Experte aus Selm gibt sieben Geheimtipps für den Urlaub in Holland

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Noch zwei Wochen Sommerferien: Gelegenheit, nach Holland zu fahren. Zum Meer. Das dauert nicht einmal drei Stunden. Oliver Hübner kennt noch 110 andere Gründe, die Niederlande zu lieben.

Selm

, 26.07.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

263 Kilometer sind es von der Selmer Kreisstraße bis zur Strandpromenade in Scheveningen. Als Oliver Hübner (52) auf die Uhr schaut, ist es genau 10.34 Uhr. „Gegen 13.25 Uhr wäre ich da“, sagt er: ein Katzensprung bis zur Nordsee. Aber die Nähe ist nicht der einzige Grund, warum der Diplom-Physiker und IT-Experte, der auch als Autor arbeitet, die Niederlande so liebt.

111 Gründe, die Niederlande zu lieben

„111 Gründe, die Niederlande zu lieben“ hat der gebürtige Unnaer, der inzwischen in Selm wohnt, sein 2019 veröffentlichtes Buch genannt: eine Liebeserklärung an das Nachbarland auf 275 Seiten, erzählt in unterhaltsamen Anekdoten und garniert mit Insiderwissen. Dass es einmal eine praktische Hilfe sein könnte für alle, die im Sommer 2020 ihren Urlaub in Spanien, Italien, Frankreich oder der Türkei wegen Corona storniert haben, konnte er damals noch nicht ahnen.

Oliver Hübner: 111 Gründe, die Niederlande zu lieben. Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt, 276 Seiten mit vielen Illustrationen, Schwarzkopf & Schwarzkopf Berlin, 14,99 Euro

Hübners Liebe zu den Niederlanden ist kein kurzer Flirt, sondern eine lange Beziehung. Seitdem er denken kann, sind die Niederlande das Ziel seiner Sommerferien. Genauer gesagt: Texel. Dorthin ist Familie Hübner mit dem kleinen Oli von Anfang an gefahren. „Nach Holland“, wie es damals immer hieß. Und wie es heute auch noch viele sagen.

Holland und Niederlande: Was ist richtig?

Bei der Insel Texel würde das ja stimmen, räumt er ein. Sie gehöre zur Provinz Nordholland. Sonst müsse es aber eigentlich heißen: „die Niederlande“. Genauso wie die Sprache, die Hübner spätestes nach einem Studienjahr in Amsterdam fließend spricht, Niederländisch ist und nicht Holländisch. Letzteres sei lediglich eine Dialektfärbung - wie das Hessische.

Ein Teil des Bucheinbands zeigt Windmühlen und Tulpen. Dass es aber noch viel mehr in den Niederlanden zu entdecken gibt, schreibt Oliver Hübner auf 275 Seiten.

Ein Teil des Bucheinbands zeigt Windmühlen und Tulpen. Dass es aber noch viel mehr in den Niederlanden zu entdecken gibt, schreibt Oliver Hübner auf 275 Seiten. © Schwarzkopf&Schwarzkopf Berlin/Jenifoto, adobe stock

1. „Weil es nichts Schöneres gibt, als nach einem Strandspaziergang im Strandpavillon windgeschützt das Meer zu betrachten.“

Das lässt sich überall an der Küste ausprobieren - und nicht nur da. Oliver Hübner verrät, wo das auch näher am Ruhrgebiet möglich ist: Walhalla in Harderwijk. Ein See mit Badestrand, Gastronomie und maritimer Stimmung.

2. „Weil die Windmühlen so gut in Schuss sind.“

Ein wiegendes Tulpenmeer im Vordergrund und eine Windmühle im Hintergrund: So sieht das Cover von Oliver Hübners Buch aus. Klar, das sind Klischees räumt Hübner ein. Das sei aber nichts Schlechtes, im Gegenteil. „So romantisch die gut erhaltenen Mühlen heute das schöne und museale Holland repräsentieren, so fortschrittlich haben sie damals das Land vom Wasser befreit und die Flotte für die Eroberung der Weltmeere im Goldenen Zeitalter zu bauen geholfen“, schreibt er. Eine Mühle empfiehlt Hübner besonders: die Brouwerij’t IJ Amsterdam, eine Brauerei mitsamt Windmühle mitten in Amsterdam: Funenkade 7. Aber Achtung: geöffnet ist sie nur bis 20 Uhr.

Warum Hagelslag lecker schmeckt

3. „Weil ,Hagelslag‘ kein Unwetter ist, sondern der weltbeste Brotbelag:“

Von Matjes, Kibbeling und Frau Antjes Käse einmal abgesehen: Berühmt ist die niederländische Küche nicht gerade. Bei einem hierzulande eher unbekanntem Produkt läuft Oliver Hübner seit frühesten Kindertagen aber immer das Wasser im Mund zusammen: Hagelslag: Schokostreusel mit Fettglasur für das Butterbrot, köstlich. Angeblich hatte ein Süßwarenproduzent 1912 die Idee dazu - an einem Tag, als es hagelte. Daher der Name.

4. „Weil der alte Hafen von Enkhuizen wunderschön ist.“

Enkhuizen? Noch nie gehört. So wird es vielen gehen. Oliver Hübner lange auch nicht. Bis er auf einer Fahrradtour von Utrecht nach Deutschland das Örtchen entdeckte. Da hat er die westfriesische, 18.500 Einwohner zählende Hafenstadt entdeckt und war gleich verzaubert von dem Charme ihrer Altstadt. „Eine der schönsten Städte der Niederlande“, steht für ihn fest.

Herrschaftlich flanieren in Oud Amelisweerd

5. „Weil eine Vielzahl von Schlössern und „Buitenplaatsen“ zum Besuch locken.“

Die niederländische Bezeichnung für Landsitze ist Buitenplaats: große Anwesen im Grünen, die sich nicht nur Adelige schufen, sondern auch reiche Kaufleute. Von ihnen gab es viele, entsprechend groß ist die Palette der möglichen Ausflugsziele. Hübners Tipp: das heutige Museum für Kunst und Natur Oud Amelisweerd in Bunnik bei Utrecht , mit einer bezaubernden Parkanlage an einem alten Arm des Rheins. Die Adresse: Koningslaan 9, Bunnik.

6. „Weil es traumhafte Strände auf den Waddeneilanden gibt.“

Wo sind die schönsten Strände? Da muss Oliver Hübner nicht lange nachdenken. Zandvoort, Renesse, Noordwijk und Egmond seien zwar traumhaft, sagt er. Aber am allerschönsten seien es „auf den Waddeneilanden“. So heißen die westfriesischen Inseln zwischen Den Helder und dem dänischen Esbjerg. Der Name verrät, was sie ausmacht: nämlich nicht nur Strand, sondern auch - auf der dem Festland zugekehrten Seite - Watt. Bewohnt und ferientauglich sind Texel, Vlieland, Terschelling, Ameland und Schiermonnikoog.

Ein Stück Niederlande in Münster entdecken

7. „Weil der Geburtsort der Niederlande in Westfalen liegt.“

Für alle, die es nicht mehr schaffen bis an die niederländische Küste, hat Hübner ein Trostpflaster: Münster. In der nahen Domstadt gibt es zwar keine Gezeiten und Dünen, dafür aber das Niederlande-Haus, das heute das Zentrum für Niederlande-Studien der Universität Münster ist, Alter Steinweg 6/7, direkt in der Innenstadt, gegenüber der Lambertikrche. Die niederländische Delegation residierte in dem Haus während der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden 1648, der den 30-jährigen Krieg beendete. Und der den Niederlanden den Schritt in die Unabhängigkeit ermöglichte.

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