Selmerin soll zu Unrecht 4000 Euro staatliche Leistungen kassiert haben

mlzBetrugsfall vor Gericht

Sie Selmerin beteuert ihre Unschuld. Jedoch wird ihr vorgeworfen, dass sie über 4000 Euro an staatlichen Leistungen kassiert hat, obwohl sie längst wieder einen Job hatte.

von Sylvia Mönnig

Selm

, 28.02.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dem Jobcenter soll eine Selmerin bewusst ihre neue Arbeitsstelle verschwiegen und so Unterstützung kassiert haben, die ihr gar nicht mehr zustand. Im Betrugsprozess vor dem Amtsgericht Lünen beteuerte sie nun ihre Unschuld.

Im Zeitraum zwischen Anfang Oktober 2018 und Ende Februar 2019 erhielt die 53-Jährige zu Unrecht über 4000 Euro staatliche Leistungen. Tatsächlich stand sie längst wieder in Lohn und Brot. Doch diese Veränderung, so zumindest der Vorwurf, soll sie dem Amt vorenthalten haben. Als die Überzahlung über einen Datenabgleich ans Licht kam, musste sich die Selmerin auf ein Verfahren wegen Betrugs einstellen.

Nun saß die 53-Jährige im Amtsgericht Lünen auf der Anklagebank, zeigte sich vollkommen irritiert über den Vorwurf und versicherte sofort: „Nein, ich habe meinen Arbeitsvertrag zweimal eingereicht. In den Briefkasten. Ich habe sogar eine Zeugin dafür.“ Dabei handele es sich um ihre Chefin. Zudem habe sie einer Arbeitsvermittlerin mündlich mitgeteilt, dass sie wieder einen Job habe.

„Ich werde jeden Cent zurückzahlen“

Überhaupt: „Ich wollte mich nicht bereichern. Ganz bestimmt nicht. Und ich werde jeden Cent zurückzahlen.“ Damals sei das Geld des Jobcenters leider einer Kontopfändung zum Opfer gefallen, sei also jedes Mal direkt nach dem Eintreffen auf ihrem Konto weggewesen. Diese Pfändung rühre noch von alten „ehelichen Schulden“ her. Gerade bemühe sie sich um einen Kredit, um aus der Pfändung zu kommen und das Geld ans Amt in einem Rutsch zurückzuzahlen.

Eine Mitarbeiterin des Jobcenters wurde gehört. Sie bestätigte, dass es den besagten Briefkasten gebe. Direkt daneben stehe auch ein Kopierer für die Kunden. Zur Zuverlässigkeit im Zusammenhang mit dem Ankommen der Dokumente, die in dem Briefkasten landen, befragt, bewies sie diplomatisches Geschick: „Da gibt es ja immer zwei Meinungen – die unserer Kunden und unsere.“ Darüber hinaus erklärte die Jobcenter-Angestellte, dass der zu Unrecht erhaltene Betrag in der Zwischenzeit zurückgefordert worden sei und bereits einige Mahnungen rausgegangen seien.

Verfahren soll komplett neu aufgerollt werden

Staatsanwaltschaft und Gericht sahen nach der Einlassung der Angeklagten weiteren Ermittlungsbedarf. So sollen Kontodaten der Selmerin hinzugezogen werden, um zu klären, ob es sich tatsächlich um ein sogenanntes P-Konto, also ein Pfändungskonto, handelte. Das Verfahren wurde ausgesetzt und soll demnächst komplett neu aufgerollt werden. Geplant ist dann außerdem die Vernehmung der Chefin der Angeklagten und der Arbeitsvermittlerin, der die 53-Jährige mitgeteilt haben will, dass sie wieder eine Arbeitsstelle habe.

Lesen Sie jetzt