Mit über 60 freiwilligen Helfern rettet die Waldschule Cappenberg Amphibien

mlzAmphibienzäune

Wenn Kröten, Frösche und Molche auf Wanderung gehen, dann wird es gefährlich: Viel befahrene Straßen durchqueren nämlich oft die Route. Auch in Cappenberg. Rettung nahte am Samstag aber.

Selm, Lünen

, 24.02.2019, 13:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn man am Samstag am Cappenberger Schlossberg oder am Brauereiknapp vorbeigefahren ist, konnte man sie kaum übersehen: Die vielen freiwilligen Helfer in ihren Warnwesten. Bewaffnet mit Spaten, Eisenstangen und Zäunen machten sie sich an die Arbeit. Denn schließlich hatten sie alle ein gemeinsames Ziel: Die Frösche, Molche und Kröten in Cappenberg vor dem sicheren Tod auf der Straße zu bewahren.

Dafür verbrachten sie ihren ganzen Samstag damit, das Laub wegzuschieben, kleine Gräben zu buddeln und den Zaun mit den Metallstäben aufzurichten. Nicht zu vergessen das Eingraben der Eimer, in die die Amphibien schließlich fallen sollen, damit man sie sicher über die Straße bringen kann. Eine Arbeit, die Spaß macht, aber für die meisten doch anstrengender werden würde, als gedacht. Denn der Waldboden ist oft voller Steine und manchmal sehr fest zusammengepresst.

Über 60 Helfer kamen am Samstag zusammen

Trotzdem hatten sich alle sofort freiwillig gemeldet, den Amphibien in Cappenberg zu helfen. Praktischer Tierschutz - eine schöne und dankbare Aufgabe, wie Katharina Farwick-Brückhändler, Waldlehrerin an der Waldschule Cappenberg, es beschreibt. Zusammen mit ihren Kolleginnen Helene Neuburger und Friedericke Kleykamp ist sie für die Aktion verantwortlich. Alle haben sich schon während ihres FÖJ (Freiwilliges Ökologisches Jahr) intensiv um die Amphibienwanderung gekümmert.

Mit über 60 freiwilligen Helfern rettet die Waldschule Cappenberg Amphibien

Zusammen mit Friederike Kleykamp (r.) und Helene Neuburger (nicht im Bild) organisierte Katharina Farwick-Brückhändler (l.) von der Waldschule Cappenberg die Aktion. © Viktoria Michelt

In den vergangenen Jahren haben die FÖJler (FÖJ kurz für Freiwilliges Ökologisches Jahr) diese Aufgabe übernommen. „Die haben sich dann wirklich monatelang damit beschäftigt, aber dieses Jahr haben wir keinen einzigen FÖJler bei uns, deswegen mussten wir uns etwas anderes einfallen lassen“, so Farwick-Brückhändler. Deswegen ist es die allererste Aktion dieser Art, die die Waldschule veranstaltet, um die Amphibien zu retten. Zunächst einmal sei das eine große Herausforderung gewesen, denn die Amphibienzäune mussten aufgebaut werden, komme was wolle.

Von den Winterquartieren in die umliegenden Teiche

„Jedes Jahr im Frühjahr gehen die Kröten, Frösche und Molche nämlich auf Wanderung“, erzählt Katharina Farwick-Brückhändler. Von ihren Winterquartieren im Wald wollen die dann nämlich zu den Laichgewässern, also den umliegenden Teichen. Problematisch wird es dann, wenn auf ihrem Weg eine große Straße liegt, so wie in Cappenberg.

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60 Cappenberger helfen bei der Amphibienrettung

Viele freiwillige Helfer haben am Samstag mitgeholfen, die Zäune zur Amphibienrettung in Cappenberg aufzustellen.
24.02.2019
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Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, damit Frösche, Kröten und Molche nicht auf die Straßen laufen.© Viktoria Michelt
Vor allem die Kinder der Galileoklasse hatten viel Spaß bei der Aktion.© Viktoria Michelt
Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, damit Frösche, Kröten und Molche nicht auf die Straßen laufen.© Viktoria Michelt
Zunächst müssen die Kinder den Zaun entheddern, bevor sie ihn in die Boden stecken können.© Viktoria Michelt
Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, damit Frösche, Kröten und Molche nicht auf die Straßen laufen.© Viktoria Michelt
Oft ist es gar nicht so einfach, die Metallstäbe in den Boden zu stecken.© Viktoria Michelt
Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, damit Frösche, Kröten und Molche nicht auf die Straßen laufen.© Viktoria Michelt
Katharina Farwick-Brückhändler© Viktoria Michelt
Katharina Farwick-Brückhändler© Viktoria Michelt
Zusammen mit Friederike Kleykamp (rechts) und Helene Neuburger (nicht im BIld) organisierte Katharina Farwick-Brückhändler (links) von der Waldschule Cappenberg die Aktion.© Viktoria Michelt
Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, damit Frösche, Kröten und Molche nicht auf die Straßen laufen.© Viktoria Michelt
Die freiwillige Feuerwehr Cappenberg rückte gleich mit zwei Autos an, um das ganze Material auf die Gruppen zu verteilen.© Viktoria Michelt
In solche Eimer sollen die Amphibien fallen, damit sie gezählt und über die Straße getragen werden können.© Viktoria Michelt
Paul (links) und Leon von der Galileoklasse der Geschwister-Scholl-Gesamtschule macht es nichts aus, auch am Wochenende zu helfen.© Viktoria Michelt
Mit unter den über 60 freiwilligen Helfern waren auch der Schützenverein CAppenberg und die freiwillige Feuerwehr aus Cappenberg,© Viktoria Michelt
Stefan Rekow (rechts) und Thomas Stasch vom Schützenverein CAppenberg finden es selbstverständlich, dass man sich gegenseitig hilft und die Zäune für die Amphibien aufbaut.© Viktoria Michelt
Schilder an den Zäunen erklären, wofür die Zäune da sind.© Viktoria Michelt
Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, was allen sichtlich Spaß machte.© Viktoria Michelt
Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, damit Frösche, Kröten und Molche nicht auf die Straßen laufen.© Viktoria Michelt
Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, damit Frösche, Kröten und Molche nicht auf die Straßen laufen.© Viktoria Michelt
Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, damit Frösche, Kröten und Molche nicht auf die Straßen laufen.© Viktoria Michelt
Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, damit Frösche, Kröten und Molche nicht auf die Straßen laufen.© Viktoria Michelt
Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, damit Frösche, Kröten und Molche nicht auf die Straßen laufen.© Viktoria Michelt
Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, damit Frösche, Kröten und Molche nicht auf die Straßen laufen.© Viktoria Michelt
Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, damit Frösche, Kröten und Molche nicht auf die Straßen laufen.© Viktoria Michelt

