Die neue Rettungswache in Selm ist über den Planungsstatus noch nicht hinaus. Die Stadt will jetzt selbst bauen - der Rat der Stadt Selm muss das aber erst noch beschließen. © Richter
Neubau

Neue Rettungswache in Selm steht auf der Kippe: Investor stellt Ultimatum

Eigentlich sollten die Bauarbeiten für die neue Selmer Rettungswache bereits begonnen haben. Inzwischen ist wieder offen, ob es überhaupt so weit kommen wird. Die Bauherrin wird ungeduldig.

Selm muss eine neue Rettungswache haben. Das fordert der Rettungsdienstbedarfsplan des Kreises Unna, um die gesetzten Hilfsfristen bei Notfällen einhalten zu können. Es war auch eigentlich alles in trockenen Tüchern und eingestielt – doch nun droht eine Kleinigkeit alle Pläne über den Haufen zu werfen. Die Volksbank Selm-Bork, die als Bauherrin auftritt, wird ungeduldig, weil nichts passiert – und droht mit Rückzug.

„Wir werden nicht mehr lange warten und können das auch nicht“, sagt Martin Potschadel, Vorstand der Volksbank: Als Investor müsse die Volksbank Selm-Bork auf ihre Rendite achten, „auch wenn die nur im kleinen einstelligen Bereich liegen wird“, ergänzt Vorstandskollege Thomas Krotki.

Im Immobiliengeschäft habe die Volksbank in der anhaltenden Zinskrise ein neues Standbein gefunden. „Wir finden das Projekt Rettungswache nach wie vor interessant“, betont der Volksbank-Vorstand, doch es müsse endlich etwas passieren.

Beim Bau einer Rettungswache kommt es jedoch zu einer Gemengelage unterschiedlichster Beteiligter: Der Kreis muss darauf achten, dass der Rettungsdienstbedarfsplan erfüllt wird und nimmt dazu die Stadt in die Pflicht, die Vorgaben umzusetzen. Die wiederum braucht einen Betreiber, die für das fachliche Know-how sorgt. Und will man bei der Finanzierung des erforderlichen Objekts nicht in die eigene Tasche greifen, muss ein Investor her, der das Gebäude errichtet und für das Rettungswesen zur Verfügung stellt.

Geplant war, dass die Volksbank Selm-Bork die Rettungswache neben der neuen Tankstelle am Kreisverkehr Kreisstraße/Zeche-Hermann-Wall errichtet und dann langfristig vermietet. Alle seien sich da einig, heißt es: Stadt, Kreis und Volksbank. Doch seitens der Krankenkassen, die sich an der Finanzierung des Rettungsdienstes beteiligen, fehle eine Zusage. Und solange die aussteht und damit ein Betrieb der Rettungswache rein formal unklar ist, passiert nichts.

„Wenn das nicht passen sollte, sind wir raus.“

Martin Potschadel

Das treibt nun die Volksbank auf die Barrikaden. „Wir warten schon lange“, sagt Potschadel. Inzwischen seien die Preise im Bausektor schon wieder gestiegen. Das bedeutet für den Investor, dass seine Kostenkalkulation nicht mehr stimmt und die erwartete Rendite geringer ausfällt. Viel Zeit bleibt den Beteiligten daher nicht mehr, alle Wogen zu glätten und alle Verhandlungen positiv abzuschließen.

Denn bei der Volksbank heißt es, dass Anfang des Jahres zu entscheiden sei, ob sich die Volksbank aus dem Projekt nicht wieder zurückziehe. Und dann beginnt die konzeptionelle Planung wieder von vorn. Wohl ohne Volksbank. „Wir haben schon jetzt zwei Monate verschenkt“, sagt Martin Potschadel zu den noch immer nicht abgeschlossenen Verhandlungen. Für ihn steht fest: „Wenn das nicht passen sollte, sind wir raus.“

Ihre Autoren
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
Zur Autorenseite
Sylvia vom Hofe
Freie Mitarbeiterin

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt