An Jahrgangsstufe acht wird seit Montag (14.12.) Distanzunterrichterteilt - nicht nur am Städtischen Gymnasium Selm, sondern überall in NRW. Einige Gymnasiasten müssen aber trotzdem zur Schule kommen. © Arndt Brede
Corona-Krise

Schulbesuch ist freigestellt, aber nicht für alle: Klausuren in Ferien

Zur Schule schicken oder zu Hause lassen? Eltern haben das am Tag eins nach Ende der Präsenzpflicht unterschiedlich gehandhabt. Manche Schüler müssen kommen, einige sogar noch in den Ferien.

Ab Mittwoch herrscht Lockdown. Bundesweit müssen dann die Geschäfte schließen, um der anhaltend großen Ansteckungswelle mit dem Coronavirus Herr zu werden. Für die Schulen ist die Sache nicht so eindeutig geregelt. Seit Montag (14.12.) hat sich aber etwas geändert: Schulpflicht besteht zwar weiterhin, die Präsenzpflicht aber nicht mehr. Eltern müssen jetzt entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule zu schicken oder lieber zu Hause zu lassen. Diese Entscheidung ist in Selm sehr unterschiedlich ausgefallen, wie unsere Umfrage zeigt.

Frei entscheiden konnten längst nicht alle. Manchen Eltern ist nichts anderes übrig geblieben, als ihre Kinder zur Schule zu schicken. Denn sie hatten so kurzfristig keine andere Betreuungsmöglichkeit finden können und sind selbst beruflich unabkömmlich. Andere hätten zwar ihre Söhne und Töchter daheim betreuen können, waren sich aber unsicher, ob das im Sinne der Kinder ist. Bis Ende der vergangenen Woche hatte Schulministerin Yvonne Gebauer schließlich noch auf den Präsenzunterricht gepocht.

Frank Bussmann, Vater von zwei Töchtern in Bork, kennt das Abwägen. Er hat beide zur Schule gehen lassen. Die Familie ist allerdings in einer besonderen Situation. Sie hatten gerade alle eine Coronainfektion überwunden. Die Quarantäne, sagt Frank Bussmann, sei für die Mädchen eine schwierige Zeit gewesen. Jetzt brauchten die zwei unbedingt wieder Menschen um sich. „Hätten wir aber Corona noch nicht gehabt, wären sie ganz klar zu Hause geblieben.“

Die Grundschulen
1. Grundschule auf den Äckern

Die Grundschule Auf den Äckern mit ihren beiden Standorten in Bork und Cappenberg hat am Montag etwa die Hälfte aller Kinder begrüßt. Die andere hat über die Schulplattform IServe Aufgaben für zu Hause erhalten. „Das hat gut geklappt“, sagt Schulleiterin Anja Knipping. Die Eltern hätten wie gewünscht IServe auch genutzt, um ihre Kinder abzumelden.

2. Ludgerischule

Wie viele Kinder exakt gekommen sind am Montag, ließ sich gar nicht ermitteln in der Ludgerischule. So viel war an diesem ersten Schultag nach der Ankündigung des harten Lockdowns dort los. Das hatte aber mit etwas anderem zu tun: den Massentests, die das Gesundheitsamt dort durchführen ließ, nachdem eine ganze Klasse in Quarantäne musste. Wenn auch keine Zahlen, dann hatte Schulleiterin Stephanie Brockhaus doch eine erste Einschätzung: Einen klaren Trend gebe es nicht. „Es gibt Klassen, die sind heute komplett, es gibt auch eine Klasse, in der ist nur ein einziges Kind.“

3. Overbergschule

An der Overbergschule hatten sich am Montag lediglich 54 der sonst rund 300 Kinder eingefunden. Manche Entscheidung die Tochter oder den Sohn zu Hause zu lassen, war nicht freiwillig gefallen. Vier Klassen sind dort in Quarantäne, etwa ein Drittel der Schülerschaft.

Die weiterführenden Schulen

Für die weiterführende Schule gelten andere Regelungen. Für die Klassen eins bis sieben erfolgt der Unterricht laut Ministerium in Präsenz – aber die ist freigestellt.

Ab Klasse 8 dagegen erfolgt der Unterricht dann grundsätzlich in Distanz. Es gibt aber zwei Ausnahmen.

„Für Schülerinnen und Schüler mit einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung, der eine besondere Betreuung erfordert, muss diese in Absprache mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten sichergestellt werden“, heißt es beim Schulministerium. Der zweite Ausnahmefall betrifft mehr Jugendliche: Klausuren, die in die Abschlussnote einfließen, müssen geschrieben werden.

Selma-Lagerlöf-Schule

50 bis 60 Schülerinnen und Schüler haben die Sekundarschule besucht. Dass die Klassen 7a und 8b geschlossen zu Hause geblieben sind, ist kein Zufall: Die Mädchen und Jungen stehen unter Quarantäne – im ersten Fall noch bis zum 18. Dezember, wenn der Unterricht offiziell endet, im zweiten Fall an Heiligabend.

Die Mädchen und Jungen ab Klasse 7 lernen ohnehin zu Hause vorm Computer.

Städtisches Gymnasium

Thomas Schneider, der stellvertretende Leiter des Selmer Gymnasiums, sagt dass sich die Mehrheit der Eltern, die die Wahl hatten, für das Zuhauselassen entschieden haben. 30 Prozent der Fünft- bis Siebtklässler seien zum Präsentunterricht gekommen. Aber auch einige ältere Schülerinnen und Schüler waren da, wohl oder übel.

„Heute wurden Klausuren geschrieben“, sagt Schneider. Weitere Klausurtermine stünden ebenfalls fest und dürften nicht verschoben werden, weil die Noten ins Abitur einfließen. Selbst am Montag und Dienstag, (21./22.12.), wenn die vorgezogenen Weihnachtsferien schon begonnen haben, müssen einzelne Jugendliche noch ins Gymnasium. Es handele sich um Nachschreibetermine von abiturrelevanten Klausuren, sagt Schneider.

Prüfungen in den Ferien? Tatsächlich hatte das Ministerium für Schule und Bildung von vorneherein darauf hingewiesen, „dass der Verzicht auf Unterricht am 21. und 22.12. rechtlich keine Verlängerung der Ferien bedeutet. An diesen Tagen dürfen nicht verschiebbare Klausuren und mündliche Prüfungen der Oberstufe stattfinden“.

Das Gymnasium lässt auch Klausuren wie geplant schreiben, die keinen Einfluss auf die Abschlussnote haben. Vor Ort, sagt Schneider, würden die Prüflinge auf mehrere Räume verteilt. Die jüngeren Mitschülerinnen und -schüler der Unter- und Mittelstufe können dagegen aufatmen: Ihre Klassenarbeiten entfallen. „Ob die Klassenarbeiten nach den Weihnachtsferien nachgeholt werden können oder müssen, steht zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht fest.“

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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