Szenen wie diese beim Schützenfest der Schützenbruderschaft St. Fabian und Sebastian 2019 hat es 2020 wegen der Coronakrise nicht gegeben. Ob 2021 Veranstaltungen wie Schützenfeste laufen können, ist noch ungewiss. © Günther Goldstein (A)
Schützenvereine

Schützenvereine in Selm und Corona: Zwischen Hoffen und „Jetzt erst recht“

Die Coronakrise hat auch das Schützenwesen arg getroffen. Versammlung dürfen nicht stattfinden. Schützenfeste mussten ausfallen. Wie geht es den Schützenvereinen eigentlich?

Die Schützenvereine in Selm, Bork und Cappenberg sind von der Coronapandemie in diesem Jahr unterschiedlich betroffen. Nicht bei allen stand ein Schützenfest auf dem Programm. Aber eines eint alle: die Ungewissheit, wie es weitergeht. Hier und da ist aber die Haltung „Jetzt erst recht“ zu spüren.

Der Schützenverein Cappenberg plant für 2021 ein Schützenfest. So steht es auf der Homepage. Ist das aber bei all den Entwicklung bei den Corona-Infektionszahlen auch noch der tatsächliche Sachstand? „Seit Sommer 2018 steht der Termin für das kommende Cappenberger Schützenfest fest“, berichtet Geschäftsführerin Cordula Standop-Lethaus auf Anfrage. „An diesem Termin hat sich bis heute nichts geändert.“ Ob das Cappenberger Schützenfest tatsächlich stattfinden dürfe, entscheide die NRW-Landesregierung im Rahmen der Corona-Schutz-Verordnung für Veranstaltungen.

Plant der Schützenverein Cappenberg auch deshalb jetzt weiter, weil eine spätere Planung – etwa, erst wenn feststeht, dass das Fest tatsächlich laufen kann – es organisatorisch schwierig machen würde, womöglich kurzfristig, Zelt, Getränke und eventuell Künstler zu ordern? Antwort der Geschäftsführerin: „Der Termin für das Schützenfest steht seit 2018 fest. Die Verpflichtungen zum Beispiel Festzelt/Festwirt, Band und DJ sind Mitte 2019 erfolgt.“

Keiner weiß, wohin die Reise geht

Das Schützenfest der Bürgerschützengilde Selm-Beifang ist ja 2020 ausgefallen. Wie ist es mit den Planungen, eventuell wegen eines Ersatztermins, seitdem weitergegangen? „Wir hatten seiner Zeit einen Ausweichtermin für den Herbst 2020 mit unserem Festwirt Herrn Wilfried Reckers und unserem DJ Andreas Büscher ins Auge gefasst“, erzählt Günter Lautenschläger, Vorsitzender der Bürgerschützengilde Selm-Beifang. „Das war aber zu einem Zeitpunkt wo keiner wusste, wohin die Reise ging, was ja heute noch der Fall ist.“

Wann wird denn wohl das nächste Schützenfest der Beifanger Schützen zu erwarten sein? „Ob wir 2021 ein Schützenfest feiern, diese Frage kann ich nicht beantworten“, sagt Lautenschläger. „Ich wäre froh, wenn wir kleine Vereinsveranstaltungen 2021 planen könnten. Wir, die Selmer Schützenvereine, werden uns, wenn es die Umstände wieder zulassen, beraten, wie und wo wir wieder ein Schützenfest feiern und in welcher Reihenfolge.“

Im Ortsteil Selm habe jedes Jahr reihum ein Schützenfest stattgefunden. „Solange keine Impfung der Bevölkerung stattgefunden hat, wird es schwierig, eine Großveranstaltung zu organisieren.“ Da sei zum Beispiel die Frage, ob man bei Betreten des Zeltes den Impfpass bereithalten muss. „Übrigens war der erste Corona-Tote in Selm Mitglied unserer Gilde, darauf hätte ich gerne verzichtet.“

Alles sehr bedrückend

Die Coronakrise dürfte ja auch die Werbung von neuen Mitgliedern erschweren, oder? Günther Lautenschlägers Antwort ist eindeutig: „Neue Mitglieder bekommen Sie in der Regel auf Vereinsveranstaltungen generiert.“ Und die dürfen eben derzeit nicht stattfinden. Eine Entwicklung, die der Vorsitzende der Bürgerschützengilde Selm-Beifang so kommentiert: „Es ist schon alles sehr bedrückend, denn die geselligen Abende und Veranstaltungen fehlen uns allen sehr, ob Ausmarsch, Schützenfest mit seinen ganzen vorgelagerten Veranstaltungen, die Kompaniefeste und -abende, Schießtermine, das Treffen meiner Throngemeinschaft. Durch den Ausfall des Schützenfestes bin ich weiter amtierender Kaiser mit meiner Frau als Königin. Die Schützenschwestern und Schützenbrüder sind nun mal gesellige Menschen. Sonst wären sie nicht in einem Schützenverein, da hilft dann auch kein Telefon oder Internet.“

