Geschäfte in der Selmer Altstadt, im Selmer Zentrum und in Bork bieten Private Shopping an. Die Resonanz auf dieses Angebot des individuellen Einkaufs nach Feierabend ist eher mäßig. © Arndt Brede
Aktion der Einzelhändler

Private Shopping in Selmer und Borker Geschäften wird kaum genutzt

Private Shopping heißt das Angebot, das Selmer und Borker Geschäfte ihren Kunden machen. Einkaufen in Ruhe nach Feierabend, mit minimiertem Ansteckungsrisiko. Klingt eigentlich erfolgversprechend.

Die Coronakrise bereitet vielen Geschäftsleuten echte Kopfschmerzen. Aus Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken, bleiben Kunden den Geschäften fern, schwenken auf Einkauf im Internet um. Gerade lokale Geschäfte verzeichnen dadurch weniger Kundenfrequenz und Umsätze. Was tun?

Die Mitgliedsbetriebe der Werbegemeinschaft Selm lassen die Köpfe nicht hängen, sondern gehen mit besonderen Aktionen in die Offensive: verlängerte Öffnungszeiten an Samstagen; Lieferservices. Und: Private Shopping. Seit Anfang November gibt es das Angebot und die Geschäfte werben in den Schaufenstern dafür.

Wie das Private Shopping funktioniert, erklärt Nicole Reuter, Sprecherin der Werbegemeinschaft Selm für die Altstadt: „Es ist ein Angebot außerhalb der normalen Öffnungszeiten.“ Also in der Mittagspause der Geschäfte oder nach Feierabend. „Kostenlos und zusätzlich zu den normalen Öffnungszeiten.“ Die Geschäfte dürfen laut Nicole Reuter bis 22 Uhr öffnen. Und im Bedarfsfall würden die Geschäftsleute dieses späte Zeitfenster auch anbieten. „In diesen Zeiten kann man sich Zeiten in den Geschäften buchen, um einkaufen zu gehen.“

Individueller Einkaufsfahrplan möglich

Die Kunden könnten sich nach Auskunft von Nicole Reuter sogar ihren individuellen Fahrplan für den Einkauf zusammenstellen. Motto: Von 20 bis 20.30 Uhr im Geschäft A, von 20.30 bis 21 Uhr im Geschäft B und so weiter. Wobei die Zeitfenster Sache der individuellen Absprache seien. Ob 15, 30 oder 45 Minuten: Das vereinbaren Kunden und Geschäftsleute.

So weit die Theorie. Wie sieht die Praxis aus? Bei solch einem Angebot könnte der Laie denken, dass die Kunden den Geschäften die Türen einrennen. Irrtum: „Es hat sich meines Wissens tatsächlich bisher niemand für das Private Shopping in einem der Geschäfte in der Selmer Altstadt angemeldet“, berichtet die Sprecherin für die Altstadtgeschäfte. Woran mag das liegen? „Die Leute bleiben wohl einfach grundsätzlich zu Hause, weil sie Angst haben, sich im Gedränge in den Geschäften mit dem Coronavirus anzustecken.“

Dabei biete ja genau das Private Shopping die Möglichkeit, unter sichereren Bedingungen einzukaufen: „Die Kunden haben dann wirklich nur den Mitarbeiter vor sich“, versichert Nicole Reuter. Und es gebe keine Kaufverpflichtung.

Spaß am Einkauf und ein sicheres Gefühl

Bei so vielen Vorteilen für die Kunden durch das Private Shopping gibt es ja auch die Seite der Geschäftsleute. Kann Private Shopping helfen, verloren gegangene Umsätze aufzufangen? „Nein“, sagt Nicole Reuter. „Es ist wirklich ein reines Angebot an unsere Kunden. Ich glaube nicht, dass wir dadurch größeren Einnahmewert haben. Es ist aber persönlicher als alles andere, was wir bieten können.“ Die Werbegemeinschaft könne keine Feste veranstalten, nichts außerhalb der Geschäftsräume anbieten, „damit die Kunden einfach wieder Spaß am Einkaufen haben oder sich dabei gut fühlen“.

Ein solches Gefühl haben sich in der Altstadt also noch keine Kunden gegönnt. Wie sieht es denn im Selmer Zentrum aus? „Ich kann nicht für die anderen Geschäfte sprechen, aber ich hatte inzwischen in meinem Geschäft schon vier Termine“, sagt Thomas Kaim, Sprecher der Werbegemeinschaft für das Selmer Zentrum und Chef von Selmer Optik. Die seien alle erfolgreich gewesen. „Einige haben gesagt, sie hätten aus beruflichen Gründen Probleme, die normalen Öffnungszeiten zu nutzen. Sie könnten sowieso nur abends kommen.“ Es sei aber nicht so, dass jeden Tag jemand anruft, um einen Private-Shopping-Termin zu buchen.

Selmer Kundschaft reagiert nicht so spontan

Auch Thomas Kaim beantwortet die Frage nach Gründen, warum die Resonanz auf das Private Shopping in Selm eher gering ist: „Es stellt sich die Frage, inwieweit dieses Angebot bis zu den Kunden durchgedrungen und bekannt ist. Man muss natürlich einen ziemlichen Aufwand betreiben, um solche Informationen durchdringend auch bekannt zu machen.“ Ein anderer Aspekt: „Ich habe das Empfinden, dass die Kundschaft in Selm auf solche Angebote nicht so spontan reagiert.“

„Wenn der Umsatz wegen Corona eingebrochen ist, würde ich jeden Strohhalm ergreifen.“

Thomas Kaim, Sprecher der Werbegemeinschaft für das Selmer Zentrum

Aus Sicht des Geschäftsmanns Thomas Kaim ist Private Shopping einer der Bausteine neben Lieferservices und verlängerten Samstagsöffnungszeiten oder – im Fall von Selmer Optik – sogar Hausbesuchen, um gerade in Coronazeiten die Kunden zu erreichen, die bisher wegen Angst vor Ansteckungen in vollen Geschäften fern geblieben sind.

Wobei Thomas Kaim relativiert: „Es machen im Selmer Zentrum aber auch nicht so ganz viele Geschäfte mit“. Die Ketten würden sowieso nicht mitmachen, sagt Kaim. „Ich würde mir wünschen, dass eine ganze Stadt das anbietet, aber das kriegt man nicht hin.“ Seine persönliche Meinung: „Wenn der Umsatz wegen Corona eingebrochen ist, würde ich jeden Strohhalm ergreifen.“

Die Werbegemeinschaft Selm bietet das Private Shopping bis Januar an.

Die Liste der Geschäfte in Selm und Bork, die Private Shopping anbieten, steht auf der Homepage der Werbegemeinschaft Selm: www.werbegemeinschaft-meinselm.de/private-shopping

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Arndt Brede

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