Ralf Engler würde gern einen Glasfaseranschluss nutzen. Aber nicht zum Preis eines Anbieterwechsels und ohne die inhaltlichen Vorteile seines bisherigen Anbieters. © Ralf Engler
Breitbandausbau

Selmer erklärt, warum Resonanz auf Glasfaser-Breitbandausbau stagniert

Die Resonanz der Selmer auf den Breitbandausbau im Innenstadtbereich ist schleppend. Gründe dafür sind mit dem Wörtchen „möglicherweise“ verbunden. Gut, wenn mal jemand Klartext redet.

Nur fünf Prozent der Selmer, die potenziell ans schnelle Glasfasernetz angeschlossen werden könnten, haben sich bisher für einen Highspeed-Anschluss der Westenergie Breitband GmbH ausgesprochen. 40 Prozent müssten es sein, damit der Ausbau für das Unternehmen wirtschaftlich ist. Warum die Resonanz so niedrig ist? Markus Droste, Kommunalmanager bei der Westenergie Breitband GmbH, die den Breitbandausbau im Innenstadtbereich Selms vorantreiben soll, hat Anfang Dezember gegenüber dieser Redaktion gemutmaßt: „Ich glaube, dass die Leute im Innenstadtbereich mit den Bandbreiten, die sie erreichen, zufrieden sind“, sagt Markus Droste. Wer also möglicherweise bisher Bandbreiten erzielt, die die Internetanwendungen zuhause akzeptabel machen, verzichtet auf den Ausbau für das Glasfasernetz.

Bandbreite ist aber nicht alles. Ralf Engler berät seit Jahren IT-Organisationen von kleinen Unternehmen bis hin zu großen Konzernen bei einem Dortmunder IT-Beratungsunternehmen. Der IT Prozess- und Organisations-Berater und Führungskräfte-Coach aus Selm sagt: „Ich würde jedem Unternehmen in Selm dringend empfehlen, sich für den Glasfaseranschluss zu entscheiden.“ Aber privat nutze er ihn eben nicht. Auch wenn er aktuell zu 95 Prozent im Homeoffice arbeite.

Es geht nicht um die Bandbreite

„Warum habe ich privat dann kein Interesse an einem Breitband Glasfaseranschluss wie er aktuell angeboten wird? Würde er doch auch den Wert meines Hauses steigern. Und mit Blick in die Zukunft werden wir ja eher mehr als weniger Bandbreite benötigen.“ Das hat Engler gegenüber der Redaktion in die Diskussion geworfen. Die Frage beantwortet er sich selbst und damit allen, die diese Aspekte ebenfalls im Blick haben, so: „Zunächst einmal ist die Frage falsch gestellt, denn es geht gar nicht nur um die reine Bandbreite und den Glasfaseranschluss. Denn es geht im privaten Bereich, anders als im geschäftlichen, nicht nur um die nötige Bandbreite. Vielmehr haben die verschiedenen Anbieter ja verstanden, dass es um Mehrwert und Inhalt geht. Und das ist der Punkt! Ich habe seit vielen Jahren einen Telekom-Anschluss in Kombination mit dem Dienst Entertain. Meine Familie und ich haben diese Art des Fernsehens liebgewonnen und möchten nicht mehr drauf verzichten. Würde mir die Telekom einen Glasfaseranschluss anbieten, würde ich vermutlich kaum zögern.“

Die Familie Engler seien echte Internetnutzer: „Drei TV-Geräte die Streamingdienste nutzen, vier Handys sind ständig im Netz, permanente Videokonferenzen und so weiter. Und tatsächlich reicht die aktuelle Bandbreite aus. Hätte ich ehrlich gesagt kaum vermutet, aber so ist es.“

Was also würde passieren, wenn er sich nun für einen Anbieterwechsel (Glasfaser) entscheiden würde? „Wir müssten auf unser Entertain-Angebot verzichten, welches wir jeden Abend nutzen.“ Punkt. Es gebe also gar keine Motivation, den Anbieter zu wechseln. „Und wenn man jetzt das Argument ,Zukunftsinvestition‘ ins Spiel bringt, dann muss man sagen, dass diese Investition nur erkauft werden kann mit dem Verzicht auf das aktuelle Angebot der Telekom. Also dem Inhaltlichen Angebot.“

Nicht gegen Glasfaser, sondern gegen Anbieterwechsel entschieden

„Ich entscheide mich nicht gegen ,Glasfaser‘, sondern gegen einen Anbieterwechsel“, sagt Engler. „Und die aktuelle Bandbreite kommt nicht an ihre Grenzen. Ganz im Gegenteil, ich hatte in den vergangenen 20 Jahren noch nie eine so stabile Verbindung wie aktuell.“ Vielleicht gehe es anderen Mitbürgern ähnlich, sagt der Selmer: Man hat genug Bandbreite und ist mit dem aktuellen Anbieter zufrieden oder nutzt sogar seine zusätzlichen inhaltlichen Dienste.

„Hinzufügen muss ich aber noch, dass ich es sehr bedaure, dass ein Glasfaserausbau nur mit Anbieterwechsel möglich ist“, so Engler. „Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses der ausschlaggebende Grund ist, warum es nicht voran geht. Ich selbst wäre gerne dabei, aber die auf der Pro- und Contra-Liste steht nicht viel bei Pro. Schade eigentlich.“

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Arndt Brede

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