Feuerwehr-Einsätze in Selm nehmen zu – mit Flammen hat das allerdings wenig zu tun

mlzFeuerwehr-Statistik

In der Jahresstatistik wird deutlich: Im vergangenen Jahr rückten die Selmer Einsatzkräfte deutlich häufiger als noch in den Vorjahren aus. Ein Feuerwehrmann erklärt, woran das liegt.

Selm

, 23.06.2019, 05:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Gesamtzahl der Feuerwehreinsätze in Selm nimmt zu. Rückte die Freiwillige Feuerwehr 2017 noch insgesamt 138 Mal aus, waren es 2018 schon 288 Einsätze. An brennenden Gebäuden liegt das aber nicht.

„Die Einsätze zur Türöffnung haben sehr stark zugenommen“, nennt Stadtbrandinspektor Thomas Isermann im Gespräch mit dieser Redaktion einen Faktor.

Türöffnung fällt unter den Oberbegriff „Technische Hilfeleistung.“ Isermann erklärt sich das dadurch, dass die Leute öfter bis ins höhere Alter Zuhause blieben als früher.

„Relativ viele hilflose Personen hinter verschlossenen Türen“

Dadurch käme es häufiger dazu, dass ältere Leute stolpern oder stürzen und sich nicht mehr selbst helfen könnten. Außerdem gebe es häufiger Hausnotruf-Anlagen, durch die es einfacher wäre, die Feuerwehr zu alarmieren. „Wir haben relativ viele hilflose Personen hinter verschlossenen Türen“, sagt Isermann.

Außerdem gäbe es viele aufmerksame Nachbarn, die anriefen, wenn die älteren Nachbarn nicht gesehen würden. Bei einer potenziell gefährdeten Person hinter einer verschlossenen Tür greifen die Einsatzkräfte ein. Dabei handelt es sich immer um Nottüröffnungen – „wenn sich jemand ausgesperrt hat, ist das nicht unser Job“, erklärt der Stadtbrandinspektor.

Baustellen-Staub löst Melder aus

Ebenso leicht angestiegen sind die sogenannten Blinden Alarme durch Brandmeldeanlagen (BMA). Also Anlagen, die bei Auslösung eigenständig die Feuerwehr alarmieren.

Das erklärt sich Isermann durch zunehmende Bautätigkeiten. Baustaub kann so eine Anlage schnell zur Auslösung bringen – was auch für Heim-Rauchmelder gilt.

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Fehleinsätze, die aufgrund von alarmierenden Brandmeldeanlagen erfolgen, sind kostenpflichtig, wenn die Einsätze durch Fehlverhalten entstehen, erklärte Isermann im Umweltausschuss im März. Etwa, wenn Baumaßnahmen mit Staubentwicklung in Gebäuden durchgeführt werden, ohne dass die BMA zuvor abgeschaltet wurde.

Einsätze, die in Erinnerung bleiben

Naturgemäß haben die Einsatzkräfte häufiger mit Fehlalarmierungen zu tun. Dennoch gibt es sie immer wieder, die echten Einsätze, die einem Feuerwehrmann in Erinnerung bleiben. „Vor allem Nicht-Alltägliches bleibt im Gedächtnis“, sagt Isermann.

Einer davon sei zum Beispiel der Brand des Cafés Waffelino im Jahr 2017. Oder auch der Brand der großen GWA-Anlage in Bönen im vergangenen Jahr, bei dem die Selmer Feuerwehr mit zwei Löschzügen im Einsatz war. Oder der Brand an einer Olfener Reitanlage im Jahr davor.

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Isermann befürwortet die allgemeine Rauchmelderpflicht stark. Wichtig sei es hier, die Bevölkerung zu sensibilisieren. „Lieber einmal zu oft anrufen, als zu wenig“, sagt er.

Die Feuerwehr will Nachwuchs anwerben

Personell hält sich die Selmer Feuerwehr in den vergangenen Jahren ungefähr auf dem gleichen Niveau – zumindest, was die Gesamtzahl der Mitglieder angeht.

Die Mitgliederzahl der Jugendfeuerwehr ist zuletzt zurückgegangen. Das hat damit zu tun, dass einige das Alter erreichten, um in den aktiven Dienst zu wechseln und dabei zuletzt weniger nachkamen.

Doch: „Ich habe eigentlich keine großen Nachwuchssorgen“, sagt Isermann, auch wenn die Feuerwehr diesem Trend natürlich entgegenwirken will.

Deshalb startete die Feuerwehr Werbekampagnen, um neue Jugendliche anzuwerben. „Wir wollen die Zahl um die 50 halten“, sagt er.

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