Verena Volkmer verlässt die Musikschule, Selm, die sie fast acht Jahre lang geleitet hat. © Dagmar Kohl/Musikschule Selm
Musikschule Selm

Scheidende Leiterin der Musikschule Selm: „Hinterlasse ein bestelltes Feld“

Verena Volkmer, die Leiterin der Musikschule Selm, hat eine neue Stelle angetreten. Warum sie für die Zukunft der Musikschule zuversichtlich ist, sagt Verena Volkmer im Interview.

Im Dezember wären es acht Jahre gewesen, in denen Verena Volkmer (43) die Musikschule Selm geleitet hat. Es sind nicht ganz acht Jahre geworden, denn sie wechselt nach Düsseldorf. Als JeKits-Fachreferentin für Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung beim Landesverband der Musikschulen. Wie hat sie die Jahre als Leiterin der Musikschule erlebt? Was macht sie in Zukunft? Ein Gespräch mit unterschiedlichen emotionalen Phasen.

Am 1. Dezember 2013 haben Sie ihre Stelle als Leiterin der Musikschule Selm angetreten.

Vorher war ich hier schon als Musikschullehrerin tätig. Insgesamt zwölf Jahre bin ich hier an der Musikschule. Ich habe quasi drei Viertel meines Lebens in Musikschulen verbracht (lacht). Erst als Schülerin des Musikschulkreises Lüdinghausen. Das prägt. Ich habe gute Musikschularbeit kennengelernt, hatte als Kind und Jugendliche hier vor Ort immer Unterstützung. In Form von Auftritten unter anderem.

Sie sind Harfenistin und haben schon während des Studiums unterrichtet, oder?

Ich habe Orchestermusik in Hamburg und Berlin studiert. Zusätzlich habe ich auch Instrumentalpädagogik studiert. Ich habe dann Vertretungsunterricht in Berlin gemacht. Da habe ich schon gemerkt, dass mir das große Freude macht.

Sie sind dann nach dem abgeschlossenen Studium nach Selm zurückgekehrt.

Ich habe zunächst noch in Berlin gelebt und gearbeitet. Im Jahr 2008 sind wir umgezogen und ich habe unter anderem versucht, hier in Selm eine Harfenklasse zu gründen. Angefangen hat es mit drei Schülern. Nach und nach wurde es dann immer größer. Dann kam das Programm ,Jedem Kind ein Instrument‘ und wir konnten auch in Schulen gehen. Durch Instrumentenkostenzuschüsse und Sponsorengelder konnten wir kleine Harfen kaufen. Es wurden immer mehr Instrumente und Harfenschüler. Heute sind es über 20.

Was hat Sie in all den Jahren motiviert?

Mein innerer Motor, ob als Lehrerin oder als Leiterin, war die Einstellung, dass ich die musikalische oder kulturelle Bildungsarbeit für die Kinder, Jugendlichen, aber auch die Erwachsenen für unheimlich wichtig halte. Ich wollte auch in Selm zeigen, dass die Musikalität angelegt ist und nicht vom Wohnort abhängig ist. Und dass es hier ganz viele talentierte junge Menschen gibt, die eine qualitativ gute Förderung brauchen, damit sie das ausleben können. Man muss ihnen Raum geben, und das war meine Motivation. Ich habe ganz bewusst auch die Musikschule dafür ausgewählt und bin froh, dass Kinder hier Instrumente kennenlernen, aber auch in der Schule.

Wie ist es eigentlich gekommen, dass Sie Leiterin der Musikschule Selm geworden sind?

Mein Vorgänger Thomas Riegner ist ausgeschieden, die Stelle wurde frei und ich habe mich darauf beworben. Ganz bewusst, weil mir Selm und die Bildungsarbeit hier vor Ort am Herzen liegt. Da war es ein logischer Schritt, dass ich es versucht habe.

Das hat dann ja auch geklappt. Aber wer so gern unterrichtet wie Sie, dürfte als Leitung mit Verwaltungsaufgaben weniger Zeit dafür haben, oder?

Die Leitungsstelle ist eine 50-Prozent-Stelle. An der Musikschule Recklinghausen habe ich auch noch eine anteilige Stelle. Im vergangenen Jahr aber habe ich in Selm 50 Prozent als Leiterin gearbeitet und zusätzlich zu 40 Prozent unterrichtet.

Wie hat sich die Musikschule Selm entwickelt in den vergangenen Jahren?

Mir war von Anfang an wichtig, dass es qualitativ guten Unterricht gibt, dass sich die musikalische Bildungslandschaft ausbaut, dass man netzwerkt, dass die Kooperationen ausgebaut werden, dass man zu den Schulen guten Kontakt hält, dass man gern zur Musikschule kommt. Und dass man präsent ist als Musikschule. Etwa auf der Musikbühne beim Stadtfest oder auf dem Adventsmarkt. Wichtig war mir auch, die Musikschule Selm überregional bekannt zu machen.

