Mit 70 Sachen in den Kreisel Bork: Beim Versetzen der Ortsschilder ist ein Fehler passiert

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Mit 50 Sachen geht es durch Bork - bis kurz vorm Lidl. Dort steht neuerdings ein neues Schild: Tempo 70. Beschleunigen vor dem Kreisverkehr? Was der Unsinn soll, fragen sich seitdem viele.

Bork, Selm

, 05.02.2019, 18:41 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Borker Reinhard Fischer (59) wohnt nur einen Katzensprung weit entfernt von dem Kreisel am Einkaufszentrum in Bork. Er ärgert sich über die Stelle. Er sagt: „Die Verkehrssituation hier ist nicht eindeutig.“ Diesen Vorwurf gibt es von mehreren Seiten schon länger. Ein neues Manöver seitens der Verwaltung sollte für mehr Klarheit am Kreisverkehr sorgen - doch bewirkte jetzt das Gegenteil.

Schon in der Vergangenheit sorgte der Kreisverkehr in Bork für Diskussionen. Genau genommen befindet er sich nämlich gar nicht innerhalb Borks. Offiziell liegt der Kreisel außerhalb geschlossener Ortschaft. Deutlich wurde das bislang nur durch einen sogenannten OD-Stein. OD steht für Ortsdurchfahrt: also eine überörtliche Straßenverbindung, die durch einen Ort führt, entweder eine Bundes-, Landes- oder Kreisstraße. In Bork ist es die Bundesstraße 236.

Das Ortsausgangsschild stand, auf der B236 aus Richtung Lünen kommend, hinter dem Kreisel, ungefähr auf der Höhe des Einkaufszentrums. Der sogenannte OD-Stein aber markierte den offiziellen Beginn des außerörtlichen Bereichs. Dieser steht, aus Richtung Lünen kommend, vor dem Kreisverkehr.

Mehrere Borker wandten sich jetzt an die Redaktion. Grund ist ein neues Manöver, die Beschilderung des Kreisels nachzubessern. Vor gut zwei Wochen wurden Ortseingangsschild und -ausgangsschild versetzt. Auf die andere Seite des Kreisverkehres, auf Höhe des OD-Steins. Das sorgt gleich für mehrere Irritationen.

Mit 70 durch den Kreisverkehr

Warum die Schilder überhaupt versetzt wurden? Frank Hoffmann, Sprecher vom Landesbetrieb Straßen.NRW, meint, dass das Versetzen des Schildes im Einvernehmen mit der Stadt passiere, Straßen.NRW da allerdings hauptsächlich ausführend tätig werde.

Stadtsprecher Malte Woesmann erklärt auf Anfrage: „Die Ortseingangsschilder am Kreisverkehr Ostwall/Netteberger Straße/Lünener Straße sind nach einem Hinweis des NRW-Verkehrsministeriums umgesetzt worden. Vorausgegangen war die Beschwerde eines Bürgers, dass der Kreisverkehr nicht als Kreisverkehr außerorts erkennbar wäre. Die Schilder sind daher nun identisch mit den so genannten OD-Steinen, die die Ortsdurchfahrt bestimmen, gesetzt worden. So ist der Kreisverkehr nun für alle Verkehrsteilnehmer als außerorts klar erkennbar. Straßen.NRW und die Stadt Selm kamen hiermit der Bitte aus dem Verkehrsministerium nach.“

Mit 70 Sachen in den Kreisel Bork: Beim Versetzen der Ortsschilder ist ein Fehler passiert

Der Kreisel in Bork sorgt immer wieder für Diskussionen: Denn eigentlich gehört er nicht zu Bork und daher ist der Verkehr hier anders geregelt, als bei innerörtlichen Kreisverkehren. © Günther Goldstein

Aber: Fährt man aus Richtung Lünen auf den Kreisverkehr zu, befindet man sich innerorts, erlaubtes Tempo: 50 Km/h. Ein Orstausgangsschild markiert jedoch ein erlaubtes Tempo 100. Dieses Schild steht nun vor dem Kreisverkehr, mit einem Hinweis auf Tempo 70.

