Pflegedienst in Corona-Zeiten: Auch Olia aus Selm achtet noch mehr als sonst auf Hygiene

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Homeoffice ist keine Option für die ambulante Pflege - auch nicht in Zeiten von Corona. Der Selmer Pflegedienst Olia achtet derzeit noch mehr als sonst auf Hygiene.

Selm

, 25.03.2020, 18:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Angst um sich selbst, so sagt es Karola Baier vom Pflegedienst Olia aus Selm, haben sie eigentlich nicht, die Mitarbeiter, die jeden Tag in ihren dunkelroten Autos durch Selm, Lünen und Dortmund fahren. Zu Menschen, die auf medizinische Versorgung, Pflege, Hilfe angewiesen sind. Ältere Menschen sind das zum allergrößten Teil, manche haben Vorerkrankungen und oft ein nicht gerade starkes Immunsystem. Sie gehören zur Risikogruppe - eine Ansteckung mit dem sich gerade immer weiter ausbreitenden Coronavirus könnte für sie besonders gefährlich werden.

Deshalb, so sagt es Karola Baier von Olia, gibt es eben doch manche Mitarbeiter, die gerade mit ein bisschen Angst von Haus zu Haus fahren. Nicht davor, sich selbst anzustecken, fürchten sie sich. Sondern eher davor, das Virus in die Häuser der Patienten zu tragen. „Es kann ja durchaus sein, dass man sich infiziert hat, aber symptomfrei ist“, sagt Karola Baier. Gerade deshalb achtet der Pflegedienst im Moment noch mehr als sonst auch auf verstärkte Hygiene.

Hygienebeauftragte beim Pflegedienst

„Wir haben im Haus eine eigene Hygienebeauftragte, die auch mit dem Robert-Koch-Institut in Verbindung steht“, sagt Karola Baier. Selbst arbeitet sie übrigens gerade von zu Hause aus: Zusammen mit einer Kollegin besetzt sie sonst das Büro des Pflegedienstes in Bork, ist Schaltstelle für die 81 Mitarbeiter von Olia (das steht für „Optimal Leben im Alter“), die dort ein- uns ausgehen und immer in direktem Kontakt mit Karola Baier stehen. Im Moment ist das natürlich keine gute Idee - deshalb wurde das Büro ins Homeoffice verlegt.

Die dunkelroten Autos vom Pflegedienst Olia sind in Selm, Lünen und Dortmund unterwegs. Auch in Zeiten von Corona.

Die dunkelroten Autos vom Pflegedienst Olia sind in Selm, Lünen und Dortmund unterwegs. Auch in Zeiten von Corona. © Pflegedienst Olia

Für die mobilen Pflegekräfte ist diese Art des Kontaktverzichts, der ja gerade in vielen Berufen genutzt wird, aber nun mal keine Möglichkeit, ihren Job zu machen. Genau wie die Verkäuferinnen im Supermarkt, das Krankenhauspersonal oder auch Busfahrer, müssen sie weiter „raus“, um alles am Laufen zu halten.

Immer haben die Mitarbeiter Handschuhe an, wenn sie Patienten pflegen, sagt Karola Baier. „Wir fahren aktuell aber noch nicht mit Masken, wie das andere Pflegedienste tun“, sagt sie. Das sei laut Robert-Koch-Institut noch nicht notwendig. Und hier kommt ein Problem hinzu, was die Medizin-Branche derzeit umtreibt: Die speziellen Masken oder auch nur der einfache und nicht vollständig schützende Mund- und Nasenschutz sind derzeit sehr schwer zu bekommen. Genauso sieht es auch mit Desinfektionsmitteln aus.

Beim Pflegedienst Olia ist „zum Glück“ genug davon vorhanden. „Wir sind da auch sehr hinterhergerannt“, sagt Karola Baier. Erst hieß es, so erzählt sie weiter, Nachschub werde erst Ende Mai kommen. Bei einem Pflegedienst ginge das aber gar nicht, sagt sie und ist froh, dass doch noch kurzfristiger etwas organisiert werden konnte. In jedem Auto liegt eine Flasche - vor und nach jedem Patientenbesuch nutzen es die mobilen Pflegekräfte.

Mehr Gespräche, um Sorgen vor Corona zu nehmen

Dass die Mitarbeiter wegen der aktuellen Krisenlage mehr Überstunden als sonst machen, ist zumindest bei Olia nicht so. „Wir haben nicht aufgestockt“, sagt Karola Baier, es sei auch nicht unbedingt mehr oder weniger zu tun durch die aktuelle Lage. Einige Patienten hätten abgesagt - weil die Familie wegen der Corona-Krise gerade so viel mehr zu Hause ist oder Angehörige im Homeoffice arbeiten und sich so flexibler kümmern können. Ansonsten sei der Gesprächsaufwand im Moment ein bisschen mehr geworden, „um die Patienten zu beruhigen“, sagt sie weiter.

Wie genau die Maßnahmen gegen die Ausbreitung von den älteren Menschen wahrgenommen und umgesetzt werden, sei pauschal einfach nicht zu sagen, so Karola Baier. „Es gibt Patienten, da fliegt weiter die Familie ein und aus“, sagt sie, aber es gebe eben auch das Gegenteil. Für manche sei es schwer, nicht mehr zusammen mit den Betreuungsdamen des Pflegedienstes einkaufen zu gehen, und sich die Einkäufe durch sie einfach bringen zu lassen. „Denen fällt einfach die Decke auf den Kopf“, erklärt Karola Baier verständnisvoll.

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