Der neue Fokus-Chef Benedikt Sträter an seinem neuen Arbeitsplatz im Bürgerhaus Selm: „Ich habe ein hoch engagiertes Team." © Arndt Brede
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Neuer Fokus-Chef Benedikt Sträter: „Angebote für ein lebenswertes Selm“

Mit Benedikt Sträter hat der Fortbildungs-, Kultur- und Sportbetrieb Selm (Fokus) einen neuen Leiter. Wie sind die ersten rund 100 Tage gelaufen? Was hat der Neue vor?

Bis Ende März hat Benedikt Sträter als stellvertretender Leiter des Amtes für Jugend, Schule, Familie und Soziales gearbeitet, war dort zuständig für die Abteilung Soziale Dienste mit Pflegekinderdienst, Allgemeiner Sozialer Dienst und Jugendgerichtshilfe. Etwas mehr als 100 Tage dauert jetzt schon die Amtszeit von Benedikt Sträter als neuer Leiter des Fortbildungs-, Kultur- und Sportbetriebs (Fokus) der Stadt Selm. Ist die Eingewöhnung abgeschlossen? Gibt es schon Pläne? Antworten hat Sträter im Interview.

Sie haben damals die Stellenausschreibung für die Leitung des Fokus gelesen. Und dann? Waren Sie nicht mehr zufrieden in ihrer bisherigen Stelle, dass Sie sich beworben haben?

Es war ein tolles Arbeiten im Team der Sozialen Dienste. Gleichwohl bringt die neue Stelle noch mal eine neue Herausforderung mit sich nach schönen und interessanten 20 Jahren, aber auch mit zum Teil durchaus nicht nur positiv besetzten Arbeitsbereichen mit vielen schwierigen Erfahrungen von Lebensverhältnissen, in denen Kinder aufwachsen. Jetzt Erwachsenenbildung und Angebote in den Bereichen Kultur, Sport, Bibliothek und Musikschule mitgestalten zu dürfen, hat mich sehr gereizt. Und dass das auch noch in Selm möglich ist, freut mich besonders.

Was nehmen Sie aus ihrem alten Job in den neuen Job mit?

Ich nehme viele Netzwerke mit. Wir haben mit Schulen, Kitas und Vereinen im Zusammenhang mit Jugendhilfe und Kinderschutz kooperiert. Ich habe, glaube ich, eine Vorstellung davon, was Kinder, Jugendliche, Familien, Erwachsene hier in Selm bewegt und was ihnen wichtig ist. Das ist für die Leitung des Fokus von elementarer Bedeutung.

Der Fokus ist mehr als Volkshochschule. Musikschule, Kultur, Bibliothek gehören dazu. Wie haben Sie sich auf diese Herausforderung vorbereitet?

Durch meine bisherige berufliche Tätigkeit habe ich nicht ganz bei Null angefangen. Mit der Bibliothek, der Musikschule, mit dem Fokus insgesamt hatte ich schon zu tun und hatte kollegiale Kontakte und wusste, welche Aufgaben beim Fokus auf mich zukommen würden. Detailwissen zu den einzelnen Bereichen musste ich mir noch aneignen und auch dafür war die Einarbeitung durch Michael Reckers, meinen Vorgänger, ganz wichtig. Ich wurde hier toll vom Team aufgenommen. Es gab viele Einzelgespräche, auch in digitaler Form. Corona hat das Ganze nicht einfacher gemacht. Das war herausfordernd, hat aber auch viel Freude gemacht, weil ich hier auf ein hoch engagiertes Team getroffen bin.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Fokus-Leiter?

Ich verstehe mich nicht als derjenige, der von oben herab den Daumen hebt oder senkt, wie Fokus oder einzelnen Bereiche gestaltet werden können. Ich möchte die Bereiche mitgestalten, Impulse geben, Entscheidungen treffen, aber immer unter Einbeziehung des Teams. Fokusarbeit ist Teamwork.

Gibt es künftige Schwerpunkte in Ihrer Arbeit?

Ein Fokus wird beispielsweise darauf liegen, zu schauen, wie wir neue Teilnehmerkreise aktivieren, wie wir uns im Bereich Social Marketing aufstellen können. Der Digitalisierungsprozess hat auch durch die Coronapandemie rasend Schub aufgenommen und an Schnelligkeit gewonnen. Das sieht man auch im Programm, in welches wir Präsenzkurse, aber auch Hybridkurse aufgenommen haben. Und es gibt auch reine digitale Veranstaltungen. Die werden auch gut angenommen. Das geht aber nur, wenn die Dozenten und Übungsleiter mitmachen. Das tun sie mit Engagement und viel Mut neue, digitale Techniken auszuprobieren. Es kommt positives Feedback von den Teilnehmern.

Das hilft sicher auch dabei, eigene Akzente zu setzen. Wie sieht es da bei Ihnen aus?

Ein großes Thema wird sicherlich sein, zu schauen, wie wir Jugendliche und junge Erwachsene bei der schulisch-beruflichen Perspektiventwicklung noch mehr oder intensiver unterstützen können. Zum Beispiel einen Hauptschul- oder Realschulabschluss zu erreichen. Wir können Bewerbungstraining anbieten. Das ist auch in Coronazeiten wichtig, denn die Landesjugendämter schlagen Alarm, dass wir eine hohe Anzahl von Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben werden, die die Schule abbrechen oder ohne Abschluss verlassen werden oder müssen.

2015 gab es für die VHS die Herausforderung, Flüchtlinge mit Sprachkursen zu integrieren. Corona ist auch eine Herausforderung. Gibt es weitere Herausforderungen für den Fokus?

Spracherwerb für Geflüchtete weiter auszubauen, gehört weiter dazu. Schulabschlusskurse auch. Wir sind da auch mit den Asylkreisen im Austausch.

Gibt es Wünsche?

Ich bin sicher, dass das Team offen ist, zu schauen, wie wir uns weiter entwickeln, für den Fokus neue Perspektiven auftun können. In der Verwaltung habe ich immer mit Akteuren zusammengearbeitet, bei denen ich das Gefühl habe, dass denen das Leben von Kindern, Jugendlichen, Familien, Erwachsenen in Selm wichtig ist.

Die Rahmenbedingungen Ihrer Arbeit werden in der Politik gesetzt.

Ich kann immer nur den offenen Dialog anbieten. Wenn Politik ein Interesse hat, mitzudiskutieren, wie sich Fokus entwickeln soll, stehen hier die Türen offen. Mit der politischen Arbeit habe ich hier in Selm in den letzten Jahren ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Ein Betrieb wie Fokus ist für Selm und seine Bürger ganz wichtig. Es wird und wurde neuer Wohnraum geschaffen und gleichzeitig gilt es jetzt, zu schauen, welches Angebot wir für Kinder, Jugendliche, Familien, allein lebende Erwachsene in Selm machen, um eine lebenswerte Stadt zu sein.


Über den Autor
Redaktion Selm
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Arndt Brede

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