Mund auf, Stäbchen rein: Beim Lolli-Test lutscht Pia 30 Sekunden auf dem Teststäbchen, ehe es eingesammelt und die Probe im Labor ausgewertet wird. © Christine Jücker
Corona-Tests

Lolli-Tests erleichtern Alltag in der Overberg-Grundschule in Selm

Seit Kurzem gehören die Lolli-Tests bei den Kindern der Overberg-Grundschule in Selm zum Morgenritual und ersparen einen unangenehmen Corona-Schnelltest in Mund oder Nase. Ein Besuch am Morgen.

Das Leben ist an die Overberg-Grundschule in Selm zurückgekehrt. Seit Montag (17.5.) lernen die Kinder wieder in den Klassenräumen und nicht mehr vor dem Computerbildschirm am heimischen Schreibtisch. Deshalb ist am Donnerstagmorgen um acht Uhr das Treiben vor dem Schultor nicht so hoch, wie vor Beginn der Pandemie. Einzeln betreten die Erst- bis Viertklässler das Schulgelände, für begleitende Eltern gilt: Draußen bleiben.

Schilder weisen auf die Pflicht zum Tragen medizinischer Masken hin. Damit sich das Corona-Virus nicht weiter ausbreitet, formen diese und weitere Schutzmaßnahmen den neuen Alltag in der Selmer Grundschule. Dazu gehören auch die sogenannten Lolli-Tests. Seit dem 10. Mai gehören sie in Nordrhein-Westfalen (NRW) zur Corona-Teststrategie.

Lolli-Tests versprechen ein genaueres Ergebnis

Das Ministerium für Schule und Bildung sieht diese Testvariante als „eine altersadäquate, kind- und schulformgerechte Lösung“ an, wie es auf der Internetseite des Ministeriums heißt. Zweimal pro Woche soll so überprüft werden, ob ein Kind mit dem Coronavirus infiziert ist. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Schnelltests versprechen die Lolli-Tests ein genaueres Ergebnis, sodass positive Fälle herausgefiltert werden können, bevor sie ansteckend sind.

Um kurz nach acht Uhr warten bereits zehn Kinder der Klasse 3b in ihrem Unterrichtsraum im Erdgeschoss. Klassenlehrerin Sabine Kalan lässt einen Gong ertönen und läutet damit die Unterrichtszeit ein. Mathe steht zunächst auf dem Stundenplan.

Doch bevor die Kinder ihre Stifte, Hefte und Bücher aus den Taschen holen, muss erst noch der Corona-Test durchgeführt werden. „Wir planen dafür etwa zehn bis 15 Minuten ein. Die Unterrichtszeit geht natürlich verloren“, erklärt Kalan. Sie streift sich blaue Einmalhandschuhe über und verteilt die in Folie verschweißten Abstrichtupfer an ihre Schülerinnen und Schüler.

30 Sekunden auf einem Teststäbchen lutschen

Über ihren Tablet-PC und einen Beamer wirft die 45-Jährige im Anschluss einen Countdown an die Leinwand an die Wand am Kopfende des Raumes. „Jetzt könnt ihr mit dem Test starten“, sagt sie. Fast gleichzeitig heben die Schulkinder ihren Mundschutz leicht an, stecken das dünne Stäbchen in ihren Mund und beginnen für eine halbe Minute darauf zu lutschen – so lautet die Anleitung vom Land.

„Das tut nicht so weh, wie der Schnelltest“, findet die achtjährige Emma, nachdem sie ihr Teststäbchen in einen Sammelbehälter gesteckt hat. Die Plastikverpackung des Teststäbchen landet im Müll. Etwa drei Minuten dauert der gesamte Prozess. „Wenn wir das öfter gemacht haben, ziehen wir das auch noch schneller durch“, ist sich Kalan sicher. Noch im Distanzunterricht hatte sich die Klasse ein Video der Landesregierung angeschaut, das die Durchführung des Testes erklärte. „Das hat den Kindern schnell die Angst davor genommen“, erinnert sich die Klassenlehrerin.

Bis neun Uhr würden die Tests gesammelt, danach abgeholt und vom Labor ausgewertet, erklärt Kalan den weiteren Vorgang. Am späten Abend des gleichen Tages – etwa um 21 Uhr – liegen die Ergebnisse vor.

Fällt ein Testergebnis positiv aus, greift eine weitere Sicherheitsstufe. „Dann muss ich die Eltern der Gruppe informieren. Allerdings weiß ich nicht, welches der Kinder positiv aufgefallen ist“, führt Kalan aus. Für diesen Fall haben die Eltern einen weiteren Lolli-Test in Reserve überreicht bekommen. Am nächsten Morgen soll diese Probe von den Eltern zur Schule gebracht werden. Diese Proben können nun den einzelnen Kindern genau zugewiesen werden.

Testung erfolgt zunächst anonym

Die Klassenlehrerin sieht die Vorteile dieses Vorgehens. „Die Testungen erfolgen zunächst viel anonymer als das bei den normalen Schnelltests üblich ist. Das ist angenehmer für die Schülerinnen und Schüler“, sagt sie. Dann werde ein positiv getestetes Kind nicht vor den anderen bloßgestellt.

Teilweise zeigen sich die Mädchen und Jungen ängstlich vor einer möglichen Corona-Infektion. Das mag auch daran liegen, dass die Kinder wegen eines Corona-Falles bereits in Quarantäne musste. „Außerdem gehen dann die Zahlen wieder nach oben. Die Inzidenz soll unter 50 fallen, dann können wir wieder alle zusammen in die Schule“, ruft ein Mädchen von den vorderen Sitzplätzen. Bis dahin wird es wohl noch dauern. Und auch dann wird der Lolli-Test wohl fest zum Alltag an der Overberg-Grundschule in Selm gehören.

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