Das letzte Schützenfest der Schützenbruderschaft Fabian und Sebastian Selm war 2019. Turnusmäßig wäre 2022 wieder ein Schützenfest. Plant die Bruderschaft jetzt schon für dieses Fest? „Nein, wir planen immer circa ein Jahr vorher das Schützenfest“, antwortet Vorsitzender Reinhard Jäger auf die Anfrage der Redaktion. Richtig sei, dass das nächste Schützenfest erst im August 2022 stattfinden soll. „Jetzt schon zu planen, wäre eindeutig zu früh“, führt Jäger aus. „Bezüglich der Corona-Pandemie sowie eventueller Auflagen hoffen wir auf eine dann bereits erfolgte Impfung. Wir hoffen dann auf ein fast normales Schützenfest.“

Was die Werbung von Neumitgliedern betrifft, sieht es Reinhard Jäger so wie Günther Lautenschläger: „Wenn keinerlei Veranstaltungen stattfinden und quasi das gesamte Vereinsleben lahm liegt, ist es unrealistisch auf neue Mitglieder zu hoffen.“ Wie sieht denn angesichts der Entwicklung 2020 das aktuelle Stimmungsbild im Leben der Schützenbruderschaft aus? „Wir haben rechtzeitig unsere Schützenbrüder mit einem Schützenbrief informiert, dass in diesem Jahr aufgrund von Corona keine Schützenveranstaltungen durchgeführt werden können und wir uns alle auf ein baldiges gemeinsames Beisammensein freuen“, berichtet der Vorsitzende. Alle seien optimistisch, dass im nächsten Jahr wieder Schützenveranstaltungen stattfinden werden. „Besonders die jungen Schützen sehnen sich nach dem Vereinsleben. Aber auch uns Älteren fehlt das Treffen mit Freunden. Der Schützenverein ist mehr als nur ein Verein, sondern es ist eine Familie.“

Die Bürgerschützengilde Bork hatte sich dazu entschieden, das 2020 ausgefallene Schützenfest nicht auf 2021 zu verschieben, sondern im normalen Zweijahresrhythmus bleiben zu wollen. Das sei auch noch der aktuelle Sachstand, teilt Vorsitzender Heinz-Willi Quante auf Anfrage mit. „Wir werden, falls sich alles wieder normalisiert, in 2022 unser nächstes Schützenfest feiern und sind dann wieder im normalen Rhythmus.“

Wirkt sich die Coronakrise schon auf die Mitglieder aus? Etwa, dass Mitglieder an Corona erkrankt sind und womöglich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Verein austreten? Quante dazu: „Mir sind Schützenbrüder bekannt, die an Corona erkrankt waren. Von denen ist aber keiner ausgetreten. Die Austritte in diesem Jahr bewegen sich im Rahmen, wie die Jahre zuvor.“

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie keine Neumitglieder

Welche Auswirkungen die Corona-Pandemie haben kann, verdeutlicht der Vorsitzende am Beispiel der Mitgliederentwicklung: „Acht Neumitglieder sind in diesem Jahr zu uns gestoßen. Seit Beginn der Corona-Pandemie aber keiner mehr. Aber das ist wohl dem Umstand zuzuschreiben, weil überhaupt keine Veranstaltungen mehr stattfinden dürfen. Wir merken schon, dass Beitritte zunehmen, wenn wir ein Schützenfest oder Biwak gefeiert haben, also öffentlich auch mehr wahrgenommen werden. Aber dieses Problem betrifft mit Sicherheit nicht nur Schützenvereine.“

2025 feiert die Bürgerschützengilde ihren 200. Geburtstag. Erschwert die Coronakrise die Vorbereitungen auf das Jubiläumsjahr 2025? „Überhaupt nicht“, antwortet Heinz-Willi Quante. „Die Vorbereitungen zum Jubiläumsjahr sind noch gar nicht konkret angelaufen. Es gibt Gedankenspiele. Fest steht, dass es auf jeden Fall ein Festwochenende geben wird. Da es sich aber um ein Jubiläums-Jahr handelt, können wir uns vorstellen, dass darüber hinaus aber auch noch weitere Aktionen und Veranstaltungen stattfinden werden.“

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Arndt Brede

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