Statt Briefkasten: Faxen an das Jobcenter ist sicherer, aber in Selm gibt es ein Problem

mlzJobcenter-Posse

Weil die Zustellung von Unterlagen an das Jobcenter nicht immer funktioniert setzen manche auf ein althergebrachtes Zustellungsmittel: das Fax. In Selm gibt es damit aber ein Problem.

Selm

, 07.03.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer die Begriffe „Unterlagen beim Jobcenter verschwunden“ googelt, erhält 357.000 Such-Ergebnisse, die Seiten von diversen Anwälten und auch mannigfaltige Tipps. Zum Beispiel diesen: Man solle wichtige Post an das Jobcenter nie ohne Zugangsnachweise versenden. Dazu, so der Tippgeber empfehle sich ein Faxgerät. Gerne auch ein gebrauchtes.

Auch Sven Kemmler aus Selm nutzt diese Zustellungsart. Der 50-Jährige hat es nach eigenen Angaben schon oft erlebt, dass Unterlagen, die er in den Briefkasten des Jobcenters in Bork geworfen hat, niemals den Weg zu seinem Sachbearbeiter fanden. Sie waren einfach verschwunden. Fünfmal hatte er zum Beispiel wegen einer chronischen Erkrankung einen Gesundheitsfragebogen eingeworfen, wie er sagt. Viermal aber sei der Fragebogen verschwunden gewesen.

Nachdem unsere Redaktion über den Fall einer Selmerin berichtet hatte, die vor Gericht gelandet ist, weil sie Leistungen zu viel bezogen haben soll, meldete sich Kemmler und fragte sich, was auf dem Weg zwischen dem Briefkasten des Jobcenters und dem Schreibtisch zu seinem Sachbearbeiter passiert. Ein teilweise langer Weg, wie unsere Redaktion feststellen musste.

Auch der Briefkasten des Jobcenters ist nur bedingt eine Hilfe.

Auch der Briefkasten des Jobcenters ist nur bedingt eine Hilfe. © Carina Strauß

Selmer schickt sein Fax lieber nach Unna als nach Selm

„Faxen ist der sicherste Weg“, sagt Sven Kemmler. Allerdings, so sagt es der Selmer, müsse man schon wissen, wo man hinfaxt. Die Nummer, die auf dem Schreiben des Selmer Jobcenters angegeben sei, die funktioniere schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Wer die Nummer nutze, bekomme eine Fehlermeldung sagt Sven Kemmler. Er hat sich stattdessen von der Website des Jobcenters die Faxnummer von der Zentrale in Unna herausgesucht. Die nutzt er nun - und: „Die Antwort kommt erstaunlich schnell, obwohl das Fax erst in Unna landet“, sagt Kemmler.

Auf den Fehler habe er auch hingewiesen. Passiert sei aber bislang nichts. Um das zu beweisen, kann Kemmler ein Schreiben vom 13. Februar verweisen. Wer die Faxnummer anruft, hört nicht das schrill-piepende Geräusch, dass normalerweise zu hören ist, wenn man versehentlich ein Faxgerät anruft, sondern eine Durchsage: „Diese Rufnummer ist uns nicht bekannt“.

Das Fax: eigentlich eine gute Methode

„Eigentlich ist es eine gute Methode mit dem Fax, weil man einen Sendebericht mit Datum hat, der auch zeigt, was man gesendet hat“, sagt Margret Böwe, Referentin für Grundsicherung und Armut beim Sozialverband VdK. „Allerdings hört man immer wieder, dass diese Faxnummern nicht funktionieren.“ Sozialverbände wie der VdK machen sich deshalb schon seit längerer Zeit dafür stark, dass Jobcenter ihren Kunden verpflichtend eine Eingangsbestätigung ausstellen. Das müssen sie nämlich nicht, auch wenn es eine Weisung des Arbeitsamtes gibt, die besagt, dass es begrüßt würde, wenn Jobcenter das tun.

Katja Mintel, Pressesprecherin für die Jobcenter im Kreis Unna, ist zunächst überrascht, dass heutzutage tatsächlich noch Menschen das Fax nutzen. Sie hält Rücksprache. „Die Nummer stimmt“, sagt sie wenig später. Vielleicht sei dort eine Ansage statt ein Piepston zu hören, weil es sich um ein digitales Faxgerät handelt. Das Fax wird also digital über das Internet übertragen, statt über ein tatsächliches Faxgerät, das Seiten ausspuckt.

Die Sprecherin verspricht, das Fax selbst zu testen und ruft etwas später ein zweites Mal an. „Ich habe tatsächlich eine Fehlermeldung bekommen“, sagt sie. Die Nummer sei aber aktiv und richtig. „Irgendwas ist da aber technisch nicht in Ordnung“, sagt sie. Sie lässt Dank an Sven Kemmler ausrichten und sagt, man wolle das Problem nun unter die Lupe nehmen. Dann könnte faxen direkt an das Selmer Jobcenter wieder eine Option sein.

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