Selmer sammeln Ideen zur Energieeinsparung: So war das erste Klimacafé

mlzKlimaschutzkonzept Selm

Ein Blick auf die Energie- und Treibhausgas-Bilanz Selms zeigt: 49 Prozent der Emissionen stammen von privaten Haushalten, weitere 28 Prozent vom Verkehr. Klimaschutz geht daher alle an.

Selm

, 06.07.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Monaten ist die Stadt Selm dabei, gemeinsam mit dem Fachbüro Gertec ein Klimaschutz- und Anpassungkonzept zu erarbeiten. Am Donnerstag wurden die Selmer mit ins Boot geholt: Beim Klimacafé im Bürgerhaus gab es zwar weder Kaffee noch Kuchen, dafür aber einen intensiven Austausch von Menschen aller Altersklassen über Ideen, Maßnahmen und Vorschläge, wie man dem Klimawandel selbst, aber auch seinen Folgen begegnen könnte.

Diskussionen blieben da nicht aus: Das Wort „Klimanotstand“ nutzt Andreas Hübner vom Planungsbüro Gertec nämlich ungern, er spricht lieber von „Klimaaufbruch“. „Wir wollen nicht alle zu Heiligen machen, es geht darum, klimaschonend zu handeln“, erklärte er. Eine Einstellung, die den Vertretern der Grünen, der UWG und den Fridays for Future-Aktivisten nicht unbedingt gefiel. „Notstand ist schon das richtige Wort“, sagte eine Vertreterin der Grünen. Im Kern waren sich jedoch alle einig: Jeder einzelne kann etwas zur Minimierung der Folgen des unaufhaltbaren Klimawandels beitragen.

Bewusster mit Putzmitteln umgehen

„Man muss nicht so viel Chemie in die Umwelt geben“, sagte eine Frau mit Blick auf den Wohnungsputz. „Klimaschutz darf auch nicht unabhängig vom Tierschutz betrachtet werden“, forderte eine andere. Die Förderung alternativer Energien, ein barrierefreier und leicht verständliches oder gar ticketloses System beim ÖPNV und die Einsparungen vom Verpackungsmüll kamen natürlich auch zur Sprache, aber primär ging es um Maßnahmen, die direkt vor Ort, schnell und unkompliziert umgesetzt werden könnten.

Stärker auf Aufklärung setzen

Deutlich wurde allen Beteiligten, vor allem den Gastgebern, wie wenig selbst die engagierten Bürger über Maßnahmen wissen, die es längst gibt und die nur angewandt werden müssten. Um ganz Selm zu erreichen, müsste es eine Beratungsstelle geben - und auch Aufklärung bereits in Kindergarten und Schulen. „Jeder Artikel, der zum Thema Klimaschutz erscheint, erhält doch schnell einen Nutzer-Kommentar, indem die Protagonisten als Greta-Jünger abgetan werden“, ärgerte sich Insa Behrens, die in Selm eine Petition zum Klimaschutz gestartet hat, über die Ignoranz vieler Selmer. Dabei sei jeder betroffen: „Meine Enkel werden in 100 Jahren noch leben“, verdeutlichte Andreas Hübner.

Lieblings-Ideen in vier Bereichen

In konstruktiver Zusammenarbeit erarbeiten die knapp 30 Aktiven im Klima-Café unzählige Ideen, aus denen sich am Ende „Lieblingsideen“ herausbildeten. Mit Blick auf Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung soll künftig auf energieautarke Baugebiete geachtet, Altbauten sollen saniert und eine Beratungsstelle eingerichtet werden. Zum Thema klimafreundliche Mobilität soll bei der Verkehrsplanung verstärkt auf einen einfachen ÖPNV und das Rad gesetzt werden. Beim Klimaschutz im Alltag spielte für die Anwesenden die Ernährung eine wichtige Rolle, aber auch der Konsum. Auch hier müsse stärker auf Aufklärung gesetzt werden.

Besonders kreativ waren die Klimaschützer bei der Frage, wie man die Folgen des Klimawandels besser verarbeiten kann: Mehr Stadtgrün, mehr Bäume als Hitzeinseln, mehr entsiegelte Flächen und vor allem ein Quartiersmanagement wünschten sich die Anwesenden.

Auf dem richtigen Weg

„Wir haben viel Bestätigung erfahren in den Dingen, die wir auch schon selbst ins Klimaschutzkonzept aufnehmen wollen“, erklärte Julia Schmidt von der Stadt Selm abschließend. „Selbst eine Beratungsstelle haben wir geplant.“ Wichtig sei nur, dass sich nun jeder auch selbst hinterfrage und dass alle hinsichtlich der zeitlichen Umsetzung realistisch blieben. „Luftschlösser zu bauen macht ja keinen Sinn“, so Schmidt.

Lesen Sie jetzt