Selmerin erstochen: „Sie hatte keinen Glanz mehr in den Augen“

mlzMordprozess

Kalt, emotionslos und still: So haben die Söhne der getöteten Selmerin den mutmaßlichen Mörder beschrieben – ihren Vater. Nach der Tötung soll der 57-Jährige genugtuend triumphiert haben.

Selm, Dortmund

, 28.07.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Vernehmung der engsten Angehörigen des Opfers ist am Dortmunder Schwurgericht der Prozess um die tödliche Bluttat in einer Garage an der Eichenstraße fortgesetzt worden. „Jetzt seht ihr, was ihr davon habt“, soll der schwer verwundet neben der getöteten Supermarkt-Mitarbeiterin liegende Angeklagte (57) seinem Sohn bei der Entdeckung ins Gesicht gesagt haben. Als der 26-jährige Selmer sich am Dienstag im Zeugenstand die dramatischen Szenen aus der Nacht auf den 7. Februar noch einmal in Erinnerung rief, musste er das eine oder andere Mal ganz tief durchatmen.

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Den Tag vor der Bluttat hatte die Familie nach Angaben des Sohnes schon länger herbeigesehnt. „Wir waren alle froh, dass er jetzt endlich raus war, haben uns umarmt und uns gefreut“, erinnerte sich der 26-Jährige. Sein Vater habe sich zuvor nämlich trotz Scheidung geweigert, das Haus an der Eichenstraße zu verlassen, sodass letztlich ein Gerichtsvollzieher bei der Umsetzung helfen musste. „Wir haben alle Schlösser ausgetauscht und seine Sachen alle in die Garage geräumt.“

Oma: „Habe nur geschrien“

In der Nacht haben sich die Ereignisse dann mehrfach überschlagen. Erst sei der Angeklagte im Garten aufgetaucht, dort auf und ab gelaufen, wenig später sogar im Haus. Die Mutter (81) der Getöteten: „Plötzlich stand er bei mir im Zimmer, ich habe nur geschrien und geschrien.“ Anschließend habe er, so der 26-jährige Sohn des Opfers, gemeinsam mit seiner Oma „die Türen verbarrikadiert, Stühle mit Gläsern davorgestellt und die ganze Zeit gehorcht.“

Nachdem die Rentnerin früh morgens um kurz nach fünf Uhr nach einem besorgten Telefonanruf erneut Alarm geschlagen hatte („Die Mama ist nicht auf der Arbeit angekommen“), hatte der Selmer sich auf den Weg zu Fahrradschuppen und Garage gemacht. Und dabei in der Garage seine auf dem Boden nebeneinander liegenden Eltern entdeckt.

„Sie hatte keinen Glanz mehr in den Augen“

„Ich war voller Adrenalin. Mama lag da. Sie hatte offene Augen, hatte keinen Glanz mehr in den Augen“, erinnerte sich der Sohn mit tränenerstickter Stimme. Sein Vater habe danebengelegen und auf seine Ansprache scheinbar voller Genugtuung triumphiert. „Ich bin dann raus aus der Garage, habe alles rausgelassen, was ging“, so der 26-Jährige. Kurz danach seien Polizei und Rettungskräfte vor Ort gewesen.

Den Charakter des Angeklagten beschrieben beide Söhne nahezu deckungsgleich. „Kalt, emotionslos und kein Interesse an mir“, brachte es der ältere Sohn (30) auf den Punkt. „Im Endeffekt muss man sagen, dass er eigentlich nur auf der Couch lag und nichts gemacht hat.“ Diskussionen sei der Angeklagte stets aus dem Weg gegangen. „Er war wie ein Geist, der zwar im Haus war, aber den ich eigentlich nie gesehen habe“, beschrieb es der jüngere Sohn. Zuletzt habe der Vater so gut wie mit keinem mehr ein Wort geredet.

„Nimm‘ das zurück – sonst weißt Du ja, was passiert“

An einen Satz konnten sich dann aber beide Söhne noch ganz genau erinnern. Nach Scheidung und Trennung habe der Vater der Mutter indirekt gedroht: „Nimm‘ das zurück – sonst weißt Du ja, was passiert.“

Während der Zeugenvernehmungen starrte der Angeklagte an der Seite seines Anwalts Marco Ostmeyer überwiegend regungslos vor sich auf den Tisch. Es schien, als wolle der 57-Jährige möglichen Augenkontakt mit Söhnen oder Schwiegermutter unbedingt vermeiden. Der Selmer hat bereits eingeräumt, seine Ex-Frau mit einem Spaten attackiert, in die Garage gezerrt und dort mit einem Messer erstochen zu haben. Anschließend hatte er sich nach eigenen Angaben neben die Leiche gelegt und sich selbst drei Mal in die Brust gestochen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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