Die Musikschule Selm hat ein gewisses Budget zur Verfügung. Nun war Selm im Haushaltssicherungs-, später im Haushaltssanierungs- und jetzt wieder im Haushaltsicherungskonzept und hat nicht unendlich viel Geld für die musikalische Bildungsarbeit.

Ich habe das sehr ernst genommen, weil ich weiß, dass wir eine freiwillige Einrichtung sind. Ich musste mit dem auskommen und gut rechnen und schauen, was geht und was nicht geht. Dabei war die Suche nach Partnern wichtig. Ein wichtiger Schritt war dann die Gründung des Fördervereins der Musikschule Selm. Er hat die Musikschule von Anfang an sehr gut unterstützt. Und um Dinge zu verwirklichen, gehören die Suche nach Fördermitteln und Projektanträge zu meinen Aufgaben.

Sie sind offenbar an Ihrer Aufgabe gewachsen. Und jetzt kommt der nächste Schritt. Sie werden JeKits-Fachreferentin für Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung beim Landesverband der Musikschulen. Sie sind also mitverantwortlich für das Programm „Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“. Was machen Sie da genau?

Musikalische Basisarbeit zu leisten, ist unheimlich wichtig. Das JeKits-Programm wird seit Beginn des Schuljahres wieder schrittweise vierjährig ausgebaut. Die Landesförderung für das JeKits-Programm war bisher auf zwei Jahre in der Grundschule ausgelegt, für das erste und zweite oder das zweite und dritte Grundschuljahr. Jetzt stockt das Land Mittel auf und das Programm soll vierjährig werden. Grundschulzeit ist JeKits-Zeit. Ich arbeite in einem Team von Fachreferentinnen und -referenten und meine Aufgabe ist es, im Bereich Instrumente das JeKits-Programm weiterzuentwickeln, die Qualität zu sichern und zu überlegen, wie die Vierjährigkeit konkret aussehen und umgesetzt werden kann. Da müssen Kriterien und Richtlinien für die Ausgestaltung her.

Insofern bleiben Sie ja Selm erhalten. Weil das, was Sie im Team erarbeiten und entwickeln, auch in Selmer Grundschulen zum Tragen kommt. Wie nah werden Sie an denen dran sein, die das Programm ja umsetzen?

Ein Ziel ist, dass wir nicht von oben drauf gucken, sondern auch die Basis mit einbeziehen. Dazu müssen die Bildungspartner in den Kommunen, also Schulen, Musikschulen oder auch freie Tanzschulen, einbezogen werden. Vor dieser Aufgabe habe ich großen Respekt. Aber aus der Erfahrung, die ich in allen Bereichen gemacht habe, also als Lehrkraft und als Leiterin, weiß ich um die Problematiken und werde sie sehr ernst nehmen. Dass ich die Chance habe, daran mitzuwirken, finde ich toll.

Was an der Musikschule Selm geschehen und aufgebaut worden ist, konnten Sie nicht allein schaffen.

Zusammen mit der Sachbearbeiterin Dagmar Kohl hat das immer sehr gut funktioniert. Auch die Lehrer haben immer mitgezogen. Das hat sich ganz extrem in der Coronakrise gezeigt. Wir haben es geschafft, dass sich alle auf den Weg gemacht haben und zum Beispiel Digitalunterricht angeboten haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Und auch für die Unterstützung meiner Familie.

Eigentlich ist der Idealzustand, dass der, der ausscheidet, noch seinen Nachfolger einarbeiten kann. Das funktioniert in Ihrem Fall nicht, weil das Bewerbungsverfahren noch läuft.

Ich werde aber ein bestelltes Feld hinterlassen. Wer nach mir kommt, kann daran anknüpfen, was hier an Arbeit geleistet und an Strukturen aufgebaut worden ist.

Wo sehen Sie die Musikschule Selm in zehn Jahren?

Ich hoffe, dass sich die guten Kooperationen weiter ausbauen lassen, dass noch mehr Musik in den Schulen stattfindet. Und ich hoffe, dass die Burg Botzlar bald bespielbar ist, weil uns die Räumlichkeiten dort fehlen. Die Musikschule Selm soll weiter sichtbar und nicht mehr wegzudenken sein.

Haben Sie einen Wunsch?

Ich hoffe, dass sich bei den Anstellungsverhältnisse etwas tut.

So dass an der Musikschule nicht mehr Freiberufler unterrichten, sondern Angestellte?

Das ist für mich persönlich ein großer Wunsch.

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Arndt Brede

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