Seit über 30 Jahren gibt es den Martinszug in der Römersiedlung. Dieses Jahr wird die Veranstaltung aber nicht stattfinden. Der Grund ist einer, der auch anderen Veranstaltern Probleme macht.

Selm

, 30.10.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Anfang der 80er Jahre war er entstanden. Der Martinszug der Siedlergemeinschaft Römersiedlung. Erst ganz klein und privat, dann immer größer. Mit Spielmannszug und Sankt Martin zu Pferd und eben nicht nur die Bewohner der Römersiedlung, sondern auch für weitere Anwohner, die mit ihren Kindern und Laternen in die Siedlung kamen, weil ihnen der Zug gefällt.

Zu wenig Personen, um Umzug zu garantieren

In diesem Jahr wird es den Zug aber erstmals nicht geben. „Das sind doch einige Auflagen, die wir bekommen haben, die können wir so schnell nicht erfüllen“, sagt der Vorsitzende des Siedlervereins Römersiedlung, Hermann Bücker. Etwa 10 Mitglieder seien in den vergangenen Jahren in die Vorbereitung und den Ablauf des Martinszuges eingebunden gewesen.

Um den Zug aber ordnungsgemäß abzusichern, würden jetzt schon eher 16 bis 20 Mitglieder gebraucht, sagt Bücker. Das sei aber gar nicht so einfach. Der Verein sei zwar mit 190 Mitgliedern relativ groß, aber nicht viele der Mitglieder seien auch aktiv und viele schon älter.

Früher sicherte Polizei ab

Noch vor fünf Jahren habe die Polizei den Martinsumzug abgesichert, sagt Bücker. Damit war dann aber Schluss. Der damalige Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte durchgesetzt, dass die Polizei Martinszüge nur noch im Ausnahmefall absichert. Ab diesem Zeitpunkt waren viele Vereine allein für die Absicherung zuständig. Wie die Polizeistellen das aber genau handhaben, ist allerdings sehr unterschiedlich.

Polizei dabei? Die Ausnahme statt die Regel

Die Polizei im Kreis Unna verwies unserer Redaktion gegenüber auf eine Vereinbarung zwischen den Städten und Gemeinden, dem Kreis und der Kreispolizeibehörde Unna. Darin geht es um Festumzüge und Brauchtumsumzüge im Kreis. Laut des Merkblatts müssten Veranstalter und Erlaubnisbehörden „vom Grundsatz der ‚nicht polizeilichen Begleitung‘ ausgehen“, heißt es darin.

Gründe dafür, dass die Polizei nicht mehr wie gewohnt bei den Zügen dabei ist, seien eine „Verlagerung von polizeilichen Aufgabenschwerpunkten und die damit verbundene Konzentration des polizeilichen Personaleinsatzes“, heißt es dort weiter.

Nach über 30 Jahren gibt es in der Römersiedlung keinen Martinszug - das ist der Grund

Viele Kinder waren noch im vergangenen Jahr zu dem Umzug gekommen. © Jürgen Weitzel (Archiv)

Soll heißen: die Polizei wird für andere Aufgaben gebraucht und kommt nur im Ausnahmefall. „Nur wenn im Einzelfall diese Maßnahmen [gemeint sind die Maßnahmen, vom Veranstalter] nicht ausreichten, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, oder wenn es zu Sicherheitsstörungen kommt, kommen polizeiliche Maßnahmen wie z. B. Verkehrsregelung ergänzend in Betracht“, heißt es in dem Papier.

Sicherheitsregeln sinnvoll

In Cappenberg zum Beispiel war die Polizeibegleitung im vergangenen Jahr erstmals gestrichen worden.

Das sei gerade so noch aufzufangen gewesen, sagte Heino Janssen vom Heimatverein unserer Redaktion. Dort sind insgesamt 80 Menschen aktiv in den Zug eingebunden. Da sind Musik und Feuerwehr aber schon eingerechnet. „Ich finde es völlig verkehrt, dass die Polizei bei Fußballspielen anrückt, aber bei Traditionsveranstaltungen nicht“, hatte Janssen unserer Redaktion Anfang Oktober gesagt. Die Polizei im Kreis Unna verweist in ihrer Antwort darauf, dass es bei Fußballspielen schließlich um andere Dimensionen gehe.

In diesem Jahr sind in Selm neun Martinszüge angemeldet worden, so Stadtsprecher Malte Woesmann. Dazu gehören größere, wie der der IGBCE, oder auch kleinere, wie die von Kindertagesstätten organisierten.

Und was hätte geschehen müssen, damit der Zug in der Römersiedlung hätte stattfinden können? „Im konkreten Fall wäre eine Vollsperrung der Römerstraße für die Zeit des Umzugs nötig gewesen“, sagt Malte Woesmann. Die Verkehrssicherungspflicht obliege hier dem Veranstalter. Hermann Bücker ist wichtig zu betonen, dass es mit der Stadt selbst eine gute Zusammenarbeit gegeben habe. Die Sicherheitsvorkehrungen findet er auch richtig. Schließlich wolle man ja nicht, dass etwas passiert. Zum Beispiel ein Auto in den Zug hereinfahre.

Wird es noch mal einen Zug geben?

Der Vorstand habe sich dann lange Gedanken gemacht, aber letztlich gegen den diesjährigen Martinszug entschieden. „Wenn etwas passiert, wollen wir das nicht verantworten“, sagt Bücker.

Ob der Martinszug im vergangenen Jahr 2018 dann der letzte für die Römersiedlung war, ist allerdings noch unklar. „Es kann sein, dass wir wieder etwas machen“, sagt Bücker.

In diesem Jahr gibt es jedenfalls statt des Martinszuges am 16. November eine Feier für die Mitglieder der Römersiedlung. Mit Glühwein und gemütlichem Beisammensein. Aber ohne Sankt Martin und sein Pferd und ohne einen Laternenzug.

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