Mit dem Tablet arbeiten - das soll bald Normalität sein für die Grundschüler in Selm. © dpa
Digitalserie

Quarantäne-Fall: So bereiten sich Selmer Grundschulen auf Homeschooling vor

Noch bleiben die Schulen trotz Lockdowns geöffnet. Dennoch müssen viele Grundschüler von zu Hause aus arbeiten. Wie gut sind die Selmer Grundschulen darauf vorbereitet?

Zur Schule gehen können – das ist eigentlich selbstverständlich. Seit das Coronavirus da ist, hängt diese Selbstverständlichkeit von etlichen Faktoren ab. Und die Konsequenz daraus: Es ist jederzeit möglich, dass die Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben müssen. Einen ersten Lockdown gab es schon, im zweiten sind wir mittendrin.

Umso wichtiger ist, dass auch von zu Hause aus der Unterricht laufen kann. Deshalb investiert das Schulministerium NRW kräftig, um die Digitalisierung der Schulen voranzutreiben. Wie weit ist das schon an den Selmer Grundschulen angekommen?

Overbergschule hat bereits einen guten Stand

Die Overbergschule in Selm hat in Sachen Digitales bereits einen guten Stand. „Schon im Sommer 2019 hat die Stadt Selm mit dem Neuaufbau der Verkabelung in der Schule begonnen“, sagt Schulleiterin Christine Jücker. Am Netz ist die Schule ebenfalls: Erst im Herbst 2020 habe die Stadt ein flächendeckendes WLAN in der Schule in Betrieb genommen.

Hinzu kommen neue Anschlüsse für Beamer und Smart-TVs, mehr Steckdosen und Netzwerkanschlüsse – die Vorbereitungen für die Vernetzung laufen gut. Auch die Ausrüstung stimmt. „Der Förderverein der Overbergschule hat für jeden Klassenraum einen Beamer und für die Hälfte der Klassenräume Apple-TVs angeschafft“, so Jücker. Zehn iPads sind bereits in Nutzung – weitere sind für die Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler bereits bestellt.

Auch die Grundschule Auf den Äckern mit den Standorten Bork und Cappenberg ist schon auf einem guten Stand. Dort seien bereits die Tablets für die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte vom Schulträger bestellt worden, sagt Schulleiterin Anja Knipping. „Alle Schulen können zudem auf IServ zurückgreifen.“ Die Schulen sind also gut vernetzt.

So viel zum Grundgerüst – Wie ist die Praxis?

So viel zum Grundgerüst an den Schulen. Wie sieht die Praxis aus? „In der Stadt Selm steht uns der Schulserver IServ zu Verfügung. Mit diesem können digitale Aufgabenstellungen verteilt und durch die Schülerinnen und Schüler bearbeitet werden, Mailkontakt hergestellt und Videokonferenzen abgehalten werden“, erklärt Jücker.

Dabei arbeitet die Schule mit einem festen Wochenplan pro Jahrgangsstufe, der neben klassischen Aufgabenformaten auch digitale Lernangebote enthalte. „In IServ können die Kinder z.B. Aufgaben wie „Fotografiere Gegenstände mit dem Anlaut L und lade sie in IServ hoch.“ innerhalb der Wochenplanarbeit bearbeiten“, so Jücker. „Und im Falle von einem „Lernen auf Distanz“ wird der Wochenplan als Basis für den digitalen Unterricht zu Hause genutzt.“

Mit IServ wird auch der Unterricht nach Stundenplan per Videokonferenz abgehalten. „Die Lehrkraft hat dabei die Möglichkeiten den eigenen Desktop zu spiegeln und so allen Schülern über eine digitale Tafel Unterrichtsinhalte per Videoschalte zu erläutern, dabei werden auch interaktive Tafelbilder genutzt.“ Neben IServ setzt die Schule auf die Apps „Worksheet Go“ und Anton für weitere interaktive Lernangebote auf dem Tablet. Die Lehrkräfte können diese auf den Unterricht abstimmen.

