Bis zu 80 Menschen kamen im Ortskern Bork zusammen, um Meinungen in Sachen Bebauung des ehemaligen Borker Marktplatzes auszutauschen. © Arndt Brede
Borker Ortskern

Pro und Contra zum Pflegeheim auf dem ehemaligen Borker Marktplatz

Die Diskussion um die künftige Bebauung des ehemaligen Borker Marktplatzes schlägt weiter Wellen. Die Meinungen gehen auseinander. Ein Vorschlag und weitere Ideen lassen aufhorchen.

Ob ein Pflegeheim mit jetzt 52 statt ursprünglich geplanten 39 Plätzen und damit auch größerem Bauvolumen als geplant, wie es der Caritasverband für den ehemaligen Borker Marktplatz vorsieht, richtig dort platziert ist oder doch besser woanders gebaut werden sollte, darüber gehen die Meinungen in Bork auseinander. Befürworter und Gegner trafen am Donnerstagabend, 1. Juli, im Dorfkern aufeinander. Sie tauschten Argumente pro und contra aus. Gaben der Verwaltung, vertreten durch Bürgermeister Thomas Orlowski, Hausaufgaben und viel zum Nachdenken mit. Und es gibt mittlerweile auch einen politischen Vorstoß.

Bis zu 80 Menschen versammelten sich auf der noch vom Wochenmarkt gesperrten Hauptstraße. Nicht, um zu protestieren, sondern um Meinungen auszutauschen, wie es Norbert Wesselmann für die Interessengemeinschaft Borker Bürger (IBB) formulierte. Und Meinungen gab es viele. Wir fassen sie – ohne den Anspruch auf Vollständigkeit – zusammen.

Was für ein Pflegeheim mit 52 Plätzen auf dem ehemaligen Marktplatz spricht:

  • „Wenn ein Investor ein Grundstück erwirbt, ein Bebauungsplan geändert wird und entsprechende Verträge abgeschlossen wurden, gehört zur Verlässlichkeit, dass man zu seinem Wort steht“, erklärt Bürgermeister Thomas Orlowski. Allerdings habe sich die Caritas seit dem Kauf des Grundstücks zu lange Zeit gelassen. Das geplante Gebäude werde aber in die Umgebung hineinpassen.
  • „Wir brauchen ganz dringend und schnell die Plätze für die alten Menschen. Und zwar im Dorf und nicht an der Peripherie“, erklärt der Borker Lothar Unrast. Allein die Kurzzeitpflegeplätze würden dringend benötigt, um pflegende Angehörige auch mal für einige Wochen zu entlasten. Öffentliche Parkplätze, die durch die Bebauung, wie sie die Caritas plane, wegfallen, könnten im Ortskern dann frei werden, wenn private Vermieter von Wohnraum, etwa für Polizeistudenten, oder Geschäftsleute vor ihren Gebäuden für Parkraum sorgen würden.



  • „Den Platz brauchen wir, aber vielleicht kann man prüfen, ob das Gebäude anders aussehen kann“, sagt eine Borkerin.
  • Eine Tiefgarage für das Pflegeheim würde die Parkplatzprobleme lösen helfen, erklärt ein Borker.
  • „Ich finde den Marktplatz ideal für das Pflegeheim, weil, die Bewohner an Veranstaltungen im Dorf teilnehmen können und die Nähe zur Kirche und zum Pfarrheim gegeben ist“, sagt der Borker Benedikt Sträter.

Was gegen eine Bebauung mit einem Pflegeheim auf dem ehemaligen Borker Marktplatz spricht:

  • „Der Baukörper ist für diesen Platz zu groß“, sagt Stefan Kühnhenrich, SPD-Ortsvereinsvorsitzender, Ratsmitglied und IBB-Gründungsmitglied. Das Verkehrsaufkommen werde sich steigern und die Parkplatzsituation werde sich verschärfen, weil die Caritas die vorhandenen Parkplätze überbauen wolle.
  • „Der ehemalige Marktplatz war das einzige baureife Grundstück, das für ein Pflegeheim in Betracht kam“, sagt Kreistagsabgeordneter Herbert Krusel (CDU). Als die Verhandlungen zum Verkauf des Grundstücks angestanden haben, sei auch der Bedarf an einem Pflegeheim gesehen worden. Mit der Erhöhung der Anzahl der Pflegeplätze wegen gestiegenen Bedarfs an Pflegeplätzen laut Pflegebedarfsplan Kreis Unna und gestiegener Baukosten, wie sie die Caritas anführt, habe das Projekt aber eine zu große Dimension angenommen.





  • „Ich als unmittelbarer Anwohner sehe, wie das jetzt brach liegende Gelände des Marktplatzes angenommen wird. Man darf nicht nur die Interessen der älteren Menschen berücksichtigen, sondern die von Kindern, Jugendlichen und jungen Familien“, sagt ein Borker. Das Grundstück sei so zentral und wichtig, dass es ein Ort bleiben müsse, an dem man verweilen möchte und an dem Bork ein Zentrum habe. Der Neubau des Pflegeheims würde den gesamten Ortskern verschandeln. Wenn Parkplätze dadurch wegkämen, „sehe ich schwarz für den Frieden hier im Dorf“.
  • „Wir müssen uns in Bork fragen, wie wir leben wollen, ob wir ein Dorf wollen, wo mehr Leben, mehr Geschäfte sind, wo man sich gern aufhält“, sagt die Borkerin Verena Lipke. „Dafür brauchen wir diesen Marktplatz, um Aufenthaltsqualität zu bekommen. Wo man verweilen kann.“
  • „Ein Pflegeheim am Lidl wäre besser“, sagt ein Borker. „Die Bewohner hätten direkte Möglichkeit zum Einkaufen und Krankenwagen hätten die Anbindung zur Bundesstraße 236.“

Was sind die nächsten Schritte?

Die CDU-Fraktion hat mittlerweile an Bürgermeister Thomas Orlowski appelliert, die Stadtverwaltung möge ergebnisoffen prüfen, ob es alternative Standorte für ein Pflegeheim in Bork gibt. Laut Herbert Krusel (CDU) haben bereits Grundstückseigentümer signalisiert, verhandlungsbereit zu sein. Für die SPD begrüßt Stefan Kühnhenrich diesen Vorstoß.

Bürgermeister Thomas Orlowski nimmt die Anregungen und Vorschläge der Borker Bürger mit in die Gespräche mit dem Caritasverband, „die demnächst anstehen“.

Über den Autor
Redaktion Selm
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Arndt Brede

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