Rund um das Einzelhandelszentrum an der B 236 wird das Neubaugebiet Neuenkamp entstehen. Ob dort auch ein Altenheim Platz findet, ist offen. © Stadt Selm
Stadtplanung in Selm

Neubaugebiet in Bork jetzt doch „genau das Richtige“ für ein Altenheim

Das Neubaugebiet Neuenkamp am Lidl in Bork ist laut Planer „absolut genau das richtige Gebiet“ für ein Seniorenheim: eine Aussage im Planungsausschuss, die noch lange nachhallen wird.

Vermutlich hat Dr. Frank Pflüger gar nicht geahnt, in welches politische Wespennest er da sticht, als er am Donnerstag (9.9.) im Selmer Stadtplanungsausschuss eine Frage zur Gestaltung des Neubaugebiets Neuenkamp beantwortete. Ob ein Altenheim in dem sieben Hektar großen Baugebiet denkbar sei, wollte jemand wissen. Pflügers Antwort wird die Selmer Politik noch länger beschäftigen.

„Absolut, das ist genau das richtige Gebiet dafür“, sagte der Stadtplaner und Architekt aus Aachen. Er könne sich ein Altenheim „grundsätzlich gut vorstellen“ in dem Mischgebiet im Halbkreis rund um das Nahversorgungszentrum mit Lidl, Rossmann und Hosselmann. Auf dem Gelände sind nicht nur Wohnhäuser geplant, sondern bis Ende 2023 auch eine Kita sowie nicht störendes Gewerbe. Das alles passe gut zum Bau eines Altenheims. Bei diesen Worten haben insbesondere die Mitglieder der CDU die Ohren gespitzt. Die Folge liegt wenige Tage später im Rathaus auf dem Tisch: ein Antrag.

CDU beantragt runden Tisch wegen der Standortfrage Altenheim

Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Selm beantragt, „die Verwaltung zu beauftragen, einen Runden Tisch aus Vertretern der Caritas, der katholischen

Kirchengemeinde St. Ludger, der Verwaltung und der Politik zu initiieren, der sich mit der Standortfrage für den Neubau einer Caritas-Senioreneinrichtung in Bork beschäftigt“. Die CDU hatte sich – genauso wie die UWG und zahlreiche Bürgerinnen und Bürger von Bork – bereits im Vorfeld für den Altenheim-Standort Neuenkamp stark gemacht.

Der ehemalige Marktplatz – der aktuelle Standort für den geplanten Neubau – war bei ihnen durchgefallen, nachdem die Caritas angekündigt hatte, größer zu bauen als ursprünglich geplant. Der Baukörper werde zu wuchtig, befürchten die Kritiker. Während einer Bürgerversammlung im Juni hatten Bürgerinnen und Bürger einen Flächentausch vorgeschlagen. Im Neuenkamp solle das Altenheim entstehen, auf dem einstigen Marktplatz dagegen weniger raumgreifende Wohnbebauung. Eine Idee, die bei der Stadtverwaltung nicht gut angekommen war.

Bürgermeister und Baudezernent favorisieren Marktplatz

Eine „Alternative, aber keine Lösung“, hatte Bürgermeister Thomas Orlowski im Juni diesen Vorschlag genannt. Die Caritas sei nun einmal Eigentümerin der Fläche im Ortskern. Im Neuenkamp müsste sie das erst einmal werden. Dabei seien dort viele Flächen schon vergeben. Auch der Selmer Baudezernent Stephan Schwager hatte damals dem Vorstoß eine klare Absage erteilt: „Die Caritas ist Eigentümerin dieses Grundstückes. Punkt. Die Änderung des Bebauungsplanes ist politisch beschlossen worden. Punkt. Der Eigentümer erstellt ein Bebauungskonzept und wenn das den Vorschriften des Bebauungsplanes entspricht, dann hat er auch Baurecht.“ Mit anderen Worten: Für einen Planungsstopp sei es zu spät.

So kann sich das Planungsbüro Heinz Jahnen Pflüger aus Aachen die Aufteilung der Fläche vorstellen, die sich an das Borker Einzelhandelszentrum anschließt. In der Mitte: der Park. Dort war zuvor ein Platz geplant.
So kann sich das Planungsbüro Heinz Jahnen Pflüger aus Aachen die Aufteilung der Fläche vorstellen, die sich an das Einzelhandelszentrum anschließt. In der Mitte: der Park. Dort war zuvor ein Platz geplant. © Harald © Harald

Das sieht die SPD genauso – noch aus einem anderen Grund. Anstatt weitere Zeit zu verlieren, solle die Caritas „so schnell wie möglich“ mit dem Bau am geplanten Standort in Bork beginnen, hatte etwa die Arbeitsgemeinschaft 60 plus aus den Reihen der SPD befunden: „Die Betroffenen brauchen diese Einrichtung, um eine bedarfsgerechte Versorgung zu erhalten.“ Aber auch, um die persönlichen Einschränkungen und Lasten der Angehörigen zu minimieren oder sogar zu nehmen, die sich um sie kümmern, so die AG60 Plus weiter

Annabell Vagedes, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU, sieht das ganz anders. „Die CDU-Fraktion freut sich, dass es offenbar doch Alternativen zum bisher geplanten Standort gibt“, schreibt sie im Begleitschreiben zum Antrag ihrer Partei. Damit diese neuen Optionen nun auch aufgegriffen würden und der bisherige Standort nicht weiterhin als alternativlos dargestellt werde, sei der runde Tisch einzurichten.

Pflicht zu Photovoltaikanlagen beschlossen

Darüber ist noch abzustimmen. Für den Bebauungsplan Neuenkamp, den Pflüger vorgestellt hat, besteht indes weitgehend Einigkeit. Bei drei Enthaltungen stimmte der Stadtplanungsausschuss für die Aufstellung des Bebauungsplans und damit auch für einige Änderungen zum ursprünglichen Entwurf. Neu ist die Fläche für eine Kita. Ein bisheriger Quartiersplatz als Treffpunkt der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner wurde zur zentralen Parkanlage umfunktioniert – immer noch mit Aufenthaltsqualität.

Außerdem wird es die Pflicht zur Errichtung von Photovoltaikanlagen geben. Auch wenn er noch stellenweise Luft nach oben sah, lobte Dr. Hubert Seier (UWG) ausdrücklich das Energiekonzept.

Die Stadtverwaltung kündigte an, einen erneuten Versuch zu starten, die Ortsdurchfahrt (B 236) zu verlegen, sobald das Neubaugebiet fertig Ist: Bislang war das an dem Landesbetrieb Straßen.NRW gescheitert. Zurzeit liegt der Kreisverkehrsplatz am Lidl außerhalb geschlossener Ortschaft. Deshalb gibt es auch keine Zebrastreifen dort, und Radfahrer müssen absteigen.

Anhaltend große Nachfrage nach Bauland

Dass das Neubaugebiet gefragt ist, steht schon jetzt fest. Nachdem das Wohnquartier am Friedhof in Bork sowie das Gebiet Am Kreuzkamp-West innerhalb kurzer Zeit ausgebucht waren, hatte die Stadt mit der Planung vom Neuenkamp begonnen – parallel zum Selmer Baugebiet Wohnen am Auenpark. Seit 2017 verzeichnet Selm mehr Zuzüge – vor allem in der Gruppe der 25- bis 45-Jährigen.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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