Miete zahlen in Zeiten von Corona: Was tun, wenn Geld für die Miete fehlt?

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Kurzarbeit oder Jobverlust, Auftragsmangel oder dem Geschäft nicht nachgehen zu dürfen: Viele Selmer haben durch Corona massive finanzielle Einbußen. Und Sorgen, denn die Miete läuft weiter.

Selm

, 07.04.2020, 18:39 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ob Wohnung, Büro oder Ladenlokal: Wer Räumlichkeiten angemietet hat, rechnet in diesen Tagen ganz genau, was leistbar ist und was nicht. Doch auch hier gilt der Slogan „Wir halten zusammen“ - Mieter und Vermieter sitzen in dieser Krise im selben Boot. Was sich der eine nicht leisten kann, schmälert die Einkünfte des anderen. Beim Privatmann betrifft es das Einkommen, vor allem in Ergänzung zur Rente im Alter, bei den Wohnungsgesellschaften betrifft es den Umsatz.

Vermieter versuchen daher auf vielen Wegen, ihren Mietern zu helfen und suchen nach individuellen Möglichkeiten. „Man kann immer Lösungen finden“, sagt Thomas Sajonz von der WBG Lünen, die in Selm 63 Wohnungen besitzt und auch fünf Gewerbeobjekte vermietet hat. „Wichtig ist nur, dass wir regelmäßig miteinander über die Dinge sprechen.“

Noch rücksichtsvoller in besonderer Situation

Ähnlich verfährt die Unnaer Kreis-, Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS), die aktuell 56 Wohnungen in Selm vermietet. „Als kommunale Wohnungsbaugesellschaft gehört es sich, dass wir uns zu Sozialverhalten verpflichten“, sagt Geschäftsführer Matthias Fischer. „Es war immer so, dass mal jemand arbeitslos oder krank wurde und wir haben immer vernünftige Lösungen gefunden. Aber Corona ist jetzt ohne Frage eine besondere Situation, und da zeigen wir uns noch eine Spur rücksichtsvoller.“

Auch der Bauverein zu Lünen, der in Selm rund 100 Mietobjekte anbietet, hat stets zwei Mitarbeiter im Kundenmanagement, die sich nicht nur in Corona-Zeiten um Mieter-Probleme kümmern. „Wir bieten das grundsätzlich an“, sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Zaremba. Früher sei man mit den Betroffenen zum Amt gefahren und habe geholfen. „Das geht nun nicht mehr. Aber wir versuchen jetzt, telefonisch viel auf dem kurzen Dienstweg zu regeln.“

Alle drei Gesellschaften wollen sowohl Wohnungs- als auch Gewerbemieter „bestmöglich unterstützen“, für UKBS, Bauverein und WBG hätte es die gesetzlichen Verschärfungen hinsichtlich Kündigungsschutz und Ratenzahlungen daher nicht bedurft. „In solchen Zeiten setzt man doch niemanden vor die Tür“, sagt Matthias Fischer von der UKBS deutlich.

Mieter muss vorab informieren

Dennoch setzen die Unternehmen auf die Information des Mieters: Wer in finanzielle Schwierigkeiten gerät, soll bitte rechtzeitig Bescheid geben. Im Bereich Wohnungen schlagen die Fallzahlen kaum zu Buche. Von „zwei, drei Fällen“, berichten UKBS, WBG und Bauverein zu Lünen unabhängig voneinander. Schwierig wird es bei Gewerbetreibenden.

WohngelD

Stadt Selm ist richtige Anlaufstelle

  • Wohngeld kann als Vorschuss für drei Monate unter dem Vorbehalt der Rückforderung bewilligt werden.
  • Telefonische Auskünfte gibt es unter Telefon 02592/69-134 oder 69-146. Antragsunterlagen können per Mail an k.trogemann@stadtselm.de oder r.hegermann@stadtselm.de angefordert werden.
  • Persönliche Termine sind nur bei absoluter Dringlichkeit möglich.
  • Als Faustregel gilt: Nimmt die Miete derzeit mehr als ein Drittel des Haushaltsnettoeinkommens ein, dann kann es sich lohnen, Wohngeld zu beantragen.

Der Restaurantbesitzer, der Fitnessstudio-Betreiber, der kleine Friseurladen: „Wenn die überhaupt keine Einnahmen mehr haben, dann ist es schwierig“, weiß Zaremba. Viele Gewerbetreibende hätten sich daher im Vorfeld gemeldet, bevor Rücklastschriften notwendig wurden

Auch bei der WBG gab es entsprechende Anfragen: „Wir hatten die selbstständige Friseurin, die sich meldete, den Imbissbuden-Besitzer oder andere Selbstständige“, berichtet Thomas Sajonz. Wohnungsmieter seien zwar noch in der Unterzahl, aber auch sie meldeten sich. „Jemand in Kurzarbeit überweist jetzt erstmal nur die Hälfte der Miete“, zeigt Sajonz einen Lösungsweg auf. In Härtefällen kann die Mietzahlung für April auch ausgelassen werden. „Aber wenn das gilt, sollen sich die Leute nochmal Mitte April melden und sagen, wie der Stand ist, wie es um gestellte Anträge bestellt ist oder ob es Neuigkeiten vom Arbeitsplatz gibt“, betont Sajonz.

Denn trotz aller Kulanzregelungen gilt: Die Miete muss gezahlt werden. Sie kann allenfalls gestundet, aber nicht erlassen werden. Und irgendwann muss das Geld zurückgezahlt werden. „Aber da können wir uns auf Ratenzahlungen einigen“, sagt Sajonz. Und je eher man damit beginne, desto besser. „Wir müssen dann im Einzelfall klären, wie viel gezahlt werden kann, um auch nicht so viel anzuhäufen.“

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Hilfe gibt es deshalb bei Mietzahlungen auch von öffentlicher Seite. Beim Ausfüllen der Anträge auf Wohngeld ist auch die WBG behilflich. Und die Stadt Selm informiert, dass man auf ein vereinfachtes Verfahren zur Wohngeldbeantragung umgestellt habe.

Nachweise zwingend erforderlich

Mit einem Nachweis der Kurzarbeit, einem Nachweis des Arbeitgebers oder dem letzten Lohnnachweis sowie, wenn vorhanden, weiterer Einkünfte der Haushaltsmitglieder kann eine Wohngeldberechnung derzeit niederschwellig und sehr zeitnah durchgeführt werden, erklärt die Stadt auf ihrer Homepage. Ziel ist es, die Hilfen schnellstmöglich zu gewähren.

Weiter teilt die Stadt mit, dass auch ratsam sein kann, beim Jobcenter vorzusprechen. Das gilt insbesondere für Kleinunternehmer und sogenannte Solo-Selbständige, aber auch Kurzarbeiter ohne Arbeitstätigkeit (Kurzarbeit 0), die von vorübergehenden erheblichen Einkommenseinbußen besonders betroffen sind. Sie haben (fast) keine Einkünfte. Wenn absehbar ist, dass das verbleibende Einkommen einschließlich Wohngeld nicht zur Deckung des Lebensunterhalts ausreicht, hilft das Jobcenter.

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