Schutzausrüstung bei Polizei: Gewerkschaft sieht dringenden Handlungsbedarf

mlzCorona-Pandemie

Bleibt die Polizei vor Ort handlungsfähig? Die Kreispolizeibehörden schlagen öffentlich noch keinen Alarm. Die Polizeigewerkschaft sieht hingegen dringenden Bedarf bei der Schutzkleidung gegen das Coronavirus.

Selm, Nordkirchen, Olfen

, 23.03.2020, 20:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Experten und Politiker sind sich einig: Abstand halten ist das Gebot der Stunde. Eine Empfehlung, die im täglichen Polizeieinsatz kaum einzuhalten ist. Deshalb verweisen die beiden Pressesprecherinnen der Kreispolizeibehörden Unna und Coesfeld - Vera Howanietz und Britta Venker - im Redaktionsgespräch übereinstimmend auf die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts.

Die empfohlenen Hygienemaßnahmen für nicht-medizinische Einsatzkräfte sind eindeutig. Einsatzkräfte sollten einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn die andere Person grippeähnliche Symptome hat und die Person innerhalb der letzten 14 Tage in einem besonders betroffenen Gebiet in Deutschland war oder innerhalb der letzten 14 Tage Kontakt zu einem Coronavirus-Erkrankten hatte.

Polizeigewerkschaft: „Es fehlt an allen Ecken und Kanten“

Offensichtlich leichter als gesagt. Erich Rettinghaus, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft NRW, sagt auf unsere Anfrage, dass Desinfektionsmittel und Mundschutz „Mangelware“ sind. „Es fehlt an allen Ecken und Kanten.“ Hier muss aus Sicht der Gewerkschaft nachgesteuert werden.

Eine Forderung, die die beiden Pressesprecherinnen so nicht wiederholen. Allerdings gehen ihre Aussagen in eine ähnliche Richtung. „Alle hätten gerne wesentlich mehr an persönlicher Schutzausrüstung“, sagt Vera Howanietz von der Kreispolizeibehörde Unna. Aber man könne nur verteilen, was zur Verfügung steht.

Was an die Polizistinnen und Polizisten konkret verteilt worden ist und was im Detail fehlt, sagt die Pressesprecherin allerdings nicht.

Polizei im Kreis Coesfeld versucht Kontakte zu minimieren

Ähnlich die Aussage von Britta Venker für die Kreispolizeibehörde Coesfeld. Die Schutzausrüstung ist „natürlich begrenzt“. Und auch die Polizei habe Probleme, Nachschub zu bekommen.

Auch bei der Polizei arbeiten mittlerweile zahlreiche Beamtinnen und Beamte im Home-Office. Das hat zur Folge, dass wenige Polizisten beispielsweise bei der Anzeigenaufnahme in einem Raum arbeiten. Zudem seien auch bei der Polizei Plexiglaswände aufgestellt worden.

Bürger geben Anzeigen online auf

„Hygiene und Abstand haben oberste Prioritiät. Wir machen, was möglich ist, um Kontakte so gering wie möglich zu halten“, sagt Britta Venker. Dazu gehört auch die Bitte an die Bürger, für Anzeigen möglichst das Online-Portal zu nutzen. „Sie müssen dafür nicht in die Wache kommen.“

Die Pressesprecherin sagt, dass auch in Zeiten der Corona-Pandemie „die Funktionsfähigkeit der Polizei in keinster Weise beeinträchtigt wird.“ Die Polizeigewerkschaft ist in dem Punkt weniger optimistisch. Sie fordert einen stärkeren Schutz der Kolleginnen und Kollegen, um den Dienstbetrieb aufrecht zu halten.

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