Ein 23-jähriger Selmer hat am Silvesterabend 2019 seine 19-jährige Freundin gestoßen und geschlagen. © Max de Groot on Unsplash
Gerichtsprozess

Selmer (23) stieß und schlug seine Freundin (19) bei einer Silvesterparty

In der Silvesternacht 2019 stieß ein Selmer (23) seine Freundin (19) und schlug die am Boden liegende Frau. Es war nicht das einzige Mal, dass der junge Mann sich in Aggressionen verlor.

„Ich mache das auch für die Frauen, die noch kommen.“ – In der Silvesternacht wurde eine junge Frau offenbar Opfer ihres gewalttätigen Freundes aus Selm. Einige Tage später zeigte sie ihn wegen Körperverletzung an. Vor dem Amtsgericht Lünen beteuerte der 23-Jährige nun seine Unschuld. Letztlich aber ohne Erfolg.

Das neue Jahr begann für die 19-Jährige aus Ascheberg denkbar schlecht. Mit ihrem damaligen Freund befand sie sich auf einer Party in Lüdinghausen, hatte Streit mit einer Freundin und wollte irgendwann frische Luft schnappen, ein bisschen Ruhe haben. Der Selmer suchte irgendwann nach ihr und wurde wütend, als er sie fand. Laut Anklage stieß er sie so, dass sie auf die Knie fiel und schlug der am Boden liegenden jungen Frau in das Gesicht. Anwohner, so schilderte es die 19-Jährige später, hätten interveniert und hätten sie schließlich zurück zu der Party gebracht, wo sie mit Kühl-Akkus versorgt worden sei. Am 11. Januar wandte sie sich dann an die Polizei.

19-Jährige berichtete von weiterem Vorfall im August

„Das, was da steht, ist nicht vorgefallen“, versicherte der Selmer nun im Prozess und bezog sich damit auf die Anklageschrift. Warum sie ihm so etwas vorwerfe, wisse er nicht. Die 19-Jährige wurde gehört und bestätigte nicht nur den Vorwurf rund um die Silvesternacht, sondern berichtete auch von einem Vorfall im August zuvor. Bereits da habe er sie gepackt, an eine Wand gedrückt, geschubst und bedroht. Warum sie dennoch bei ihm blieb und warum sie nach der Tat an Silvester erst einige Tage später Anzeige erstattete, erklärte sie mit bemerkenswerter Offenheit: Sie habe gedacht, diejenige zu sein, die ihn von seinen Aggressionsproblemen wegbringe. „Ich habe an das Gute geglaubt.“ Irgendwann aber habe es dann „Klick gemacht“. Sie habe einen Schlussstrich gezogen. „Das hätte ich natürlich viel früher machen sollen.“

„Sie müssen professionelle Hilfe suchen, damit Sie Ihre Aggressionen in den Griff kriegen“

Während der Verteidiger den Beteuerungen des Selmers Glauben schenkte und auf Freispruch plädierte, hatte die Anklägerin nicht die leisesten Zweifel an der Schuld des 23-Jährigen. Vielmehr seien die Angaben der Geschädigten absolut nachvollziehbar und vernünftig gewesen und das Erlebte habe offenbar nach wie vor Einfluss auf sie. Bevor sie eine Geldstrafe beantragte, wandte sie sich direkt an den Angeklagten: „Sie müssen professionelle Hilfe suchen, damit Sie Ihre Aggressionen in den Griff kriegen.“

Das sah der Richter ganz ähnlich. Auch er war von der Glaubhaftigkeit der Zeugin überzeugt. Ihre Aussage sei plausibel, detailreich und eindrücklich gewesen. Zudem betonte er, dass das Ganze durchaus auch mit einer Bewährungsstrafe hätte enden können. In dem Fall beließ er es aber bei 3000 Euro Geldstrafe.

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