So geht ein Baum durchs Jahr: 2018 war ein Jahr der Katastrophen

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Wie ein Baum sich in den Jahreszeiten verändert, hat Tatjana Marschall durch eine Fotoreihe festgehalten. Und dadurch auch die Katastrophen, die 2018 für Pflanzen bedeutete, dokumentiert.

Bork, Cappenberg, Vinnum

, 15.02.2019, 11:51 Uhr / Lesedauer: 3 min

Frühling, Sommer, Herbst und Winter – zu jeder Jahreszeit schnürt Tatjana Marschall ihre Turnschuhe und läuft. „Ich muss“, sagt sie im Gespräch mit der Redaktion. Man hört heraus: Das Laufen ist nicht wirklich ihre Leidenschaft. Aber eben das beste Mittel, um fit zu bleiben. Ein anderer Vorteil: Beim Laufen sieht man allerlei Dinge. Einen spektakulären Wolkenhimmel. Ein Huhn, das hinterm Baum hervorlugt. Oder diesen Baum am Lippedeich zwischen Bork und Alstedde, der im Herbst so bunt, im Frühling so saftig grün ist. Gerade der hat es Tatjana Marschall angetan – und ist eines ihrer liebsten Fotomotive geworden.

„Endlich“, so schriebt sie nach einem Aufruf der Redaktion, Winterfotos einzuschicken, habe sie es nach dem Schneefall geschafft, auch ein Winterbild von jenem Baum zu machen. Damit ist ihre Reihe komplett und zeigt, wie der Baum durchs Jahr gegangen ist.

„Das Extremjahr schlechthin“

Und das vergangene Jahr war kein einfaches Jahr für Bäume. Ganz und gar nicht.

Elmar Berks, der Förster in den Cappenberger Wäldern ist, bezeichnet das Jahr 2018 aus forstlicher Perspektive sogar als das Extremjahr schlechthin.

Der Grund: „Wir hatten drei Katastrophen plus Nebenwirkungen innerhalb eines Jahres“, erklärt er.

So geht ein Baum durchs Jahr: 2018 war ein Jahr der Katastrophen

Saftiges grün im Frühling © Tatjana Marschall

Schon der Januar 2018 ging – aus Sicht des Waldes – mit einer Katastrophe namens Friederike los. Der Sturm hat in den Wäldern der Region für große Schadholzmengen gesorgt. „Auch viele stehen gebliebene Bäume sind, durch abgerissene Feinwurzeln oder abgebrochene Kronen, langfristig geschädigt worden“, erklärt Elmar Berks. Die zweite „Katastrophe“ schloss sich dann im Sommer an – auch auf dem Sommer-Foto von Tatjana Marschall ist sie zu erkennen. Die ungeheure Trockenheit und Hitze setzte den Pflanzen in Deutschland zu. Auf dem Foto ist der sonnenverbrannte Rasen zu erkennen. Während der Baum eigentlich noch ganz munter aussieht. Vielen anderen Bäumen ging es da deutlich schlechter. „Durch die lang anhaltende Trockenperiode sind schon geschwächte Bäume dem Wetterextrem zum Opfer gefallen. Auch viele junge Bäume, die noch nicht so ein starkes Wurzelwerk ausbilden konnten, sind zum Teil schlicht weg vertrocknet“, erklärt Elmar Berks.

Hitze und Trockenheit als großes Problem

Auch die nächste Katastrophe des Jahres, die der Förster ausmacht, steht in einem Zusammenhang zu den beiden vorangegangenen: „Durch diese Hitze und Trockenheit bildete sich frühzeitig im Sommer die dritte Katastrophe. Eine Borkenkäfermassenvermehrung, die natürlich vor allen den Fichten stark zusetzten. Die vierte Katastrophe schließt sich wahrscheinlich im Frühjahr 2019 an. Wenn die Borkenkäfer aus ihrem Winterschlaf erwachen und die noch übrig gebliebenen Fichten angreifen. Dieses Jahr hat noch mal deutlich gezeigt, wie wichtig ein Waldumbau hin zu Mischwaldstrukturen ist. Da bin ich froh, das der Cappenberger Wald ein Laubmischwald ist, der gegen solche Extremjahre deutlich besser aufgestellt ist, als ein Fichtenwald. Die letzten noch lebenden Fichten im Cappenberger Wald werden wahrscheinlich in den nächsten zwei Jahren durch solche Ereignisse verschwunden sein.“

Kein Wunder bei diesen ganzen Katastrophen, dass Elmar Berks, das vergangene Jahr als „fürchterlich“ für alle Pflanzen und auch alle Wildtiere bezeichnet.

So geht ein Baum durchs Jahr: 2018 war ein Jahr der Katastrophen

Vor allem am Rasen ist zu erkennen: Der Sommer war heiß. © Tatjana Marschall

Die lange Trockenperiode sieht auch Monika Schomberg von der gleichnamigen Baumschule in Vinnum als das größte Problem für Bäume des vergangenen Jahres. Nicht nur im Wald – auch in privaten Gärten. Ihr Tipp, falls dieser Sommer wieder so extrem trocken wird: „Jeder Gartenbesitzer, der die Möglichkeit hat zu bewässern, kann sich an gesunden, wüchsigen Pflanzen erfreuen“, erklärt sie. Und, immerhin: „Dieser Winter mit den jetzigen Temperaturen, ist bis jetzt für Bäume und Sträucher kein Problem.“

So geht ein Baum durchs Jahr: 2018 war ein Jahr der Katastrophen

Der Hersbt ist - in Bezug auf die Baumblätter - die bunteste Jahreszeit. © Tatjana Marschall

Die Baumschule und der Förster können – um noch mal auf den Baum von Tatjana Marschall zurückzukommen, auch helfen, eben diesen zu bestimmen. Welche Art genau sie in Frühling, Sommer Herbst und Winter vor die Linse genommen hat, weiß die Joggerin gar nicht so genau. Monika Schomberg ist sich aber ziemlich sicher, dass es sich um einen Acer campestre, also einen Feldahorn handelt.

Berg-, Spitz- oder Feldahorn

„Dieser mittelgroße Baum ist hier bei uns heimisch und zeichnet sich durch seine Anpassungsfähigkeit aus. Er ist klimaverträglich und für nahezu alle Standorte geeignet. Feldahorn ist sehr gut schnittverträglich und kann somit auch als Hecken oder Formgehölz gepflanzt werden“, erklärt sie weiter.

So sicher wie die Baumschul-Expertin ist sich Elmar Berks nicht, „Ich gehe aber davon aus, dass es ein Ahorn ist – vermutliche Bergahorn oder Spitzahorn. Um das genau sagen zu können, bräuchte ich ein scharfes Foto von einem Ast mit Knospen“, so der Förster.

So geht ein Baum durchs Jahr: 2018 war ein Jahr der Katastrophen

Ein Winterbild ist Tatjana Marschall in diesem Winter gelungen. Mit schön viel Schnee... © Tatjana Marschall

Und mit Blick in die Zukunft sagt er: „Die Nachwirkungen dieses Jahres wird man noch über Jahre im Wald erkennen können.“ Wahrscheinlich wird auch Tatjana Marschall das am Lippedeich beobachten können, wenn sie wacker durchs Jahr joggt und dabei zuschaut, wie ihr Baum weiter durch die Jahre geht.

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