Was hat es mit den weißen Achtecken auf dem Campus auf sich? © Sylvia vom Hofe
Jubiläumsjahr 2022

Mysteriöse Achtecke auf dem Campus schlagen Brücke von Italien nach Selm

Rechteckige, graue Pflastersteine bedecken den neuen Campus-Platz in Selm. Nur an einer Stelle liegen acht weiße Achtecke im Boden: eine Besonderheit, die auch Norbert Lammert anreisen lässt.

Der neue Campus ist ein Vorzeigeprojekt in Selm: ein weitläufiger Platz mit vielen Funktionen. Er verbindet Schulen und Sportstätten miteinander, Freizeit und Wohnen, Auenpark und Kreisstraße. Das haben Festredner anlässlich der vielen Grundsteinlegungen und Einweihungen rund um das neue Selmer Zentrum in den vergangenen vier Jahren immer wieder so oder ähnlich formuliert. Was bislang niemand gesagt hat: Der Campus verbindet auch das Mittelalter mit dem 21. Jahrhundert. Und Selm mit Apulien im Süden Italiens. Im Februar 2022 wird das offiziell. Sichtbar ist es aber schon jetzt.

Weiße Achtecke unter mediterranen Nadelbäumen

Wer vom Jugendzentrum Sunshine am Sandforter Weg kommend den Campus betritt und sich links hält, kann in diese Zukunft schauen – und zugleich in eine 900 Jahre zurückliegende Vergangenheit. In jedem Fall ist dafür der Blick auf den Boden zu heften. Genau genommen: auf das Pflaster.

Schräg vor den neuen Wohnhäusern der Wohnungsbaugenossenschaft – sie kommen zuerst, danach folgen die des Bauvereins zu Lünen – liegen im grauen Pflaster des Platzes acht auffällige Steine: acht weiße Achtecke im grauen Rechteck-Meer des übrigen Platzes. Nadelbäume, wie sie im Mittelmeerraum häufig anzutreffen sind, spenden Schatten in der Novembersonne. Noch fehlt jeder Hinweis, warum es an dieser Stelle eine Abweichung von der übrigen Pflasterung gibt. Das wird sich am 23. Februar 2022 ändern. Das Datum ist nicht willkürlich gewählt.

Vor 850 Jahren ist Otto von Cappenberg gestorben

Der 23. Februar gilt in der katholischen Kirche als Gedenktag von Otto von Cappenberg. Am 23. Februar 1171 – also vor fast 850 Jahren – ist Otto von Cappenberg gestorben. Er war der Bruder von Gottfried, dem letzten Grafen von Cappenberg. Gottfried hatte 1122 den gesamten Familienbesitz dem jungen Prämonstratenserorden geschenkt. Im selben Jahr wurde der Staufer-Kaiser Barbarossa geboren, der Patensohn von Otto von Cappenberg.

Das erklärt die Wahl des Datums: Für den 23. Februar 2022 hat der Selmer Rotary Club Kaiser Barbarossa zur Auftaktveranstaltung zum großen Cappenberger Jubiläumsjahr eingeladen. Der Festredner hat schon zugesagt: der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Norbert Lammert hat als Festredner zugesagt

Lammert wird eine Besonderheit Selms herausstellen, die die Stadt bundesweit zu etwas Besonderem machen wird – als Standort der von Deutschlands nördlichster Stauferstele und der ersten in Nordrhein-Westfalen. Bislang gibt es 38 Stauferstelen in Italien, Frankreich, Österreich, den Niederlanden und Deutschland. Sie erinnern an das Herrschergeschlecht der Staufer, die im Hochmittelalter römisch-deutsche Könige und Kaiser waren. Ihr populärster Vertreter: Kaiser Barbarossa, der Patensohn von Otto von Cappenberg.

Barbarossa hatte seinem Onkel, der in Cappenberg Stift und Stiftskirche aufgebaut und über Jahrzehnte geprägt hat, etwas Besonderes geschenkt, das bis heute international bekannt ist: eine goldene Porträtbüste, den sogenannten Barbarossakopf, der so filigran gearbeitet ist wie sonst kaum etwas aus dieser Zeit. Dass Otto das Geschenk zu schätzen wusste, ist bekannt. Dass er auch eine besondere Vorliebe zu Achtecken gehabt hat, allerdings nicht. Barbarossa genauso wenig. Wohl aber sein Enkel, Friedrich II.

Kaiser Friedrich II. schuf achteckiges Castel

Der jüngere Stauferkaiser (1194-1250), der den Großteil seines Herrscherlebens im Clinch mit der Kirche stand, gilt als offen auch nichtchristlichen Kulturen gegenüber und hatte einen Hofstaat, an dem auch muslimisch-arabische und jüdische Wissenschaftler präsent waren. Die meiste Zeit verbrachte er im heutigen Italien. In seinem letzten Lebensjahrzehnt nahm er den Bau des achteckigen Castel del Monte in Apulien in Süditalien in Angriff: das Vorbild für die Stauferstele und für die achteckigen Pflastersteine auf dem Campus.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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