Das LAFP hat seinen Ausbildungsbetrieb in Bork wieder aufgenommen. Anwohner fordern nun, das Landesamt aus Gründen des Infektionsschutzes für die Borker zu schließen. © Arndt Brede (Archiv)
Polizeiausbildung

Nach Coronafällen beim LAFP Bork: Anwohner fordern drastische Maßnahmen

Die Diskussion um die Wohnsituation von Polizeistudenten in Bork und mögliche Zusammenhänge mit Coronafällen nimmt weiter Fahrt auf. Anwohner fordern jetzt drastische Maßnahmen.

Sie wollen anonym bleiben, fürchten, persönlich angefeindet zu werden. Aber ihre Besorgnis, dass sich Fehlverhalten von Absolventen der Ausbildung zu Kommissaren im Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) der Polizei NRW in Bork negativ auf das Coronageschehen im Selmer Stadtteil auswirken könnte, haben Borker Bürger gegenüber der Redaktion zum Ausdruck gebracht.

Sie schreiben: „Auch wir sind entsetzt und finden es unverantwortlich, dass trotz diverser Verschärfungen der Corona-Maßnahmen circa 600 Studierende den Ausbildungsbetrieb aufgenommen haben. Laut Pressesprecher des LAFP gibt es ein Hygienekonzept, welches ganz besonders auf die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln hinweist, oder dass Trainingseinheiten in einem Zweischichtbetrieb mit maximal 8 Personen absolviert werden.“ Dieses Hygienekonzept funktioniere nicht, wie Coronafälle unter Lehrenden und Studenten zeigten.

Anwohner:

„Darüber hinaus bringt ein Hygienekonzept nichts, wenn die Studierenden, die zum Teil mit bis zu 15 Personen aus unterschiedlichsten Haushalten und Landkreisen wie zum Beispiel MK, NE, EN, LAU, MON, BO, RE, GE et cetera (mit teils sehr hohen Inzidenzwerten) in privaten Häusern untergebracht sind und sich dort an keinerlei Schutzmaßnahmen halten“, berichten die Anwohner weiter. „Wir beobachten immer wieder täglich in naher Umgebung, dass die Studierenden mit 4 bis 5 und teilweise auch noch mehr Personen ohne jeglichen Abstand oder anderen Schutzvorgaben (die jedem Bürger von der Landesregierung auferlegt wurden) gemeinsam die Mahlzeiten zu sich nehmen, gemeinsam lernen oder auch gemeinsam unter Alkoholeinfluss feiern.“ Ebenso könne man beobachten, dass Gruppen von Polizeischülern abends und nachts durch Bork laufen und sich mit Polizeischülern aus und in anderen Unterkünften treffen.“

Daraus leiten die Borker Bürger die Frage ab: „Wie kann es möglich sein, dass einerseits jedem Bundesbürger vorgegeben wird, sich an die Corona-Schutzverordnung zu halten, Verstöße mit Bußgeldern geahndet werden und andererseits die Polizeischüler als Staatsdiener selber gegen diese Verordnungen verstoßen, sich unter die Bürger mischen und damit eine große Gefährdung für die Borker Bevölkerung darstellen?“

Weiter heißt es: „Auch wir möchten vermeiden, dass sich durch Missachtung der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW die Stadt Selm zum Corona-Hotspot verwandelt.“ Sie hoffen auf Verständnis und Umschwenken des LAFP im Punkt Ausbildung. „Auch in anderen Berufszweigen werden die Ausbildungen entsprechend angepasst um eine Ausbreitung der Pandemie einzugrenzen. Warum sollte dieses nicht auch beim LAFP funktionieren?“ Und: „Sollte das LAFP in der jetzigen Lage weiterhin die Ausbildung der Polizeischüler fortsetzen, bewegt man sich unserer Meinung nach schon im Bereich der Körperverletzung.“

Anwohner-Appell: Schließt das LAFP

Zum Schluss richten die Anwohner diesen Appell an das LAFP: „Schützt die Borker Bürger, lasst die Stadt Selm nicht zum Corona-Hotspot werden und schließt das LAFP!“

Harter Tobak, mit dem die Redaktion das LAFP am Mittwoch, 10. Februar, konfrontiert hat. Unsere Fragen: Wie steht das LAFP zu den Aussagen der Anwohner? Ist es denkbar, die Ausbildung anzupassen, um weiteres Pandemiegeschehen einzugrenzen? Ist es, wie die Anwohner am Schluss fordern, denkbar, das LAFP Bork zu schließen? Wirkt das LAFP Bork auf die Studierenden ein, sich coronagerecht in ihrer Freizeit zu verhalten? Drohen den Studierenden bei Zuwiderhandlungen, wie sie zum Beispiel die Anwohner schildern, Strafen von Seiten des LAFP? Wie ist das aktuelle Coronageschehen am LAFP seit der Information am 4. Februar, dass sich Lehrende und Studierende infiziert haben beziehungsweise Kontaktpersonen in Quarantäne sind?

