Scherz im Internet: Nutzer hat Selm.de nachgebaut

Kritik der Stadtverwaltung

Ein Internetnutzer hat sich einen Spaß mit der Stadt Selm gemacht: Er hat die Homepage der Stadt nachgebaut und eine Scherzmeldung veröffentlicht. Demnach fusionieren Selm und Olfen, woraufhin sich Vinnum für unabhängig erklärt. Doch derart geklonte Websites werden zurzeit nicht nur für harmlose Scherze online verbreitet.

SELM/OLFEN

, 11.04.2016, 15:35 Uhr / Lesedauer: 3 min
Täuschend echt, aber nur eine Fälschung: Jemand hat die Internetseite selm.de nachgebaut - und dort ausgedachte Meldungen veröffentlicht.

Täuschend echt, aber nur eine Fälschung: Jemand hat die Internetseite selm.de nachgebaut - und dort ausgedachte Meldungen veröffentlicht.

Das Logo, die Farben, die Schrift: Die Internet-Seite sieht der offiziellen der Stadt Selm zum Verwechseln ähnlich. „Vinnum erklärt sich für unabhängig!“ lautet die Überschrift mit dem Datum 6. April auf der Seite. Eine Quatsch-Meldung. Denn es handelt sich nicht um selm.de, sondern um einen Klon - die Seite wurde also täuschend echt nachgebaut. Erkennbar ist das zum Beispiel an der URL, der Angabe oben im Adressfeld des Browsers. Denn dort steht eine andere kryptische Internet-Adresse. 

Der Meldung zufolge hätten die Bürgermeister Mario Löhr (Selm) und Wilhelm Sendermann (Olfen) sich zu einer Fusion der beiden Städte überreden lassen. Daraufhin habe sich Vinnum unabhängig erklärt. Um 23 Uhr gebe es am 6. April eine Jubelkundgebung auf dem Vorplatz der Feuerwehr. Nix wirklich Wildes also.

Problematischere Fälle geklonter Websites:

Im Internet finden sich jedoch auch geklonte Internetseiten, deren Scherze nicht ganz so harmlos wie in Selm sind. Anfang März berichtete das Online- und Technik-Magazin "Wired" bereits über kuriose Falschmeldungen, die den Anschein erwecken, von seriösen Nachrichtenseiten zu stammen. 

Anlass dazu gegeben hat eine Artikelfälschung, die den echten Artikeln der New York Times extrem ähnlich sah. Darin hieß es, die US-Senatorin Elizabeth Warren würde im aktuellen US-Wahlkampf den demokratischen Kandidaten Bernie Sanders unterstützen. Unterstützer von Sanders hatten die Falschmeldung sogar als gute Nachricht für seine Kandidatur aufgegriffen. 

Falschmeldungen aus Deutschland:

Auch der Mediendienst meedia.de hat sich Anfang März mit dem Thema befasst: Demnach kursierten Falschmeldungen im Gewand der Nachrichtenseite spiegel.de, in denen eine Gasometer-Explosion in Kroatien und Angela Merkels angebliche Meinungsänderung in Sachen Flüchtlinge auf der Balkan-Route verbreitet wurden.

Ein nicht ungefährlicher Trend: Immer wieder gibt es Falschmeldungen, sogenannte Hoaxes, die sich konkret zum Beispiel gegen Flüchtlinge und Ausländer richten. Im Gewand einer seriösen Nachrichtenseite würden sie noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

In den genannten Fällen wurden die Websites jeweils mit dem gleichen Online-Tool gebaut. Die zuständigen Programmierer des Dienstes 4Real aus New York weist unterdessen die Verantwortung dafür von sich: Schließlich würde das Unternehmen die Artikel nicht kreieren, sondern mit ihrem Dienst bloß das Klonen vereinfachen.

 

4REAL does not create the articles that go viral on Clone Zone, we merely facilitate them, 4REAL also does *not endorse any political party

— 4REAL (@4REALGLOBAL)

 

Scherzmeldungen in Selm gingen noch weiter:

Auf selm.de fand sich dann einige Tage später eine weitere Meldung: Wieder ist die Rede von einer Fusion von Selm und Olfen zu "Solfen". Dieses Mal klingen die Sätze allerdings deutlich mehr nach Behördendeutsch. Der Grund, warum es angeblich zu "Solfen" gekommen sei: "Zielsetzung dabei ist eine Stärkung der Wirtschaft und den durch die Fusion deutlich erhöhten Anspruch auf Fördergelder aus den Mitteln des Landes NRW."

Eine Fusion der Städte ist totaler Unsinn, das ist klar. Aber die Stadt Selm kann darüber nicht so richtig lachen. Auf Anfrage unserer Redaktion machte Sprecher Malte Woesmann seine Kritik deutlich, „da die Seite ja den Anschein erweckt, der offizielle Auftritt der Stadt zu sein“. Erst bei Betrachtung der genauen Adresse werde klar, dass es sich um einen Klon handelt.

Und nun? „Leider ist es schwierig bis unmöglich, dagegen vorzugehen“, sagte Malte Woesmann. „In Lünen soll es vor einiger Zeit einen ähnlichen Fall gegeben haben. Auch dort war wohl kein Vorgehen gegen den Klon möglich.“

Stadt Selm reagiert humorlos

Auf die Frage, ob man das als Scherz sehe, sagte er: „Ein gelungener Gag sieht sicherlich anders, auch wenn der 1. April gerade gewesen ist. Wer nur den Screenshot sieht, könnte den Eindruck bekommen, dass die Seite echt ist.“

Vielleicht handelte es sich auch um einen Witz zwischen Bekannten, denn in der ursprünglichen Meldung zur Fusion wurden mehrere Personen namentlich genannt. Eine Anfrage unserer Redaktion an eine dieser Personen, ob der Urheber der Klonseite bekannt sei, blieb bis Montagmittag unbeantwortet.

Immerhin: Zumindest auf der Seite mit der zweiten Falschmeldung läuft ein Hinweis über den unteren Bildschirmrand, es handele sich hier um eine Klon-Seite. Dort wird auch eine Kontaktmöglichkeit genannt, bei dem sich derjenige beschweren könne, dessen Rechte verletzt würden.

Klon
Die Kopie einer bestehenden Internetseite bezeichnet man auch als Klon. Dabei können die gleichen Logos und Grafiken, Farben und Schriftarten der ursprünglichen Seite verwendet werden um den Nutzern der nachgebauten Seiten vorzumachen, sie befänden sich auf der richtigen Seite. Diese Masche nutzen zum Beispiel Betrüger beim Online-Banking, wenn sie Bankkunden auf falsche Seite locken, damit die so Reingelegten dort ihre Kundendaten eingeben.

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