Ein Selmer hatte keinen Erfolg bei der Vereinbarung eines Impftermins. Symbolfoto. © picture alliance/dpa/AP
Impftermin

Selmer kann keinen Impftermin vereinbaren – gibt es noch Termine?

Ein Selmer versucht drei Tage lang, einen Impftermin zu erhalten. Als er einen Callcenter-Mitarbeiter erreicht, sagt dieser, Termine gebe es aktuell nicht. Die KVWL verspricht Abhilfe.

Hubert Zumbusch hält nichts davon, sich voreilig aufzuregen. Dass es am Montag zum Start Schwierigkeiten bei der Terminvergabe für das Impfen gab, findet der Selmer nachvollziehbar. Das sei ja nicht verwunderlich, wenn so viele Menschen gleichzeitig einen Termin ergattern wollten, sagt Zumbusch, selbst über 70, der den Termin für seine Frau vereinbaren wollte. Doch bei allem Verständnis wundert sich Zumbusch nun trotzdem darüber, wieso er so viele Anrufe machen musste und dann am Ende keinen Termin bekommen konnte.

Zumbusch selbst ist am Dienstag mit dem Unterfangen „Termin bekommen“ gestartet. Per E-Mail. „Da brach aber das System zusammen“, sagt Zumbusch, also ist er auf das Telefon umgestiegen. Und hat sich Dienstag, Mittwoch und Donnerstag an den Telefonhörer gehängt. Mindestens zehnmal am Tag hat er es versucht, sagt er. „Man hat ja Zeit, wenn man mal am Schreibtisch sitzt, kann man ja mal zwischendurch den Hörer abnehmen“, sagt der Selmer. Das erste Mal, als er durchkam, brach das Gespräch ab, nachdem er über die Verarbeitung seiner Daten belehrt worden war.

Das zweite Mal, am Donnerstag, 28. Januar, hatte er dann einen Callcenter-Mitarbeiter am Hörer. „Wir haben uns nett unterhalten“, sagt Zumbusch. Aber: Der Mann am anderen Ende des Hörers konnte ihm nicht weiterhelfen. Er sagte ihm, dass erst wieder im April Termine verfügbar seien. Kein Problem für Zumbusch. Er hätte so einen Termin gern genommen. Doch für diese Termine könnte er erst wieder in zwei Wochen anrufen, habe ihm der Callcenter-Mitarbeiter gesagt. „Ich hab‘s leicht genommen“, sagt Hubert Zumbusch. Was er aber nicht so ganz versteht, ist folgendes: Wenn schon klar war, dass es erstmal keine Termine mehr gibt, warum hat die Kassenärztliche Vereinigung dann nicht eine entsprechende Mitteilung herausgegeben? „Dann hätten diese vielen Menschen nicht vergeblich anrufen müssen“, so Zumbusch.

Weitere Termine bei der Kassenärztlichen Vereinigung buchbar

Tatsächlich hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, die für die Terminvergabe im Kreis Unna verantwortlich ist, am Freitag eine Pressemitteilung dazu veröffentlicht, auf die sie auf Rückfrage auch verweist. Darin wird angekündigt, dass es weitere Termine geben soll. In der Mitteilung heißt es, dass am Freitag, 29. Januar, und auch am Wochenende weitere Terminkontingente freigeschaltet würden. Dies geschehe stets in Abhängigkeit der zugesagten Impfstoffmenge. „In Kürze wird zudem das Termin-Buchungsfenster bis Ende April geöffnet, so dass deutlich mehr Termine zur Verfügung stehen werden. Wichtig ist: Es ist ausreichend Zeit und Vorlauf für die Terminvergabe, so dass jeder, der geimpft werden möchte, drankommen wird – wenn auch nicht sofort“, teilt der KVWL mit.

Der KVWL spricht in der Meldung von einer „Zerreißprobe“ – sowohl für sich, als auch die Anrufer und Anruferinnen. Immer wieder habe es technische Probleme gegeben. Als die behoben waren, habe es dann die nächsten technischen Probleme gegeben, heißt es in der Mitteilung. So hatte es zum Beispiel am Mittwoch Probleme für Bürger gegeben, als sie den zweiten Impftermin vereinbaren wollten. Die Lösung hier: Sie erhalten den zweiten Termin im Impfzentrum, wenn sie den ersten Termin wahrnehmen.

KVWL entschuldigt sich

„Wir entschuldigen uns bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die mit Problemen bei der Vereinbarung eines Impf-Termins zu kämpfen hatten“, werden die Vorstandsmitglieder des KVWL, Dr. Dirk Spelmeyer, Dr. Volker Schrage und Thomas Müller, zitiert, Bei dem großen Ansturm sei mit Schwierigkeiten zu rechnen gewesen, aber: „dass sich der Start jedoch so schwierig gestaltet hat, bedauern wir sehr.“

In Westfalen-Lippe seien mittlerweile 479.000 Impf-Termine (für die Erst- und Zweitimpfung) vergeben worden. Das bedeutet, fast 240.000 impfberechtigte Bürgerinnen und Bürger in der Region haben einen Impf-Termin erhalten. Das entspreche fast Zweidrittel der insgesamt ca. 350.000 über 80-jährigen Bürger in Westfalen-Lippe. Wie viele auf die jeweiligen Impf-Zentren, also zum Beispiel auf das Impfzentrum im Kreis Unna entfallen, könne nicht gesagt werden, teilt die KVWL auf Nachfrage mit.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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