Nach Sturm: Ein Neuanfang für einen ganzen Wald

3000 neue Bäume

„Sturm Ela? Ja, stimmt. Den gab es, ist aber lange her.“ So reagieren einige, wenn über den Sturm am Pfingstmontag im Jahr 2014 gesprochen wird. Diejenigen, die nicht betroffen waren, mögen ihn vergessen haben - die Waldbauern sind immer noch mit den Folgen des Sturmes beschäftigt. So auch Andreas und Philipp Witthoff.

TERNSCHE

01.04.2016, 18:44 Uhr / Lesedauer: 3 min
Nach Sturm: Ein Neuanfang für einen ganzen Wald

Am Rand der Neuanpflanzung auf dem Waldstück Hofbusch steht diese Baumwurzel noch.

Am Hofgebäude der Witthoffs stand ein etwa ein Hektar großer Wald, der sogenannte Hofbusch. In erster Linie wuchsen hier Eichen und Tannen. Und dieser Wald wurde am Abend des 9. Juni 2014 nahezu zerstört. Die meisten dieser Bäume hatte der Urgroßvater des jetzigen Betriebsleiters Andreas Witthoff gepflanzt. „Hier sind 120 bis 150 Jahre alte Bäume entwurzelt worden. Das ist schon bitter“, sagt auch Heinz-Peter Hiltrop. Er ist Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Lippe und des Waldbauernverbandes Unna-Hamm.

Bei den Planungen für die Beseitigung der Schäden, für die Wiederaufforstung und für die Auswahl der Bäume steht Marco Adamek der Familie Witthoff zur Seite. Der Förster ist zuständig für den Forstbetriebsbezirk Unna und damit auch für den Hof in Selm-Ternsche. „Schließlich sind wir Landwirte, und nicht die ganz großen Fachleute auf dem Gebiet der Forstwirtschaft“, sagt Hofnachfolger Philipp Witthoff.

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Die alten Bäume wurden gerodet

Der Förster vermittelte auch den Kontakt zu Helfern, die die Familie im Herbst 2014 bei den Rodungsarbeiten unterstützten. „Alleine könnten wir all das gar nicht leisten“, sagt der Landwirt. Die Überlegungen zu den Rodungsarbeiten gingen zunächst dahin, lediglich die umgestürzten, beschädigten und gesplitterten Bäume zu entfernen, um dann auszubessern. Doch diese Idee wurde schnell verworfen. „Das machte überhaupt keinen Sinn“, sagt Witthoff.

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Ziel der Waldbauern ist es, möglichst Wertholz zu erwirtschaften, da dieses einen guten Erlös verspricht. „Grundvoraussetzung für gutes Wertholz sind lange, gerade Stämme“, sagt Heinz-Peter Hiltrop. Nachdem der Sturm Ela durch den Hofbusch der Familie Witthoff gezogen war, gab es nicht mehr viele gerade Stämme. „Minderwertige Ware ergibt natürlich weniger Erlös“, sagt Philipp Witthoff. Entschädigungen für den Mindererlös gab es nicht.

Schließlich handelte es sich um höhere Gewalt. Die Kronen wurden als Brennholz verkauft. Die Baumwurzeln wurden mithilfe einer Stubbenfräse entfernt, um anschließend die Fläche zu mulchen.

Mit Geräten und zwei Mitarbeitern für eineinhalb Tage nach Ternsche

Im März dieses Jahres ging es dann an die Neuanpflanzung. Der landwirtschaftliche Lohnunternehmer Josef Schemmelmann-Wulfert aus Senden kam mit seinen Geräten und zwei Mitarbeitern für eineinhalb Tage nach Ternsche. Auch diesen Kontakt hatte Förster Marco Adamek hergestellt. Insgesamt sollten knapp 3000 Bäume gepflanzt werden.

Heinz-Peter Hiltrop bescheinigte den Pflanzen eine gute Qualität. „Es sind sogenannte Heisterpflanzen, das heißt, sie sind schon etwas größer und haben bereits Seitentriebe“, erklärt der Fachmann. Diese stärkeren Pflanzen seien etwas sicherer gegenüber dem Wildverbiss.

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Der Förster, Familie Witthoff und der Lohnunternehmer hatten sich in erster Linie für Eichen entschieden. Aber auch Winter- und Sommerlinde und Wildkirsche werden im neuen Hofbusch wachsen. Hinzu kommen Schwarz- und Weißdorn, Eberesche und Wildapfel. „So eine Mischung ist wichtig“, sagt Heinz-Peter Hiltrop. „Nur eine Baumart wäre viel zu risikoreich. Es muss auch der Standort berücksichtigt werden. Und die Randbereiche sollten mit niedrig wachsenden Sträuchern bepflanzt werden, damit der Wind nicht ungehindert durch den Wald fegen kann.“

Sträucher, Feldahorn, Ebersche und Wildapfel

Das bestätigt auch der Lohnunternehmer. „Das ist ein stufenartiger Aufbau. Die ersten zwei Reihen werden Sträucher sein, dann folgen Feldahorn, Eberesche und Wildapfel. Erst dann werden Eiche und Linde gepflanzt“, sagt der Experte. „Den richtigen Pflanz-Zeitpunkt zu erwischen ist nicht ganz so einfach“, erklärt Philipp Witthoff. Auch im März war die Befahrbarkeit noch grenzwertig, schließlich hatte es lange und ausgiebig geregnet. Auf der anderen Seite dürfe es aber auch nicht zu trocken sein. Schließlich benötigen die feinen Wurzeln der Bäume Wasser, damit sie sich entwickeln können.

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Der Lohnunternehmer zieht mit der Pflanzmaschine eine tiefe Furche in den Boden, sein Mitarbeiter setzt in einem Abstand von einem Meter jeweils einen Baum in die Erde. Hierbei achtet er darauf, dass die feinen Wurzeln gut im Boden liegen, damit die Pflanze gut anwächst. Ein zweiter Mitarbeiter geht durch die Reihen, zieht hier einen Baum gerade, tritt dort die Erde fest, wirft dort noch etwas Erde an den dünnen Stamm. „Ganz ohne Handarbeit geht’s eben doch nicht“, sagt der Lohnunternehmer. „96 bis 97 Prozent der gesetzten Pflanzen müssen angehen. Das ist unser Ziel, und das schaffen wir auch.“

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„Die Pflanzen werden in einem Reihenabstand von zweieinhalb Metern gepflanzt. Da wir einen hohen Farndruck haben“, sagt Philipp Witthoff, „müssen wir mit dem Traktor durch die Reihen fahren können um gegebenenfalls zu mulchen. Am Ende des Tages sind knapp 3000 Pflanzen auf rund einem Hektar gepflanzt. An diesem neuen Hofbusch werden sich dann wohl die Urenkel des heutigen Betriebsleiters erfreuen können.  

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