das noch nicht lange bei den Sonnenkindern mitsingt.

Im Chor Selbstbewusstsein bekommen

Seit zehn Jahren ist Lina dabei. Die 14-jährige Selmerin sagt: „Am Anfang dachte ich mir: Ja das ist eben so. Aber jetzt beim Abschied merke ich, wie wichtig es mir war.“ Es sei für sie normal gewesen, mittwochs zur Probe der Sonnenkinder zu gehen. Sie erinnere sich gern an die Konzerte, unter anderem Weihnachtskonzerte, im Bürgerhaus, am Gymnasium. „Und ich denke häufig an Borussia.“ Viermal sei sie mit ins Stadion gefahren, um dort mit den anderen zu singen.

Lieder hellen die Abschiedsfeier des Chors „Die Sonnenkinder“ auf

Lina ist 14 und singt seit zehn Jahren bei den Sonnenkindern. © Arndt Brede

Was sie aber neben vielen schönen Erinnerungen auch mitnimmt, ist Selbstbewusstsein: „Früher habe ich mich nicht getraut, öffentlich zu singen. Mittlerweile habe ich kein Problem mehr, mal bei einem Solo einzuspringen.“

Lieder hellen die Abschiedsfeier des Chors „Die Sonnenkinder“ auf

Diese CD, vor Jahren von den Sonnenkindern eingesungen, bekam jedes der aktuellen Sonnenkinder bei der kleinen Abschiedsfeier. © Arndt Brede

Dass Musik und Gesang die Fähigkeit hat, bei der Persönlichkeitsentwicklung mitzuwirken, weiß Hans W. Schumacher. Und wohl auch deshalb gab er den Mädchen und Jungen noch eines mit: „Ich wünsche euch, dass ihr weiterhin der Musik verbunden seid.“

Szenen der Abschiedsfeier werden übrigens demnächst in der WDR-Lokalzeit Dortmund im Fernsehen zu sehen sein. Ein Termin steht noch nicht fest.

Lieder hellen die Abschiedsfeier des Chors „Die Sonnenkinder“ auf

Nicole Kemler, Mutter von zwei Mädchen, die bei den Sonnenkindern gesungen haben, verteilte Eis an die Jungen und Mädchen. © Arndt Brede

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