Nach dem brutalen Überfall auf ein Ehepaar stellt sich vor allem eine Frage in Selm

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Der mysteriöse Überfall auf ein Selmer Ehepaar am Donnerstagmittag gibt viele Rätsel auf. Hinweise erhoffen sich die Beamten von der Vernehmung der Eheleute. Noch sind viele Fragen offen.

Selm

, 15.11.2019, 11:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Besorgte Nachbarn der 63 und 62 Jahren alten Eheleute stellen während des Polizeieinsatzes am Donnerstagmittag immer wieder die gleiche Frage: „Warum haben die Täter ausgerechnet diese Senioren ausgewählt?“ Eine Antwort darauf hat aktuell die Polizei im Kreis Unna nicht. Noch nicht.

„Wir können nicht sagen, ob es ein Zufall war oder ob das Paar ausbaldowert worden ist“, sagt am Freitagmorgen Vera Howanietz von der Pressestelle der Polizei Kreis Unna. Die Pressesprecherin macht zugleich deutlich, dass es „sehr selten“ im Kreis Unna Überfälle in der eigenen Wohnung gibt.

Haben die beiden Täter die Senioren gezielt ausgesucht?

Spontan fällt ihr kein weiterer Fall aus den vergangenen Monaten ein. Beim aktuellen Fall scheint aber einiges für einen unglücklichen Zufall zu sprechen. „Es gibt natürlich Fälle, dass Wohnungen ausbaldowert werden“, sagt Vera Howanietz. Dabei ginge es aber meist um sehr reiche Menschen. Im aktuellen Selmer Fall geht es der Polizei darum, möglichst zügig offene Fragen zu klären.

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Das beginnt bei der Planung der Tat. So kann die Polizei aktuell nicht sagen, ob die beiden Täter zielgerichtet bei den Senioren im ersten Obergeschoss geklingelt haben - oder ob sie es vorher bei anderen Bewohnern des Mehrfamilienhauses versucht haben. Ein Aspekt, der für die Betroffenen besonders wichtig ist.

Wie lange mussten die Opfer um Hilfe rufen?

Keine konkreten Aussagen kann die Polizei auch zu den zeitlichen Abläufen der Rettung der Eheleute machen. Fest steht, dass die beiden Senioren gefesselt und geknebelt wurden. Noch ist allerdings ungeklärt, wie lange die Opfer benötigt haben, um auf sich aufmerksam zu machen.

Offen ist auch die Frage, ob es Passanten gab, die an dem Haus vorbei gegangen oder gefahren sind - und die Situation nicht richtig eingeschätzt und deshalb keine Hilfe gerufen haben. Während aus dem Haus selbst offensichtlich niemand auf die Opfer aufmerksam wurden, rief Nachbar und Filmemacher Ashwin Raman nach eigener Aussage die Polizei.

Polizei hat aktuell keine Hinweise zu den flüchtigen Männern

„Haarkleine Details nennen wir nicht“, sagt Vera Howanietz auf die Frage zum Stand der Ermittlungen. Die Polizeisprecherin räumt aber ein, dass die Fahndung nach den beiden Täter durch den großen zeitlichen Abstand - etwa eineinhalb Stunden nach dem Überfall begann die Suche - schwierig wird. Bislang gibt es noch keine konkreten Hinweise auf die beiden flüchtigen Männer.

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Neben der weiteren Fahndungsarbeit kümmert sich die Polizei auch um die Betreuung der beiden Opfer. „Wir nehmen Kontakt auf und vermitteln auf Wunsch auch Hilfsangebote“, sagt Vera Howanietz. Bei der Kreispolizei gibt es ein eigenes Kriminalkommissariat Kriminalprävention/ Opferschutz. Zum Team gehört auch Ciler Durmus.

Polizei bietet nach schweren Straftaten Hilfen an

Sie sagte vor wenigen Tagen nach einem tödlichen Ehedrama in Bergkamen: „Oft lehnen Betroffene die Hilfe der Polizisten im ersten Moment ab, weil sie nicht in der Lage sind, solche Entscheidungen zu treffen. Durmus nimmt dann zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal Kontakt auf. „Wir begleiten die Menschen“, erklärt sie. Sie sagt aber auch, dass jede Person anders reagiert.

Neben der Polizei gibt es auch Initiativen wie der „Weiße Ring“, der Opfern von Straftaten hilft. Gerade für einige Senioren in der Nachbarschaft des Selmer Überfalls hat die Tat erhebliche Folgen.

Sie fühlten natürlich mit den teils zumindest flüchtig bekannten Opfern, gleichzeitig formulierten sie ihre eigenen Gefühle. Die dreiste Tat hat ihnen einen schweren Schock versetzt. Besonders Alleinstehende wollen ihr Verhalten ändern. Gerade wenn es dunkel wird, wollen sie nicht mehr die Tür öffnen. Aus Angst vor einem Überfall.

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