Die Kreisstraße ist auch ohne Weihnachtsbeleuchtung hell erleuchtet. Eine Weihnachtsbeleuchtung wird es wohl nicht geben. © Arndt Brede
Weihnachtsbeleuchtung

Selm ohne Weihnachtsbeleuchtung – die große Lösung ist nicht in Sicht

Wer abends durch Selm fährt, dem mag es in diesen vorweihnachtlichen Tagen auffallen: Nichts. Konkret: Es gibt keine wirkliche Weihnachtsbeleuchtung in Selm. Was ist da los?

Die Kreisstraße abends bei Dunkelheit, die Selmer Altstadt abends bei Dunkelheit: keine Weihnachtsbeleuchtung. Wir haben Stadtsprecher Malte Woesmann gefragt, ob der Eindruck richtig ist, dass es in Selm in diesem Jahr weniger Weihnachtsdekoration gibt als in den Vorjahren. Seine Antwort: „Weniger Dekoration ist in diesem Jahr nicht im Vergleich zum vergangenen Jahr vorhanden. Die Stadt ist aktuell im Austausch mit der Werbegemeinschaft der Stadt Selm, um für alle Ortsteile eine moderne Weihnachtsbeleuchtung anzuschaffen.“

Die Tanne auf dem Kreisverkehr Botzlarstraße ist beleuchtet. Weitere Kreisverkehre sollen ähnlich gestaltet werden.
Die Tanne auf dem Kreisverkehr Botzlarstraße ist beleuchtet. Weitere Kreisverkehre sollen ähnlich gestaltet werden. © Arndt Brede © Arndt Brede

Diese solle individuell an die Erfordernisse angepasst sein. „Denkbar ist, dass zum Beispiel auf der Kreisstraße auf den Kreisverkehren, angelehnt an den bereits existierenden beleuchteten Weihnachtsbaum auf dem Kreisverkehr Botzlarstraße, zentrale Beleuchtung angeschafft wird.“ Für die Altstadt oder auch den Ortsteil Bork könnten andere Konzepte zum Tragen kommen.

Altstadt-Geschäfte fangen mit Beleuchtung an

Nachfrage der Redaktion bei Nicole Reuter, Sprecherin der Werbegemeinschaft für die Selmer Altstadt: Geht da was in Sachen Beleuchtung in der Altstadt? „Jedes Geschäft hat mittlerweile die Weihnachtsdekoration aufgebaut und versucht, ein bisschen Flair reinzubringen“, sagt die Geschäftsfrau. „Auf der Ludgeristraße stehen die Bäume schon und fangen an, ein bisschen was zu machen.“ In der Tat: Der eine oder andere Weihnachtsbaum ist schon erleuchtet. „Die Leute sollen sehen: Weihnachten ist doch angekommen“, umschreibt es Nicole Reuter.

In der Altstadt schmücken und beleuchten die Geschäftsleute Tannen vor ihren Geschäften.
In der Altstadt schmücken und beleuchten die Geschäftsleute Tannen vor ihren Geschäften. © Arndt Brede © Arndt Brede

Wird es denn eine Weihnachtsbeleuchtung, über die Straße gespannt, geben? „Bisher nicht. Jedes Geschäft für sich hat Weihnachtsbäume angeschafft“, führt die Sprecherin aus. „Eigentlich wollten wir eine Weihnachtsbaumallee die ganze Ludgeristraße entlang, aber das funktioniert mit den Coronazahlen nicht. Es ist auch ein Kostenfaktor, den wir uns dieses Jahr gespart haben.“ Corona hat eben auch zu gesunkenen Kundenströmen geführt und die Geschäfte sind eben Wirtschaftsunternehmen.

Mit dem ersten Advent haben die Geschäfte in der Altstadt begonnen, individuell Atmosphäre zu kreieren. Beleuchtete und geschmückte Bäume sollen nach und nach adventliches Flair bringen.

Weihnachtsbeleuchtung für Kreisstraße nicht möglich

Ein solches Flair fehlt im Selmer Zentrum. Klar, Malte Woesmann hat ja angekündigt, dass zumindest die Kreisverkehre mit Beleuchtung ausgestattet werden. Eine Weihnachtsbeleuchtung, die über die Straße gespannt ist, wird es wohl nicht geben. Das werde auch in den sozialen Medien kritisiert, sagt Thomas Kaim, Sprecher der Werbegemeinschaft für das Selmer Zentrum: „Es ist aber mitnichten so, dass sich da keiner Gedanken macht und drum kümmert oder es gar vergessen hat. Wir hatten auch ein Gespräch mit Bürgermeister Thomas Orlowski. Eine Weihnachtsbeleuchtung für die Kreisstraße ist einfach nicht möglich.“

Warum? Grund 1: „Wenn Sie abends über die Kreisstraße gehen, ist die hell erleuchtet. Gegen diese Beleuchtung durch die Straßenlaternen müsste man erstmal anleuchten.“

Grund 2: „Die Straße ist so breit, da kann man überhaupt nichts drüber spannen.“

Grund 3: „Die Kreisstraße ist eine Bundesstraße. Da müssen Sicherheitseinrichtungen vorgegeben sein und die Beleuchtung müsste in 4,50 Metern Höhe oder noch höher sein. Das ist einfach technisch nicht machbar.“

Grund 4: „Die Straßenlaternen haben alle keine Steckdose. Kann man nachrüsten. Kostet pro Laterne 300 Euro.“ Es gebe auf dem Abschnitt zwischen PeGa-Moden und dem Lumberjack’s Diner „keinen einzigen Stromanschluss“.

„Ich hatte die Idee, die Firma Szenenwerk mit ins Boot zu holen“, sagt Kaim. „Die haben bisher ja den Glitzerwald beleuchtet und haben jetzt 180.000 Leuchten, die nicht benötigt werden. Die hätte man nehmen können, um die Straßenbäume zu beleuchten. Es gibt aber keine Stromanschlüsse.“ Solarpaneele mit einem Akku in die Bäume zu hängen, sei wegen der fehlenden sozialen Kontrolle nicht sinnvoll.

Kreativ und individuell

Nun wird aber gerade die Kreisstraße – mal abgesehen von den Kreisverkehren – nicht ganz unweihnachtlich bleiben. Thomas Kaim zum Beispiel hat den Eingang seines Geschäftes Selmer Optik auf besondere Weise umgestaltet und ergänzt: in Form einer Weihnachtsbude nämlich. „Passanten haben mich angesprochen, ob das die anderen Geschäfte auch so machen“, berichtet der Geschäftsmann. Das sei aber nicht der Fall, sondern eine individuelle Aktion. „Es ist aber auch ein Kostenfaktor und eine Frage der Möglichkeiten.“

Der Eingang des Geschäftes Selmer Optik ist als Weihnachtsbude gestaltet.
Der Eingang des Geschäftes Selmer Optik ist als Weihnachtsbude gestaltet. © Thomas Kaim © Thomas Kaim

Wenn also im großen Stil Weihnachtsbeleuchtung fehlt, nützt es wenig, sich darüber aufzuregen. Also sind es individuelle Lösungen, die her müssen. So, wie es Thomas Kaim mit seinem Geschäftseingang in Form einer Weihnachtsbude macht. Getreu dem Motto, das sinngemäß dem chinesischen Philosophen Konfuzius (vermutlich 551 v. Chr. bis 479 v. Chr.) zugeschrieben wird: „Es ist besser, ein kleines Licht zu entzünden, als über die Dunkelheit zu klagen.“

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Redaktion Selm
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Arndt Brede

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