Die Antwort kam am selben Nachmittag, und zwar von der Pressestelle des LAFP in Person von Victor Ocansey, Erster Polizeihauptkommissar, Pressesprecher und Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Er verweist auf Aussagen der Redaktion gegenüber aus der vergangenen Woche. Dort hatte er unter anderem darauf hingewiesen, dass durch Einhaltung von Abstandregelungen, der Nutzung entsprechender Schutzausstattung (Medizinische Masken wie OP-Masken, Masken des Standards FFP2 oder diesen vergleichbare Masken -KN95/N95-), Hygienekonzepte und persönliche Hygienemaßnahmen sowie umfassende ablauforganisatorische Maßnahmen sichergestellt sei, dass die grundsätzlichen Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes zur Verhinderung einer weiteren Verbreitung des Coronavirus eingehalten werden.

Zudem teilt Victor Ocansey mit, dass sich das LAFP den jüngst der Redaktion gegenüber getroffenen Aussagen des Gesundheitsamtes des Kreises Unna, „insbesondere mit Blick auf private Lebens- und Wohnverhältnisse von Studierenden beziehungsweise Bürgerinnen und Bürgern, vollumfänglich anschließen“. Das Gesundheitsamt hatte unter anderem betont, es sei grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, dass Studierende gemeinsam Wohnungen anmieten – auch in Zeiten der Corona-Pandemie dürfen die Menschen in ihren angemieteten Wohnungen wohnen.

Auf die Frage der Redaktion, ob aktuelle Coronaausbrüche auch damit zusammenhängen könnten, dass die Studierenden aus verschiedenen Kommunen nach Bork kommen und die Ansteckungsgefahr für den Studiengang deshalb höher ist, weil in ihren Heimatkommunen das Coronageschehen womöglich höhere Inzidenzwerte hervorbringt, hatte der stellvertretende Sprecher des Kreis Unna, Max Rolke, so geantwortet: „Diese Frage kann nicht verlässlich beantwortet werden, weil sie auf Annahmen beruht. Sieben Infizierte in der vergangenen Woche in Selm sind zudem kein ungewöhnlich hoher Anstieg der Infektionszahlen.“

LAFP: Studierende haben Vorbildfunktion

Auf die weiteren Fragen der Redaktion antwortet Victor Ocansey am Mittwoch: „Klar ist aber auch, dass sich gerade Polizistinnen und Polizisten auch im Privaten – wie jede Bürgerin und jeder Bürger – uneingeschränkt an die geltenden Regeln halten müssen! Daher werden die zurzeit insgesamt rund 6.900 Studierenden aus drei Einstellungsjahrgängen der Polizei NRW bereits zu Beginn des Trainings an allen LAFP NRW-Ausbildungsstandorten (Selm, Schloss Holte Stuckenbrock und Brühl) regelmäßig dazu angehalten, sich auch außerhalb des Dienstes ihrer Aufgabe und Vorbildfunktion als Polizeibeamtin oder Polizeibeamter bewusst zu sein und sich entsprechend zu verhalten. Jedwedes inner- oder außerdienstliche Fehlverhalten der Studierenden nehmen wir sehr ernst und greifen dieses konsequent auf, bis hin zur Einleitung von Disziplinar-/Strafverfahren bei Bekanntwerden dienst- sowie möglicherweise strafrechtlich relevanter Sachverhalte.“

Die aktuellen Coronafallzahlen beim LAFP Bork stellen sich laut LAFP-Pressestelle – Stand 10. Februar 12 Uhr – so dar: 5 Lehrende haben bestätigte Infektionen. Deren Quarantänezeiten enden mit Ablauf des 10. Februar. Bei drei Lehrenden gibt es Verdachtsfälle oder sie gelten als Kontaktpersonen. Fünf Studierende haben bestätigte Coronainfektionen. Bei fünf Studierenden gibt es Verdachtsfälle oder sie gelten als Kontaktpersonen.

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Arndt Brede

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