„Die Cappenberger Straße oder der Brauereiknapp sind einfach zu stark befahren, als dass die Tiere da alleine sicher rüber kommen.“ Denn leider sei es laut der Waldlehrerin auch so, dass die Tiere nicht immer in den nächsten Teich wandern, sondern immer zu dem, in dem sie geboren wurden. „Da sind die wirklich nicht sehr lernfähig und stur“, lacht Katharina Farwick-Brückhändler.

Durch die Amphibienzäune fallen Frösche in Eimer

Also müssen die Amphibienzäune her. Die leiten die Tiere dann nämlich in Eimer um, die jeden morgen dann über die Straße getragen werden. Dabei werden sie gezählt und identifiziert. Das haben auch in den vergangenen Jahren an den Wochenenden Familien aus der Region übernommen, die mit ihren Kindern die Eimer über die Straße gebracht haben. Dieses Jahr wird aber auch unter der Woche diese Arbeit von den Freiwilligen übernommen.

„Da waren wir echt sehr positiv überrascht, dass sich so viele vor allem unterschiedliche Helfer gefunden haben, die sich alle ein gemeinsames Interesse für den Tierschutz haben“, so Katharina Farwick-Brückhändler. „Wir legen hier alle sehr viel Wert auf die Dorfgemeinschaft und da hilft man sich natürlich gegenseitig, wenn jemand mal Hilfe braucht, wie jetzt die Waldschule“, erklärt Christoph Böcker, Vorsitzender des Schützenvereins Cappenberg.

Gleich mit elf Leuten sind die Schützen dabei. „Spaß macht es hier auf jeden Fall, alle sind gut drauf, obwohl ich mir das deutlich einfacher vorgestellt habe“, so Böcker. Auch die freiwillige Feuerwehr Cappenberg ist mit gleich zwei Autos am Start. „Das ist eine große Erleichterung, dann müssen wir das ganze Material nicht selbst tragen“, sagt Katharina Farwick-Brückhändler.

Eine multikulturelle Aktion die verbindet

Mit über 60 freiwilligen Helfern rettet die Waldschule Cappenberg Amphibien

Über 60 Helfer halfen den ganzen Samstag mit, Amphibienzäune in Cappenberg aufzustellen, damit Frösche, Kröten und Molche nicht auf die Straßen laufen. © Viktoria Michelt

Dabei ist die ganze Aktion tatsächlich eine multikulturelle und vor allem regionale Aktion geworden. Mit dabei ist nämlich neben dem Schützenverein und der freiwilligen Feuerwehr nicht nur das multikulturelle Forum aus Lünen, sondern auch die Galileoklasse der Geschwister-Scholl Gesamtschule in Lünen und der Tierschutzverein Lünen. Zusätzlich kommen noch die vielen ehrenamtlichen Privatpersonen hinzu.

„Wir wollen mit der Aktion auch ein allgemeines Bewusstsein schaffen, dass es solche Probleme wie hier mit den Amphibien auf der Straße“, erklärt Friedericke Kleykamp. Viele Menschen würden nämlich die Zäune sehen, aber nicht genau wissen, was es damit auf sich habe. „Deswegen würden wir auch in den nächsten Jahren diese Aktion so machen wollen, bis jetzt klappt alles super“, so Kleykamp.

Optimales Wanderwetter für Amphibien

Wann genau aber die große Wanderschaft der Kröten und Frösche anfängt, kann man nicht genau sagen. „Eigentlich rechnen wir die nächsten Tage oder Wochen damit“, sagt Katharina Farwick-Brückhändler. Momentan seien nämlich die besten Wanderbedingungen gegeben: Über 10 Grad Celsius und etwas Regen. Daher war es höchste Zeit für die Zäune.

Und vor allem Katharina Farwick-Brückhändler liegt die Aktion sehr am Herzen. „Wenn man das nicht macht, dann sterben eben Hunderttausende an Tieren“, so Katharina Farwick-Brückhändler. Auch sie hat solche Erlebnisse bei ihrem eigenen FÖJ schon gemacht. „Wenn man dann merkt, dass man den Zaun doch nicht lang genug oder gut genug befestigt hat und dann auf der Straße die toten Tiere liegen sieht, dann ist das einfach nur berührend.“

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