„Selm? Noch nie gehört, aber ihr habt Humor!“: Faisal Kawusi im Interview

mlzFaisal Kawusi

Faisal Kawusi macht sich nicht nur über andere, sondern vor allem über sich selbst lustig. In Selmer Bürgerhaus kam das gut an. Dabei steckt eine ganz besondere Botschaft in seinem Programm.

Selm

, 11.02.2019, 16:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Du kommst aus Groß-Gerau in Hessen. Hast du vor heute Abend je von Selm gehört?

Nein, noch nie!

Und was ist so dein erster Eindruck?

Mein Problem ist ja, dass ich nur wenig von der Stadt sehe, in die ich komme. Und wenn, dann sehe ich höchstens das, was mir das Autofenster so bietet. Aber eure Stadthalle finde ich sehr schön, so einen Stil habe ich so noch nie gesehen. Auf mich wirkt Selm wie eine sehr sehr heitere Stadt. Wenn es überhaupt eine Stadt ist.

Ja, ist es. 23.000 Einwohner.

(lacht) Ja, das kann man als Gemeinde sehen.

Wenn dir schon unsere Stadt gefallen hat: Wie findest du denn dann das Selmer Publikum?

Genau wie die Stadt: Sehr sehr heiter und sehr sehr glücklich. Es gibt ja so Unterschiede zwischen den Regionen in Deutschland. Der Nordländer ist eher so in sich gekehrt, der Schwabe hat auch irgendwie so seine Eigenart, genau wie der Bayer. Aber hier merkt man sofort, dass man in Nordrhein-Westfalen ist, weil die Leute mehr Humor haben und ihre Freude auch mehr zeigen.

Also kann man sagen, dass es dir heute Abend Spaß gemacht hat?

Ja, auf jeden Fall. Obwohl ich sagen muss, ich gehe gar nicht ganz so happy von der Bühne. Liegt aber einfach daran, dass ich mit dem Programm noch nicht zufrieden bin so wie es ist. Da bin ich voll der Streber. Wie die Jungs und Mädels in der Schule, die eine 1- geschrieben haben und sich voll darüber ärgern. Gerade bin ich gefühlt eher bei einer 3. Aber das hat ja mit dem Publikum überhaupt nichts zu tun. Das bin nur ich und die Leute waren super. Habe mich hier wirklich sehr wohl gefühlt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So war der Auftritt von Faisal Kawusi im Selmer Bürgerhaus

Der bekannte Komiker hat im Selmer Bürgerhaus für viele Lacher gesorgt.
11.02.2019
/
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
"Wir sind auch so oft im Selmer Bürgerhaus und Faisal Kawusi kannten wir schon aus dem Fernsehen", erzählten Reinhard und Gudrun Röder aus Selm, die über die Witze sehr viel lachen mussten. "Der ist einfach super, der nimmt das Publikum gut mit."© Jürgen Weitzel
Die "Traktorgang" - so hat Faisal Kawusi die Freunde in der ersten Reihe genannt. "Ich habe eigentlich gehofft, dass er uns nicht anspricht, aber am Ende war es ja doch ganz witzig", sagt die 18-jährige Sophia Paduch (3.v.l.) aus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
Kathrin Disse vom Kulturbüro in Selm musste lange am Ball bleiben, um einen großen Künstler wie Faisal Kawusi nach Selm zu bringen. "Letztendlich waren die Karten für die Vorpremiere schon lange vorher ausverkauft", so Disse.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
Mit 314 Zuschauern war das Selmer Bürgerhaus bei der Vorprogramm von Faisal Kawusi "Anarchie" bis auf den letzten Platz besetzt.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel
So war der Auftritt von Comedian Faisal Kawusi im Bürgerhaus Selm.© Jürgen Weitzel

Du bist ja auch schon mehrmals zum Beispiel in der Kölner Lanxess-Arena aufgetreten. Nun würde ja fast ganz Selm in so eine große Arena passen. (Faisal Kawusi lacht) Was gefällt dir denn besser? Vor einer Handvoll Leute oder in den ganz großen Arenen?

Das ist schwer zu sagen. Beides hat seinen eigenen Reiz. Bei der Lanxess-Arena ist es eben sehr eindrucksvoll, wenn man vor vielen Tausend Leuten steht. Das kann einen schon auch mal sehr erschlagen, weil man vor allem auch sehr aufgeregt ist. In „kleinere Locations“ ist es aber dann sehr viel persönlicher und sehr viel familiärer.
Die Leute bekommen viel mehr von dem mit, was ich mache und ich selbst dann auch viel mehr vom Publikum. Zum Beispiel wie heute: Wenn zehn Pappenheimer der Meinung sind, sie müssten hier rumpfeifen (lacht). Dann höre ich das und kann dann ganz anders darauf reagieren. Das ist eine ganz andere Atmosphäre.

Kannst du denn immer noch über deine eigenen Witze lachen, oder kannst du die langsam selbst schon nicht mehr hören?

Ich glaube, ich habe eine gesunde Portion Narzissmus und deswegen finde ich mich selbst ziemlich lustig. Ich habe da immer Spaß dran. Und ich interagiere ja auch viel. Ich mache viel mit dem Publikum und quatsche mit denen, was eben dazu führt, dass nie das gleiche Programm zwei Mal stattfindet. Dadurch ist es immer anders und wird für mich nicht langweilig.

Was findest du denn lustig, worüber lachst du selbst?

Ich lache über all das, über das andere Leute nicht lachen können (lacht lange und braucht kurz, um sich wieder zu fangen). Ich bin der Mensch, der alles mit Humor nimmt.

Wo bekommst du denn deine ganzen Ideen her?

Ich bin immer dann am witzigsten, wenn ich keine Comedy mache. Also wenn ich wirklich einfach nur im Urlaub bin, bekomme ich die meisten Inspirationen, weil es in dem Moment nicht so gezwungen ist. Niemand sagt: Du musst jetzt witzig sein. Je entspannter ich also bin, desto lustiger bin ich auch.

Gibt es dann auch mal Momente, wo dir so gar nichts Witziges einfällt?

Jedes Mal, wenn ich mich hinsetze und mir sage: Jetzt schreibe ich was Lustiges. Dann ist eine Blockade da. Das ist dann direkt diese unüberwindbare Trump-Mauer, durch die ich nicht durchbekomme. Schreiben entsteht bei mir total spontan. Auch in so ganz merkwürdigen Situationen, wo dann irgendwer plötzlich etwas sagt und es bei mir im Kopf knallt. Dann brauche ich sofort Stift und Zettel. Da bin ich auch echt old school. Ich mag es auch gar nicht, wenn ich etwas abtippen muss. Ich schreibe immer mit der Hand. Wie meine Lehrerin mir früher gesagt hat: Von der Hand in den Kopf. Und bei mir bleibt das so offensichtlich dann alles im Kopf. Das ist so meine Methodik.

Was ist deine Botschaft, die du den Leuten von der Bühne aus mitgeben willst?

Ich habe eine Beobachtung gemacht, die mich stört: Political Correctness. Die Menschen sind mittlerweile so sensibel geworden, dass Worte mehr anrichten als Taten. Das heißt, Komiker werden angegangen, weil sie irgendwelche Witze machen. Politiker und Geschäftsleute aber beuten die Welt aus und lassen Menschen sterben. Das finde ich total bescheuert. Deswegen heißt mein Programm auch „Anarchie“. Dass man eben überall Regeln und Gesetze aufsetzen kann aber eines wird immer frei bleiben: Und das sind unsere Gedanken und unsere Fantasie.

Lesen Sie jetzt