Polizistenmord: Berger-Akte sollte gelöscht werden

NSU-Untersuchungsausschuss

Nur einen Tag nach dem Mord von Michael Berger an drei Polizisten in Dortmund und Waltrop am 14. Juni 2000 hat der NRW-Verfassungsschutz angeordnet, eine über Berger angelegte Akte zu löschen. Das wurde am Freitag im NSU-Untersuchungsausschuss in Düsseldorf bekannt. Hier gibt es eine Übersicht der damaligen Ereignisse.

DORTMUND/BORK

10.12.2016, 07:04 Uhr / Lesedauer: 1 min
In Olfen steht am frühen Abend des 14. Juni 2000 ein Polizeihubschrauber in der Nähe eines Feldweges. Hier war der Wagen des Polizistenmörders Michael Berger entdeckt worden, daraufhin wurden Spezialisten zu dem Ort gebracht. Die Beamten fürchteten weitere Tote, zum Beispiel durch Sprengfallen an dem tiefergelegten BMW des Täters.

In Olfen steht am frühen Abend des 14. Juni 2000 ein Polizeihubschrauber in der Nähe eines Feldweges. Hier war der Wagen des Polizistenmörders Michael Berger entdeckt worden, daraufhin wurden Spezialisten zu dem Ort gebracht. Die Beamten fürchteten weitere Tote, zum Beispiel durch Sprengfallen an dem tiefergelegten BMW des Täters.

Die Löschung der Akte "Michael Berger KK 1540077" ordnete schriftlich Hans Peter Lüngen an, der das Referat 6 im Landesamt leitete. Die Anweisung zur Löschung einer Akte nur einen Tag nach der brutalsten Attacke auf Polizisten in der Nachkriegszeit ist aufgrund des Zeitpunktes für Dr. Joachim Stamp (FDP) "absolut unverantwortlich und für einen normal denkenden Menschen nicht nachvollziehbar". 

Der Fall ist die Geschichte fehlerhafter Ermittlungen mit bemerkenswerter Auffälligkeiten, die bis heute nicht aufgeklärt sind.

 Auch die Landtagsabgeordnete Verena Schäfer (Grüne) äußerte Kritik. Warum es die Löschankündigung gab und was der Inhalt der Akte war, konnte Lüngen selbst gestern nicht erklären. Ebensowenig, warum fünf Tage nach der Tat zusätzlich die Löschung der Nadis-Akte Bergers angeordnet wurde. Nadis ist die Abkürzung für Nachrichtendienstliches Informationssystem. 

Der ehemalige Verfassungsschützer vermutete am Freitag, dass er die Löschanweisung gegeben hat, da Berger verstorben war. Er räumte allerdings ein, dass diese Aktion "ein Fehler und durchaus kritikwürdig" sei. Nach der Tat war das Gerücht aufgekommen, er habe einen rechtsterroristischen Anschlag geplant, auch soll er gegenüber Beamten angegeben haben, Mitarbeiter des Verfassungsschutzes gewesen zu sein.

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