Piraten geht es an den Kragen

SELM Dem Piraten geht es an den Kragen. Markus Kapp nimmt sein Arbeitswerkzeug und legt los. Das ist keine Szene aus dem Abenteuerepos "Fluch der Karibik" und Jack Sparrow muss leiden.

von Von Malte Woesmann

, 18.01.2008, 14:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
<p>Der Pirat ist fast schon fertig.</p>

<p>Der Pirat ist fast schon fertig.</p>

Markus Kapp nimmt Pinsel und Farbe und malt den großen Pappkameraden an. Denn "Kappi" und andere Mitglieder des BVB Fanclubs Selm bauen wieder seit einigen Wochen an ihrem Karnevalswagen für den Umzug am 2. Februar.

"Das ist bereits unser zehnter Wagen", berichtet der Vorsitzende Wolfgang Barton nicht ohne Stolz. Alle in Eigenarbeit gefertigt. Und so streichen, kleben, basteln und hämmern die BVB-Fans eifrig, um den Wagen bis zum Umzug fertig zu bekommen.

Wandfarbe

Markus Kapp öffnet den Eimer mit der weißen Farbe. "Die musst du noch verdünnen", sagt Barton. Gesagt, getan. Der 2. Vorsitzende schnappt sich den Wassereimer und gibt langsam etwas zu der dicken weißen Wandfarbe hinzu. Umrühren natürlich nicht vergessen.

Weiter geht's. Zusammen mit Toni Terhaart schnappt er sich einen Pinsel und wendet sich dem Piraten-Pappkameraden zu. Die grüne Hose und das weiß-rote Oberteil sind schon fast fertig. Der Hals muss aber weiß werden; und die Ohrläppchen nicht vergessen. Locker im Handgelenk schwingen Kapp und Terhaart den Pinsel, tragen Schicht um Schicht auf während im Hintergrund "Über den Wolken" aus dem Radio klingt. "Wir haben es hier schon richtig gut", findet Wolfgang Barton.

Knut

Seit sieben Jahren bauen sie ihre Wagen auf dem Hof von Ludger Schwenken. "Wenn wir mal Werkzeug brauchen, Ludger besorgt es uns", freut sich Barton. Apropos Werkzeug. Wenn das mal fehlt, könnte Knut schuld sein.

Knut, genauso weiß wie sein Namenspatron aus dem Berliner Zoo, ist der Hofhund von Schwenken. Der Spitz wuselt gern um die BVB Fans umher, möchte halt mit ihnen spielen. "Der Sauhund klaut uns aber schon mal die Werkzeuge und legt sie irgendwo auf dem Hof ab. Ach ja, und dann beißt er manchmal noch das Papier kaputt", sagt Barton. Böse ist er Knut darüber nicht. Dafür haben sie alle zu viel Spaß an der Arbeit.

So langsam nimmt der Wagen Gestalt an. Nicht nur die Figur, die hinterher auf dem Wagen thronen wird, muss noch gestrichen werden. Auch der Wagen bedarf noch der ein oder anderen Schicht Farbe. Barton rührt auf einer Kochplatte Kaschiermasse an. "Das Problem dabei, die darf nicht zu warm werden. Sonst ist sie nicht zu gebrauchen", sagt Barton. Also wird sie im Wasserbad erhitzt. Die Kaschiermasse wird anschließend auf das Gittergestell aufgetragen, damit der Wagen seine Form bekommt. "In diesem Jahr geht es um den Bahnhof Selm-Beifang und die Prignitzer Eisenbahn", verrät der BVB-Vorsitzende. Das Motto des Wagens lässt er sich aber nicht entlocken. "Das hat noch keiner vorher rausbekommen", sagt er.

Schadensbegrenzung

Terhaart und Kapp schwingen wieder den Pinsel. Der Triebwagen der Prignitzer Eisenbahn muss auch noch gestrichen werden. Barton kümmert sich derweil um "Schadensbegrenzung". Mit dem Teppichmesser gleicht er Beulen am Triebwagen aus. "Wenn man nicht alles selber macht", lacht er. Von "Kappi" bekommt er daraufhin zu hören. "Wir sind halt für das Grobe, du für das Feine bestimmt." Und so streichen sie auch den Wagen Schicht um Schicht an. Genau wie die "Erzfeinde" nur ein paar Meter weiter. Durch Zufall fand Barton heraus, dass die Selmer Knappen nur einen Steinwurf entfernt auf dem Nachbarhof ihren Wagen für den Umzug bauen. "Ich hab dann gesagt, dass ich in der Nacht dann mal vorbeikomme und den Wagen komplett schwarz-gelb streiche", schmunzelt der BVB-Vorsitzende. Nein, das macht er natürlich nicht. Lieber malen sie alle gemeinsam ihren eigenen Wagen an.

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