Medikamentenmangel auch in Selm „ein großes Problem“ - das sind die Gründe für den Engpass

mlzApotheker-Ärger

Immer mehr Medikamente fehlen in vielen Apotheken. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zwei Selmer Apotheker erklären, wie die Engpässe sich auf die Patienten auswirken und was sie dagegen tun.

Selm

, 26.09.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schmerzmittel, blutdrucksenkende Mittel und sogar Antibiotika - immer mehr Medikamente fehlen in vielen Apotheken in ganz Deutschland. Auch in Selm ist das Problem längst angekommen. Und laut Andreas Hitzegrad (57) von der Bären-Apotheke an der Kreisstraße wird es „eher schlimmer als besser“. Er sieht gleich mehrere Gründe für die Lieferengpässe.

„Das ist ein großes Problem“, sagt der Selmer Apotheker. Die pharmazeutischen Hersteller der Präparate „können vieles nicht liefern“. Dabei handle es sich auch um besonders wichtige Mittel - um „Medikamente, die Patienten ständig brauchen“.

Hersteller müssen keinen Medikamente-Vorrat haben

Auch Volker Brüning (50), Inhaber der Altstadt-Apotheke sowie drei weiterer Apotheken in Lünen, schlägt Alarm: „Das Loch kann nicht so schnell geschlossen werden.“ Das Problem sei vor allem, dass einzelne Wirkstoffe für mehrere Medikamente gebraucht werden, erklärt Andreas Hitzegrad. Wenn also einer nicht geliefert werden kann, habe das Auswirkungen auf nicht nur ein Medikament.

Außerdem würden die Hersteller heute anders arbeiten als früher. „Die pharmazeutischen Hersteller produzieren nicht mehr auf Vorrat“, erklärt Andreas Hitzegrad. Früher sei das noch anders gewesen. Während „die Apotheken verpflichtet sind, einen Medikamentenvorrat für sieben Tage zu haben“, gelte das für die Hersteller nicht.

Zudem sei der Markt außerhalb Deutschlands attraktiver geworden. „Die verkaufen gerne ins Ausland.“ Das führe dazu, dass „das Kontingent für den deutschen Markt knapp“ sei.

In anderen Ländern wird mehr gezahlt als in Deutschland

„Deutschland gehört nicht mehr zu den Hochpreisländern in Europa“, sagt Volker Brüning. Medikamente würden aktuell von Großhändlern lieber nach England oder Frankreich verkauft werden. Denn dort seien die Preise und damit auch der Gewinn der Händler höher.

Medikamentenmangel auch in Selm „ein großes Problem“ - das sind die Gründe für den Engpass

Volker Brüning hat vier Apotheken und somit einen Verbund - das hilft ihm beim aktuellen Medikamentenengpass. © Laura Schulz-Gahmen

Ein weiterer Grund für die aktuellen Engpässe sind laut den beiden Apothekern die Standorte der Hersteller. „Der Hauptwirkstoff wird oft von einer Handvoll Firmen in Asien produziert“, erklärt Andreas Hitzegrad. Und wenn es in der Produktionskette an irgendeinem Standort ein Problem gibt, gebe es den Wirkstoff nicht mehr. Das sei dann oft „ein Problem von Wochen“.

Medikamente werden untereinander getauscht

Die Konsequenzen müssen dann die Apotheker und Patienten tragen. „Die Patienten müssen auf andere Wirkstoffe umgestellt werden“, erklärt der 57-Jährige. Das sei allerdings nie gut.

Denn dann müssten sie sich erst an den neuen Wirkstoff gewöhnen. „Und auch „neue Nebenwirkungen können auftreten“. Für seine Patienten komme dann noch die Belastung, „zum Arzt zu laufen und das alles zu organisieren“ hinzu. Er und seine Kollegen würden auch sehr oft auf die Engpässe angesprochen werden.

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In der Altstadt-Apotheke sind Volker Brüning und seine Kollegen derweil „kreativ geworden“, um auf die Engpässe reagieren zu können, erzählt der 50-jährige Inhaber. Manche Medikamente würden auf Vorrat gekauft werden, „wenn was da ist“. Außerdem sei es von Vorteil, dass er noch drei weitere Apotheken besitze. „Wir tauschen untereinander“, erklärt Brüning.

Krankenhäuser sind noch mehr betroffen als Apotheken

In der Bären-Apotheke werde immer versucht, „ein gleichwertiges Mittel zu bekommen“, sagt Andreas Hitzegrad. Doch „wenn die Packung plötzlich rot statt blau ist, ist die Skepsis groß“. Das sei aber auch verständlich. Dadurch sei allerdings auch „der Erklärungsbedarf für uns groß“.

Darüber hinaus komme es durch die Lieferengpässe zu vielen Telefonaten mit Ärzten. „Das ist sehr zeitraubend“, gesteht er. Die Apotheken seien aber von den problematischen Zuständen noch nicht am schlimmsten betroffen. „Noch größer sind die Versorgungsengpässe in Krankenhäusern“, so Andreas Hitzegrad.

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