St. Josef: Pfarrsaal ist nur noch ein Haufen Steine

Gotteshaus in Selm

Die Abrissarbeiten an der Kirche St. Josef laufen auf Hochtouren. Von dem Pfarrsaal ist inzwischen nur noch ein riesiger Haufen Steine übrig. Jetzt ist das Gotteshaus an der Reihe, um Platz für die neue Kapelle zu schaffen. Wir haben uns auf der Baustelle umgesehen und den Bauarbeitern über die Schulter geschaut.

SELM

, 04.12.2016, 18:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Mann, der die Kirche St. Josef abreißt, heißt Michael Garwer. Vom Führerhaus seines 30-Tonnen-Baggers aus hat er schon den Pfarrsaal platt gemacht. Jetzt ist das eigentliche Gotteshaus dran. „Etwas komisch ist das schon“, sagt er. Weil es schließlich „nicht irgendein Gebäude“ sei. Und weil regelmäßig Leute am Bauzaun stünden und traurig guckten.

„Die Bausubstanz war nicht mehr gut“, sagt der Mann aus des westmünsterländischen Gescher. Morsches Holz, leichte Wände, viel Sanierungsbedarf. Einer, der regelmäßig abreißt wie Garwer merkt, was er da unter der Schaufel hat. Der Sanierungsbedarf der vor 92 Jahren gebauten Kirche wäre bestimmt groß gewesen, meint er.

Täglich Zaungäste

Die Pläne für den Bau einer neuen Kapelle direkt neben dem benachbarten Altenwohnheim findet der Baggerführer gut „Das ist doch ein Trost.“ Dann bekämen die Zaungäste – „jeden Tag kommen Leute mit Fotoapparat hierhin“ – demnächst nicht nur Abbruch, sondern auch Aufbau zu sehen.

Auch wenn Garwer alleine den Bagger bedient, ist er doch kein Einzelkämpfer. Fünf Kollegen sorgen dafür, dass die Reste der Mitte November entkernten Kirche getrennt werden: Holz, Steine, Styropor. Alles muss getrennt entsorgt werden.

Als Michael Garwer nach der Frühstückspause am Freitagmorgen wieder in den Bagger steigt, regnet es in Strömen: ideales Wetter für seine Arbeit, wie er sagt. „Dann staubt es nicht so.“ Auch wenn der Gescheraner Gas gibt: Bis gar kein Stein von St. Josef auf dem anderen mehr steht und alle Reste abgefahren sind, dauert es noch – vermutlich bis Mitte Januar.

Die Geschichte der Kirche St. Josef
Nach Gründung der Zeche Hermann 1909 wuchs die Bevölkerungszahl stark.
1924 wurde St. Josef an der Kreisstraße gebaut: die Kirche für die Kolonie Selm-Beifang. Einweihung war am 14. Dezember 1924.
2010 fiel die Entscheidung des Bistums, die Kirche abzureißen (bis auf den Turm) und ein jugendpastorales Zentrum zu bauen sowie eine Kapelle im Altenwohnhaus.
Die Entweihung war am 24. September 2016

 

 

 

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