Und wie sieht es dann aus, wenn die Kinder aufs Homeschooling ausweichen müssen? „Im Falle von einem „Lernen auf Distanz“ wird der Wochenplan als Basis für den digitalen Unterricht zu Hause genutzt“, sagt Jücker. Mit IServ wird dann für die jeweilige Klasse nach einem festen Stundenplan Unterricht per Videokonferenz abgehalten. „Die soziale Komponente wird auch über einen morgendlichen digitalen Erzählkreis, das Angebot einer digitalen Frühstückspause und einer offenen digitalen Fragerunde berücksichtigt.“

Viel Neues für die Kinder und das Kollegium

Ganz schön viel Neues für Kinder wie auch das Kollegium. Doch die Rückmeldung der Kinder dazu ist positiv. „Die Kinder haben Spaß an den digitalen Lernangeboten und sind stolz, wenn ihre Fotos im Unterricht weiter genutzt werden“, erklärt Jücker. Und auch das Kollegium zeige sich offen für die Nutzung der Digitalisierung im täglichen Unterrichtsgeschehen. Die Apps und Systeme hat das Kollegium bereits in einer Ganztagskonferenz erprobt. Zusammen mit den Schülerinnen und Schülern gehen die Lehrerinnen und Lehrer dann zahlreiche kreative Ideen zur Nutzung der digitalen Inhalte an. Für den Ernstfall – also falls noch einmal eine Klasse ins Homeschooling wechselt – bereiten sich Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler ebenfalls vor.

Auch das Kollegium der Schulen Auf den Äckern bildet sich für die Nutzung IServ fort. Gleichzeitig erarbeiten die Schulen sich Konzepte, wie sie die digitalen Inhalte umsetzen. „Wir haben eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Digitalisierung der Schule befasst. Diese AG schaut im Moment, welche digitalen Medien zur Unterrichtsbegleitung sinnvoll wären und welche Schulmittelbegleitende Apps brauchbar sind“, erklärt Knipping. Ebenso werden die Kinder geschult, damit sie mit den Tablets umgehen können. Wenn alle fit im Umgang mit Tablet und den Programm sind, geht es Schritt für Schritt weiter. „Wir haben für uns Lösungen erarbeitet, die sich, je mehr wir uns im Bereich IServ einarbeiten, weiterentwickelt werden, um das Lernen auf Distanz zu optimieren“, erklärt Knipping.

Alle Kinder, die bereits Zugang zu IServ haben, sind sehr interessiert – das betrifft derzeit die höheren Stufen, die über Laptop und Beamer arbeiten.

Eltern geben positive Rückmeldung

Und auch die Eltern geben positive Rückmeldung. „Die Eltern zeigen sich froh über die digitalen Inhalte der Schule. Sie erachten diese als einen sinnvollen Weg, den Kindern einen guten begleiteten Zugang zur digitalen Welt zu ermöglichen“, sagt Jücker. Viele Eltern zeigen sich sogar bereit, eigene Endgeräte anzuschaffen und fragen die Schule nach Anschaffungsempfehlungen, um alle Inhalte in vollem Umfang nutzen zu können.

Ähnliche Rückmeldung geben die Eltern der Schulen Auf den Äckern. „Die Eltern begrüßen die Schulplattform IServ und nutzen sie zum größten Teil auch zur Kommunikation untereinander, mit den Lehrkräften und der Schule“, sagt Knipping. Zudem habe das Lernen auf Distanz vor den Sommerferien gut geklappt, obwohl die digitale Ausstattung noch nicht optimal war. „Dies versuchen wir jetzt mehr und mehr auf digitale Beine zu stellen. Die Abfrage, wer im häuslichen Bereich wie digital ausgestattet ist, haben wir durchgeführt und an die Stadt weitergeleitet.“ Und für den Fall, dass die Kinder auf das Homeschooling ausweichen müssen, sind die Eltern ebenfalls vorbereitet. „Mit den Eltern wurde das Vorgehen bei eventueller Schulschließung in den Klassenpflegschaftssitzungen besprochen.“

Probleme bei der Umsetzung?

Ob es bei der Umsetzung auch Probleme gebe? „Nicht alle privaten Endgeräte sind mit den genutzten Apps kompatibel und teilweise gibt es bei der Elternschaft Problem mit dem Einloggen in IServ“, so Jücker. Zudem komme es zu vollen Stunden auch mal zu Überlastungen der Videokonferenzfunktion.

Und bei den Schulen Auf den Äckern läuft soweit alles – aber noch nicht mit vollem Potenzial. „Der Ausbau des Breitbandes ist an beiden Standorten noch nicht durchgeführt – darauf müssen wir noch ein wenig warten“, sagt Knipping.

Eine Anfrage an die Ludgerischule zum Thema Digitalisierung blieb unbeantwortet.

Über die Autorin
Volontärin
Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
Zur Autorenseite
Denise Felsch

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt