Regelbetrieb in Kindergärten: So läuft es in der Kita St. Josef in Selm

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Regelbetrieb: In Kitas in NRW läuft seit Montag (17. August) wieder der „normale“ Betrieb. Wobei: Immer noch gibt es viele Regeln, wie ein Besuch der Kita St. Josef in Selm gezeigt hat.

Selm

, 22.08.2020, 10:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein schwieriges Jahr - das war, das ist 2020 in vielen Bereichen. Auch die Kindergärten - und damit die Eltern und Kinder - hat die Corona-Krise vor viele Herausforderungen gestellt. Nach der vollständigen Schließung und dem eingeschränkten Betrieb läuft nun seit Montag (17. August) wieder der Regelbetrieb in den Kindertagesstätten in NRW - auch in Selm.

So wie immer ist natürlich trotzdem noch nicht alles. Am Zaun zur Kindertagesstätte St. Josef hängt so immer noch ein Schild, das auf die Maskenpflicht hinweist. Und es ist weiterhin so, dass die Eltern ihre Kinder zum Törchen bringen, das ins Außengelände des Kindergartens führt - dass sie aber nicht mit in das Gebäude kommen.

In der Kita St. Josef spielen die Kinder im Moment vor allem draußen.

In der Kita St. Josef spielen die Kinder im Moment vor allem draußen. © Marie Rademacher

Das erzählt Nicole Kemler im Gespräch mit der Redaktion. „Heute hat mir noch eine Mutter gesagt: Die Kinder werden dadurch viel selbstständiger“, sagt die Leiterin des Kindergartens St. Josef weiter. Vielleicht einer der wenigen positiven Nebeneffekte der Krise. Allzu viele davon gibt es gerade für Kinder nicht.

Für die großen Kinder, die jetzt gerade vom Kindergarten in die Schule gewechselt sind zum Beispiel, hätten in den vergangenen sechs Monaten viele besondere Aktionen angestanden. Das Weltall und das Wasser hatten sie sich als Themen für ihr Programm ausgesucht, das man früher „Vorschule“ nannte. Sie mussten auf Ausflüge verzichten, eine richtige Abschlussfeier vom Kindergarten mit Eltern und allem Drum und Dran, gab es für sie in diesem Jahr nicht. Dass sie nun unvorbereitet in die Schule geschickt wurden, würde Nicole Kemler aber absolut nicht sagen. „Vorschularbeit läuft bei uns in der gesamten Kindergartenzeit“, sagt sie.

Kindergartenabschluss ohne Eltern

Auch unter der Art des Abschlusses, so glaubt sie, haben die Kinder nicht unbedingt gelitten. Statt einer Feier haben die Kindergartenmitarbeiterinnen für sie einen schönen Tag vorbereitet. Mit vielen Spiel-Aktionen, mit Geschenken und der Gelegenheit, Abschied zu nehmen und Erinnerungen auszutauschen. Eltern durften nicht dabei sein. Aber: „Die Kinder hatten einen richtig tollen Tag. Sie waren ganz aufgekratzt.“

Wenn das Wetter es zulässt, spielt sich das Kindergarten-Leben in der Kita St. Josef im Moment vor allem draußen ab.

Wenn das Wetter es zulässt, spielt sich das Kindergarten-Leben in der Kita St. Josef im Moment vor allem draußen ab. © Marie Rademacher

Ein Beispiel dafür, dass die Jüngsten der Gesellschaft schnell gelernt haben, mit der Situation umzugehen. Und zwar, ohne viel zu meckern oder sich zu beklagen, wie Pia Althoff sagt. Sie ist Verbundleitung der katholischen Kindertageseinrichtungen in Selm. „Kinder sind in der Lage, viele Situationen einfach so zu nehmen, wie sie sind“, sagt sie. Keine Selbstverständlichkeit - erst recht nicht in einer so herausfordernden Lage wie der aktuellen. Immer wieder sei von den Mitarbeitern der Einrichtung viel Kreativität und Geduld gefordert gewesen.

Auch jetzt - zum Start des neuen Kindergartenjahres - gab es bei der Eingewöhnung der neu in die Einrichtung kommenden Kinder vieles, das umdisponiert werden musste. Das aber gut geklappt hat, wie Nicole Kemler erzählt. In der Kita St. Josef wurden die neuen Kinder einzeln eingewöhnt, Eltern waren stundenweise mit da, Bedarfe wurden dazu vorher abgesprochen. Ein Beispiel dafür, was für ein organisatorischer Aufwand für die Leitung des Kindergartens und für die Mitarbeiter die Krise auch immer wieder ist. Auch im Regelbetrieb, der jetzt wieder begonnen hat, ist das noch so.

Pia Althoff (l.) ist die Verbundleiterin der katholischen Kindertageseinrichtungen in Selm. Nicole Kemler leitet den Kindergarten St. Josef in Selm.

Pia Althoff ist die Verbundleiterin der katholischen Kindertageseinrichtungen in Selm. Nicole Kemler leitet den Kindergarten St. Josef in Selm. © Marie Rademacher

Stück für Stück, so hoffen es Nicole Kemler und Pia Althoff, wird jetzt immer wieder mehr gehen, werden die Einrichtungen mehr zu ihren eigentlichen Abläufen zurückkommen. Auch über scheinbare Kleinigkeiten freuen sich die Kinder dabei: Zum Beispiel darüber, dass sie sich wieder selbst etwas zu trinken nehmen dürfen, wenn sie Durst haben. In der Kita St. Josef hat jedes Kind einen eigenen Becher. „Mia hat mir gerade erzählt, dass sie sich da so drüber freut“, erzählt Pia Althoff von einem Gespräch, das sie mit einem Kindergartenkind hatte. „In einer anderen Kita haben die Kinder, als sie wieder in ihre Turnhalle durften, gejubelt und es gab einen richtigen Ansturm“, sagt sie weiter.

„Die Eltern waren sehr geduldig und konstruktiv“

Die Zusammenarbeit auf allen Ebenen sei gut gewesen. Gerade angesichts der Tatsache, dass die Kindertageseinrichtungen oft erst ganz kurzfristig irgendwelche Auskünfte geben konnten. „Die Eltern waren sehr geduldig und konstruktiv und überhaupt nicht vorwurfsvoll“, sagt sie.

„Da haben Eltern und Kinder viel geleistet. Und natürlich auch unsere Mitarbeiter“, sagt Pia Althoff. „Den Mitarbeiterinnen wurde viel abverlangt. Sie haben ein hohes Engagement gezeigt. Das fand ich schon bezeichnend.“

Ihr größtes Lob geht aber an die Kinder. Die so viel hingenommen haben, ohne zu murren. Und die - da können sich andere wahrscheinlich noch etwas abschauen - gezeigt haben, dass es manchmal der richtige Weg ist, einfach das beste aus einer schwierigen Situation zu machen.

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