„Warum wurde er nicht suspendiert?“: Viele Fragen im Missbrauchsskandal um Pfarrer Theo Wehren

Missbrauchsskandal

Ein Brief am Grabstein brachte einen Missbrauchsskandal um den verstorbenen Pfarrer Wehren ans Licht. Als Kaplan war er bis 1969 in der Pfarrei St. Josef tätig. Die Aufklärung des Falls dauert.

Selm

, 13.07.2019, 10:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Warum wurde er nicht suspendiert?“: Viele Fragen im Missbrauchsskandal um Pfarrer Theo Wehren

Gegen einen Pfarrer, der auch in St. Josef eingesetzt war, sind Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs laut geworden. © Marie Rademacher

Fassungslos und wütend ist man in Bocholt-Barlo. Dort war Pfarrer Theo Wehren zuletzt im Amt gewesen. Zu einer Gemeindeversammlung in der vergangenen Woche kamen mehr als 200 Interessierte - und die stellten viele kritische Fragen. Antworten gibt es auf die meisten allerdings noch nicht.

Ob es in Selm eine ähnliche Infomationsveranstaltung geben wird, ist noch unklar. Der leitende Pfarrer der Pfarrgemeinde St. Ludger, Claus Themann, wird erst in der kommenden Woche wieder in Selm sein und sich des Themas annehmen können. Und das wird er auch müssen.

Mindestens drei Vorwürfe stehen schon im Raum

Nicht nur in dem anonymen Schreiben, das am Grab des 2011 vestorbenen Pfarrer angebracht wurde, waren Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen den Mann erhoben worden, sondern es gibt mindestes zwei weitere Fälle: Bereits Anfang 2013, so teilte das Bistum Münster mit, hatte sich ein Betroffener beim Bistum gemeldet. Ein weiterer habe sich im März diesen Jahres an eine Ansprechperson gewandt. „Beide gaben an, mindestens einmal von dem Priester missbraucht worden zu sein“, heißt es in der Presseerklärung.

Die Vorwürfe bezögen sich in einem Fall auf die Zeit, als der beschuldigte Priester in Selm beziehungsweise in Recklinghausen tätig gewesen war, im anderen Fall wurde bislang kein Ort benannt. Laut der Pressemitteilung war Pfarrer Theo Wehren im Jahr 1966 zum Priester geweiht worden und bis 1969 als Kaplan in der Pfarrer St. Josef in Selm tätig, bis 1975 dann in St. Antonius in Recklinghausen. Das Bistum bittet weitere Betroffene, sich zu melden und alle Vorfälle sexuellen Missbrauchs anzuzeigen. Ansprechpartner für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs sind Bernadette Böcker-Kock, Tel. (0151) 63404738, und Bardo Schaffner, Tel. (0151) 43816695.

Pfarrer wurde rechtskräftig wegen Missbrauchs verurteilt

In der Personalakte des Pfarrers, so teilte das Bistum weiter mit, finde sich die Abschrift eines rechtskräftigen Urteils des Amtsgerichts Bocholt vom November 1976. Darin war der Pfarrer wegen wiederholter sexueller Handlungen an Minderjährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden, hatte danach aber weiter als Pfarrer Kontakt zu Kindern und Jugendlichen, organisierte Ferienfreizeiten und gab Religionsunterricht. Unverständlich für die Barloer: „Warum wurde er nicht suspendiert?“, war eine der Fragen - eine weitere die nach den Verantwortlichen.

Alle offenen Fragen will das Bistum Münster über eine externe Expertenkommission klären. Die sollte noch vor den Sommerferien mit der Arbeit beginnen. Ob das passiert ist, beantwortet das Bistum im Moment allerdings nicht. Der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster ist erst am 29. Juli wieder im Haus: Bis dahin beantwortet die Pressestelle des Bistums keine Anfragen der Redaktion.

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