Die Verhandlung fand vor dem Amtsgericht Lünen statt. © Mönnig
Gerichtsprozess

„Nichts dran“ – Lüner beschuldigte Selmer der sexuellen Belästigung

Bei einer zufälligen Begegnung sollte ein Selmer (43) einen Lüner (59) sexuell belästigt haben. Vor Gericht reagierte er fassungslos auf den Vorwurf und beteuerte seine Unschuld. Mit Erfolg.

Die Männer, die sich zuvor nicht kannten, trafen am frühen Morgen des 20. Januar in Lünen aufeinander. Der spätere Angeklagte aus Selm war als Security-Mitarbeiter tätig, der Lüner trug Zeitungen aus. Sie kamen ins Gespräch. Der Jüngere spendierte dem Älteren eine Zigarette. Dann, so die Anklage, sollte die Unterhaltung seitens des Selmers plötzlich sexuelle Bezüge gehabt haben und er sollte den 59-Jährigen sowohl am Bein als auch im Bereich des Schritts angefasst haben.

„Ganz belanglose Gespräche“

Das wies der 43-Jährige aus Selm nun vor dem Lüner Amtsgericht energisch von sich. „Da ist nichts dran“, versicherte er und fügte kurz darauf hinzu: „Das waren ganz belanglose Gespräche.“ Der Andere sei später doch sogar noch einmal zu ihm gekommen und habe um eine zweite Zigarette gebeten. Überhaupt könne er sich nicht erklären, wie dessen Strafanzeige zustande gekommen sei. Er habe so eine Neigung gar nicht. Vielmehr sei er glücklich verheiratet, betonte der Angeklagte, der zuvor auch noch nie in Erscheinung getreten war.

Der Lüner indes bekräftigte seinen Vorwurf wenig später im Zeugenstand. Als ihn der Selmer angefasst habe, sei er geschockt gewesen, habe erstmal gar nichts gesagt. Einige Stunden später habe er sich dann zu der Anzeige entschieden: „Ich dachte mir, geh doch mal zur Polizei, denen Bescheid sagen.“ Und ja, es stimme, dass er noch einmal zu dem Selmer gegangen sei. „Ich habe gedacht, Zigarette kann man sich ja noch einmal nehmen.“

Widersprüche bei der Aussage

Warum er außerdem unter anderem erzählt habe, wo er genau wohne, das wisse er gar nicht. Zudem traten bei der Aussage im Hinblick auf die Angaben, die er damals bei der Polizei machte, Widersprüche auf. So sprach er beispielsweise bei der Erstattung der Anzeige davon, dass der Angeklagte seinen Reißverschluss angefasst habe. Vor Gericht schilderte er einen gezielten Griff in den Schritt. Auch beschrieb er den Beamten den Täter als blond. Der Mann auf der Anklagebank hatte jedoch sehr dunkle Haare. Trotzdem wollte er ihn zu einhundert Prozent wiedererkennen.

„Wir waren alle nicht dabei“, fasste es die Strafrichterin letztlich zusammen. Die Einlassung des Selmers sei aber schlüssig gewesen, die Aussage des Lüners sei nicht so überzeugend gewesen. In dem Kontext verwies sie auf die Widersprüche in den Angaben des 59-Jährigen. Für den erleichterten Selmer endete der Fall schließlich mit einem Freispruch.

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