Das heißt, man fährt mit 50 Km/h auf den Kreisverkehr zu und etwa 100 Meter davor soll sich das erlaubte Tempo auf 70 Km/h erhöhen. „Das ist doch Wahnsinn“, meint der Borker Heinrich Volle. „Mit 70 Km/h durch den Kreisverkehr, wir haben doch noch gar nicht den 1. April“, sagt er zynisch im Gespräch mit der Redaktion.

„Werden das morgen korrigieren“

Angesprochen auf die Tempoerhöhung, rund 100 Meter vor dem Kreisel, konnte Frank Hoffmann von Straßen.NRW am Dienstag zunächst keine abschließende Antwort geben. Er müsse da „Nachforschungen anstellen“. Rund eine halbe Stunde später erklärt Hoffmann gegenüber der Redaktion, dass dort ein Fehler beim Umsiedeln des Schildes passiert sei, von dem sie bisher nichts gewusst hatten.

Das runde Tempo-70-Schild habe sich schon vorher am gleichen Rohrpfosten wie die Ortsmarke befunden. Die beauftragte Firma, die den Pfosten versetzt hatte, beförderte somit beide Schilder – Ortsausgang und Tempo 70 – auf die andere Seite des Kreisels.

So erklären die Verkehrsschilder also momentan, dass man als Autofahrer mit 70 Km/h durch den Kreisel jagen darf. „Das sollte natürlich nicht so sein“, sagt Hoffmann. „Wir werden das morgen korrigieren“, erklärt er am Dienstag, 5. Februar. Angesprochen darauf, dass mehrere Anwohner sich gemeldet hatten, räumt er ein: „Ich kann mir vorstellen, dass die sich gewundert haben.“

Auch der Sprecher der Stadt Selm, Malte Woesmann, erklärte hierzu: „Das Tempo-70-Schild auf dem Ostwall in Fahrtrichtung Bork wird kurzfristig gegen ein Tempo-50-Schild ausgetauscht. In Fahrtrichtung Selm wird entsprechend ein Tempo-70-Schild aufgebaut.“

Vier Schilder fehlen

Doch ein zweiter Punkt an den versetzten Schildern sorgt für Irritationen bei Anwohnern. Der Borker Reinhard Fischer hat beruflich als Polizist seit langer Zeit mit Verkehrssicherung in Lünen zu tun, sucht etwa vergeblich nach neuen Ortseingangsschildern auf der Netteberger Straße Richtung Amtshaus und Netteberge – also auf den beiden anderen Abzweigungen des vierarmigen Kreisels.

Mit 70 Sachen in den Kreisel Bork: Beim Versetzen der Ortsschilder ist ein Fehler passiert

Richtung Lünen befindet sich die Ortstafel nun auf Höhe des OD-Steins. Bei den beiden anderen Armen, die in die Ortschaft führen, fehlen die Tafeln. © Wilco Ruhland

In beide Richtungen kommen zwar Tempo-30-Schilder, aber kein Hinweis auf die geschlossene Ortschaft. Es würden hier also eigentlich noch vier weitere Schilder benötigt, um eindeutig zu klären, wo sich der Verkehrsteilnehmer befindet: Im Ort Bork oder eben nicht. Je zwei Ortseingangschilder und -ausgangsschilder auf beiden Seiten der Netteberger Straße fehlen. Malte Woesmann hierzu: „Auf der Netteberger Straße und vor dem Amtshaus werden in Kürze weitere Schilder neu gesetzt, um darauf hinzuweisen, dass man sich nun innerorts befindet.“

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Auch wenn es deutlich hinter dem Ortseingangsschild rund geht: Der Kreisel in Bork liegt offiziell außerhalb geschlossener Ortschaft. Schwer zu verstehen, aber entscheidend. Von Sylvia vom Hofe

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