Palmen im Vorgarten: Selmer genießt im Winter seinen Sommerurlaub zuhause

mlzPalmen im Schnee

Große, grüne, fächerartige Blätter und ein rauhaariger Stamm: Beim Anblick von Palmen schweift die Gedanken in den Urlaub im Süden. Markus Jankowiak aus Selm muss aber nicht so weit fahren.

von Angelika Steger

Selm

, 04.02.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Palmen im Winter? Nach einem Facebook-Aufruf für Schneebilder sendete die Nutzerin Ute Kuchen schickte das Foto einer schneebedeckte Palme – aufgenommen in Selm. Ihr Nachbar Marcus Jankowiak hat diese Palme in seinem Vorgarten im Mergelkamp stehen.

Wir haben nachgefragt: Wie kommen diese tropischen Pflanzen mit den kalten Temperaturen hierzulande zurecht? „Diese Palmen stammen aus Asien, aus einer Gebirgsregion, die wachsen da in 1500 Meter Höhe und halten bis zu minus 18 Grad Celsius aus“, sagt der stolze Palmenbesitzer. Diese Palmenart habe ihm so gut gefallen, dass er sie in seinen Garten gepflanzt hat. Sein Arbeitskollege habe auch welche: vor seinem Firmengebäude. Das hatte Jankowiaks Wunsch verstärkt. „Mir gefallen vor allem diese fächerartige Blattform und der struppige Stamm“, bekennt er.

Das eingeschickte Bild der schneebedeckten Palmen der Facebook-Userin Ute Kuchen.

Das eingeschickte Bild der schneebedeckten Palmen der Facebook-Userin Ute Kuchen. © Ute Kuchen

Seine Frau Indra ergänzt: „Wir sind selbstständig und haben nicht so viel Zeit, um immer in den Urlaub zu fahren. Mit der Bank und den Palmen vor der Haustür haben wir dann richtiges Urlaubsfeeling.“ Nur der Cocktail fehlt noch.

Palmen mögen eins nicht

Als Dachdecker hat Markus Jankowiak auch die aufwendige Pflanzarbeit der etwa zwei bis drei Meter hohen Bäume nicht gescheut: Er hatte zuerst nicht nur ein 70 Zentimeter tiefes Loch gegraben, sondern auch zusätzlich eine Drainage einsetzen müssen, sagt er. Erst dann konnte der Baum in den Boden gesetzt werden. Seit Februar 2018 zieren nun zwei Palmen seinen Vorgarten.

Dr. Michael Henze, Umweltreferent beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau bestätigt, dass diese Palmen (botanischer Name: Trachycarpus fortunei) zumindest bedingt winterhart sind. „Allerdings mögen Palmen eins nicht: Wechselfröste. Also wenn es zuerst kalt ist, dann taut und später wieder friert. Diese Pflanzenart ist keine bestimmte Züchtung wie bei etwa Rosen, bei denen eine bestimmte Farbe gewünscht ist.

Diese winterfeste Palme ist hauptsächlich durch Selektion in bestimmten Regionen in Asien entstanden. Sie ist eigentlich in China und Myanmar zuhause. Spezielle Baumschulen bieten laut Henze auch Beratung zu dieser Pflanzenart an und machen genaue Angaben etwa zur Frostempfindlichkeit.

„Modegag“: Palme im Vorgarten

Heimisch sind Palmen nicht in Deutschland. Ist das nicht problematisch? „Man muss sich natürlich auch fragen, ob das grenzwertig ist“, meint Dr. Michael Henze. Bei der Gartengestaltung stünden ästhetische und ethische Fragen im Mittelpunkt.

„Da sind wir als Garten- und Landschaftsgärtner gefragt, um den Kunden gut zu beraten.“ Für Dr. Henze ist diese Palmen-Begeisterung auch ein „Modegag“. Solitärpflanzen mit Lichteffekten in Szene zu setzen – etwa mit einem in den Boden gesetzten Spot – sei ein anhaltender Trend. Bei guter Pflege könnten Palmen im heimischen Garten gut gehalten werden. Im Winter brauchen sie laut Henze eine schützende Schicht aus Vlies oder Jutestoff, im Sommer sollte man den Boden, in dem die Pflanze wächst, nicht zu trocken werden lassen. Möglich sei auch, dass die Palmen hier in Deutschland eher anfällig für Schädlinge sind, weil sie nicht in ihrer ursprünglichen Umgebung sind.

In der Straße von Markus Jankowiak ist der Palmentrend bereits angekommen: Sein Nachbar ein paar Häuser weiter hat auch zwei Exemplare der großblättrigen Pflanzen in seinem Vorgarten.

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