Die Corona-Tests werden in Selm aus dem Fenster heraus gemacht. © Nora Varga
Corona

Selbstversuch in Selm: So fühlt sich ein Corona-Schnelltest an

Die Corona-Schnelltests werden seit Monaten als ein wichtiger Schlüssel gehandelt, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Unsere Reporterin hat einen Schnelltest im Selm ausprobiert.

Ich möchte Oma und Opa besuchen. Ein Wunsch, der im Moment ziemlich schwierig umzusetzen ist. Meine Großeltern gehören beide zur Risikogruppe und sind bereits über 80 oder steuern darauf zu. Trotzdem möchte ich sie wieder sehen, besonders weil nicht selbstverständlich ist, dass wir uns an Weihnachten sehen. Obwohl wir in der Redaktion fast immer im Homeoffice sind, schaffe ich es nicht, zwei Wochen lang in völliger Isolation zu leben. Wie viele muss ich dann doch mal zum Arzt einkaufen oder zu einem Interview nach Lünen. Um meine Großeltern nicht zu gefährden, möchte ich deswegen einen Schnelltest machen.

Am Morgen meines geplanten Besuches stehe ich in aller Frühe vor dem Orthopädicum in Selm. Die Praxis bietet fünf Tage in der Woche Corona-Schnelltests an. Am geöffneten Fenster im Erdgeschoss steht eine junge Frau in voller Corona-Schutz-Montur, wie wir seit Wochen im Fernsehen sehen, grüner Kittel, Maske, Visier, Handschuhe. Vor dem Fenster warten 3 Leute mit gebührendem Abstand darauf, getestet zu werden. Das Durchführen der Tests dauert nicht wirklich lange, Angaben machen, Stäbchen rein und dann auf das Ergebnis warten.

Nach weniger als zehn Minuten Wartezeit in der morgendlichen Kälte darf ich an das geöffnete Fenster treten. Nachdem ich meinen Versichertenausweis abgegeben habe, geht es los. Die Helferin hinter dem Fenster geht humorvoll mit der aktuellen Situation um. „Ich hätte vor einem Jahr auch nicht gedacht, dass ich wie ein grünes Marsmännchen hier am Fenster stehe und diese Tests mache“, sagt sie und lacht, während sie Teststreifen und Stäbchen vorbereitet.

Dann geht es an den Teil vor dem ich den meisten Bammel hatte, das Teststäbchen. „Bitte nicht wegzucken“, erklärt die Helferin. Das klingt nicht gut. Als sie mir das Stäbchen tief in die Nase schiebt, zucke ich nur ganz kurz. Als das Stäbchen gut 10-15 cm tief in meiner Nase steckt, dreh sie es kurz ein paar Mal hin und her. Schlagartig kommen mir die Bilder aus dem Geschichtsbuch der fünften Klasse in den Kopf, bei dem Mumien im alten Ägypten das Hirn durch die Nase gezogen wird. Es ist ein wirklich widerliches Gefühl. Die nette Helferin lächelt mitleidig, sie scheint das schon ein paar Mal gesehen zu haben.

Sie schreibt sich in eine Liste meinen Namen und ich diktiere ihr meine Handynummer, dann geht es ans Warten. Ich setzte mich auf dem Parkplatz ins Auto und putze mir, noch bevor ich die Tür zu mache, die Nase. Das Stäbchen hat einfach zu sehr gejuckt. Auf meinem Handy läuft der Timer: 20 Minuten, dann soll ich wieder an das Fenster kommen und erfahre das Ergebnis.

Aus der eigenen Tasche bezahlen

Auch wenn sich das Stäbchen in der Nase ziemlich abartig angefühlt hat, ist es mir das wert. Der Test im Orthopädicum kostet mich 36,89 Euro. Das ist deutlich günstiger als ein einigen Stellen in Dortmund. Die Kollegen berichten dort über Praxen, die bis zu 80 Euro für den Test nehmen. Der Schnelltest ist schließlich keine Kassenleistung und muss aus eigener Tasche bezahlt werden.

Auf dem Timer stehen noch 10 Minuten. Während ich im Auto warte, sehe ich immer wieder Menschen zum Fenster kommen. Für den Test muss man keinen Termin machen, man kann in einem bestimmten Zeit-Fenster einfach kommen. Wer Symptome hat, soll allerdings vorher anrufen und wird dann getrennt von allen anderen Leuten getestet.

Die Corona-Schnelltests im Orthopädicum in Selm werden am Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 11 Uhr angeboten. Mittwochs werden die Tests zusätzlich von 15 bis 16 Uhr gemacht. Am Donnerstag können sich Personen von 16 bis 17 Uhr testen lassen.

Der Corona-Schnelltest gibt nur Auskunft über meinen aktuellen Infektionsstatus. Wenn ich morgen wieder zuhause bin, dann kann ich mir schon nicht mehr sicher sein, ob ich infiziert bin. Schließlich ist seit dem wieder Zeit ins Land gegangen und ich könnte in der U-Bahn Menschen getroffen haben. So erklärt es auch der Virologe Christan Drosten im neuen Corona-Podcast: „Das man sich klar macht, diese Antigentests, die haben in dieser Situation, also diese sogenannte Past-Porting-Anwendung, also ich will mich frei testen, im Prinzip nur einen Tag Gültigkeit.“

Ein Stück Normalität

Der Timer klingelt und ich gehe wieder zum Fenster. Die Helferin sieht mich und ruft schon von Weitem: „Frau Varga, richtig? Bei Ihnen ist alles gut“, Daumen nach oben, der Test ist negativ. Obwohl ich keine Symptome hatte, bin ich sehr erleichtert. Zum ersten Mal seit März kann ich mir ziemlich sicher sein, kein Covid-19 zu haben.

Nach 90 Minuten Fahrt stehe ich vor einem Reihenhaus in einem Vorort von Köln. Ich klinge, meine Oma öffnet die Tür und endlich kann ich sie mit einem guten Gewissen umarmen und drücken. Der Tag bei meinen Großeltern war toll und zumindest für diesen einen Tag gab es wieder ein Stückchen Normalität. Das Geld für den Test hat meine Oma mir übrigens, wie man das von Omas kennt, ganz heimlich und augenzwinkernd zugesteckt.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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