Pfarrer Jörg Rudolph und sein 23 Jahre alter R4

BORK Sein Auto ist 23 Jahre alt und es kämpft mit dem Rost. Von der Abwrackprämie will Pfarrer Jörg Rudolph dennoch nichts wissen. Niemals würde er seinen dunkelblauen R4 für 2500 Euro verschrotten lassen.

von Von Kathrin Strehle

, 10.03.2009, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Pfarrer Jörg Rudolph und sein 23 Jahre alter R4

Pfarrer Jörg Rudolph und sein 23-Jahre alter R4 vor der Kirche in Bork.

"Das Auto ist ein Erbstück von meinen Eltern", erklärt der Pfarrer seinen Standpunkt. Für ihn hat der Renault daher einen hohen emotionalen Wert. "Meine Eltern sind immer R4 gefahren. Zumindest seit ich denken kann", berichtet Jörg Rudolph.Seit 1986 in Familienbesitz

Der Dunkelblaue kam 1986 in Familienbesitz. Mit ihm sind seine Eltern gefahren bis der Vater Ende 1998 bettlägrig wurde. "Und meine Mutter hatte keinen Führerschein." So übernahm der Pfarrer das Auto und gab es seitdem nicht wieder her.

"Doch einmal hatte ich ihn eigentlich schon verloren", erinnert er sich. Weil der R4 zum TÜV musste, hatte Pfarrer Rudolph ihn in die Werkstatt gebracht.

Er wusste, dass einiges auszubessern war, doch der Mechaniker hatte noch schlechtere Nachrichten: "Ich solle sehen, dass ich für das Auto noch 100 Euro bekomme, hat er mir damals gesagt. Eine Reparatur würde sich nicht mehr lohnen", erzählt der Geistliche.Rückkauf nach drei Wochen

Übers Internet fand er einen Mann aus Viersen, der 100 Euro bezahlte und das kaputte Gefährt abholen kam. Drei Wochen später rief der Mann überraschend an. "Er hat wohl gemerkt, dass für mich Herzblut an dem R4 hängt und hat mir angeboten ihn für mich zu reparieren und ihn durch den TÜV zu bringen", berichtet Jörg Rudolph begeistert. Für 1000 Euro hat er sein Auto daraufhin wieder zurückgekauft - mit neuer Unterbodenplatte und voll funktionstüchtig.

Das war vor etwa sechs Jahren. Natürlich sind die Reparaturen vor dem TÜV seither nicht weniger geworden, doch jetzt hat der Pfarrer Ehrgeiz entwickelt: "Am liebsten würde ich ihn jetzt noch fahren bis er 30 Jahre alt ist und dann gucken, ob ich ein H-Kennzeichen für Oldtimer bekomme.""Da fährt der Pfarrer"

Lange Strecken fährt Rudolph mit dem R4 nicht. Das hat er noch nie getan. Nur 117 000 km zeigt der Kilometerzähler an. "Weil ich mich mit ihm nur im Nahbereich bewege." Und da hat das Auto inzwischen einen richtigen Wiedererkennungswert.

Wenn Pfarrer Jörg Rudolph durch Bork fährt, winken ihm immer viele Menschen zu. "Sie wissen dann: Da fährt der Pfarrer."

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