Mundschutz ist Mangelware in Selm - trotz der Lieferung von 400 Masken

mlzCorona-Chat mit Bürgermeister

Die Bestellung hat auf sich warten lassen. Jetzt ist sie im Amtshaus eingetroffen: 400 in ganz Selm begehrte Schutzmasken. Sie sind aber schon vergeben. Eine Hoffnung aber gibt es.

Selm

, 18.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sachsen hat die Maskenpflicht eingeführt für den in ÖPNV und den Einzelhandel. Einige Städte in Hessen und Baden Württemberg ebenfalls. Und wer demnächst die Verwaltungsgebäude im nahen Dorsten besuchen will, muss sich auch eine Mund- und Nasenmaske überziehen - egal, ob Mitarbeiter oder Besucher.

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Von einer Pflicht wollte Selms Bürgermeister im Corona-Chat mit dieser Redaktion am Freitagnachmittag noch nicht reden, wohl aber von einem Appell, sich so gut wie möglich zu schützen. Das ist aber einfacher gesagt als getan.

Lange habe die Stadtverwaltung auf die bestellten Mund- und Nasenmasken warten müssen, sagte Löhr. Der Markt sei leer gefegt gewesen. Entsprechend froh sei er, dass es jetzt doch noch geklappt hat: 400 Masken. „Und alle sind im Prinzip schon vergeben.“

Ordnungsamt und Feuerwehr profitieren

Vor allem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die draußen unterwegs seien - auch, um etwa das Kontaktverbot und die anderen Auflagen in Corona-Zeiten zu kontrollieren - wolle er jetzt ausstatten. „Und unsere Feuerwehrleute.“

Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen, die ab dem 23. April wieder zur Schule gehen können, werden nicht ausgestattet. Lehrerinnen und Lehrer ebenfalls nicht. Da sei jeder selbst aufgerufen, Vorsorge zu treffen, sagte Löhr - wohl wissend, dass das bei der Nachfrage zurzeit schwierig ist.

Nicht nur fertige Masken sind derzeit schwer zu bekommen, sondern auch Materialien um sie herzustellen. Und damit meint Löhr nicht nur Gummibänder, die zurzeit Mangelware sind, weil viele derzeit selbst Masken nähen.

Kann McAirlaid`s weiterhelfen

Ob der Bürgermeister nicht ein Selmer Unternehmen um Hilfe beim Masken-Engpass bitten könne, das ohnehin Vliesstoffe verarbeite, wollte ein Teilnehmer im Corona-Chat wissen: „Auf die Idee sind wir auch schon gekommen“, antwortete Löhr. Damit habe er offene Türen eingerannt beim Hersteller unter anderem für Hygiene-Saugeinlagen. Die Produktion könnte schon laufen, wenn nicht das nötige Material fehlte.

Nicht nur angesichts der fehlenden Masken hält Löhr einen Schulbeginn am 23. April für „sehr ambitioniert“: eine dieser Vorgaben des Landes, die die Städte und Gemeinden wohl oder übel ausführen müssten. „Dabei hielte nicht nur ich es für besser, noch eine Woche zu warten“.

Der eingeschränkte Öffentliche Personennahverkehr müsse jetzt umgehend passgenaue Angebote für den besonderen Bedarf - Schulbusverkehr nur für zwei Schulen und da nur für die Abschlussklassen - schaffen. Lehrerinnen und Lehrer, die schon ab Montag wieder in denn Schulen seien, müssten im Ruckzuckverfahren Modelle für den Unterricht unter den Bedingungen von Corona entwickeln: etwa kleinere Lerngruppen in getrennten Räumen. Eine Woche mehr hätte dabei gut getan.

Kopfschütteln, weil Berken geschlossen bleiben muss

Nicht nur die Düsseldorfer Schulentscheidung stieß bei Löhr auf Kritik. Die Vorgabe des Landes, nach der nur Geschäfte bis 800 Quadratmeter öffnen dürfen, sorgte bei ihm ebenfalls für Unverständnis.

Das sei niemandem verständlich zu machen: „Unser Kaufhaus Berken muss geschlossen bleiben, während Ikea wieder öffnen darf.“ Es gehe doch gerade darum, große Ansammlungen von Menschen, wie sie bei dem Möbelhaus üblich seien, zu verhindern. Zu schnell werde dann vergessen, wie hoch nach wie vor die Gefahr von Ansteckungen sei - selbst mit Atemmasken.

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