Im Unterricht arbeiten die Schüler häufig mit technischen Hilfsmitteln wie iPads und Smartphones. © de Vries
Digitalisierung

Stivan(16) aus Selm: „Die Tafel ist eigentlich über in der Schule“

In den vergangenen Jahren hat sich der Alltag stark verändert: Wir haben zwei Schüler der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule gefragt, wie digital der Unterricht ist - und was sie sich wünschen.

Wenn der Lehrer den Videowagen in die Klasse gerollt hat, war das vor zehn Jahren noch ein richtiges Highlight im Schulalltag. Videokassetten, teils Fernsehaufzeichnungen aus den 1980er-Jahren, erklärten biologische Vorgänge oder die Geschichte. Die Schüler ließen sich berieseln – und mussten den Lehrern so manches Mal helfen, wenn der Beamer, Laptop oder Fernseher nicht so funktionierte, wie geplant.

Manchmal nahm es die halbe Schulstunde in Anspruch, den Beamer ans Laufen zu kriegen. Seitdem hat sich viel verändert: die Siebtklässlerin Elisa (13) und Schülersprecher Stivan (16) haben uns erzählt, wie digital die Selma-Lagerlöf-Schule unterwegs ist und wie die Lehrer mit der Technik zurecht kommen.

„Jede Klasse hat einen Laptop und einen Beamer. Wir haben Apple TV. Außerdem gibt es iPads für Schüler, die kein Smartphone haben“, erzählt Stivan. Smartphones, einst den Lehrern ein Dorn im Auge, werden heutzutage in den Unterricht eingebunden. Die Geräte sind nicht nur zum spielen und chatten da: Regelmäßig schreiben die Lehrer Codes auf die Tafel, die die Schüler für die Online-Recherche auf ihren Smartphones im Unterricht nutzen können.

„Handys können fast alles“

„Handys können eigentlich fast alles, was das iPad kann. Deshalb nutzen wir meistens unsere Smartphones“, sagt Stivan. Wer kein eigenes Handy hat, kann auf vorhandene Tablets zurückgreifen oder, vor der Corona-Pandemie, beim Sitznachbarn mitschauen. Fehlen zu viele Geräte, projiziert der Lehrer die Website mit dem Beamer an die Wand.

In der 10. Klasse wird die Technik vor allem im Fremdsprachenunterricht genutzt, berichtet Stivan. Vor allem der Beamer sei fast immer dabei – da sei die Tafel beinahe überflüssig. In der 7. Klasse, erzählt Elisa, wird die Technik hauptsächlich in den Hauptfächern genutzt, und in Religion beispielsweise nutzt der Lehrer den Beamer als Tafel und tippt das ein, was die Schüler abschreiben sollen.

Lern-Apps statt Frontalunterricht

Stivan ist mit der technischen Ausstattung der Schule zufrieden „Alles ist einfacher, man hat viel mehr Möglichkeiten, muss keinen Frontalunterricht machen. Das Aufstellen der Technik geht sehr schnell und die Lehrer haben das auch eigentlich drauf.“ Einige Lehrer hätten anfangs relativ wenig Ahnung von der Technik gehabt, doch untereinander hätten sich die Lehrkräfte schnell auf den Stand der Dinge gebracht. Auch die 13-jährige Elisa bestätigt: „Es ist bei uns noch nie vorgekommen, dass wir den Lehrern erklären mussten, wie etwas funktioniert.“

Auch der Beamer wird regelmäßig im Unterricht benutzt.
Auch der Beamer wird regelmäßig im Unterricht benutzt. © de Vries © de Vries

Besonders gefallen ihr die verschiedene Lern-Apps, die zuhause genutzt werden können, wie „Quizlab“ zum Vokabellernen oder „Kahoot“, eine App, in der man sich in verschiedenen Themengebieten testen kann – inklusive Highscore zum Vergleich mit Mitschülern. „Das spornt an, ich finde das ist ein schönes, spielerisches Lernen“, sagt Elisa.

E-Books lesen statt Wälzer schleppen

Wir haben die Schüler auch gefragt: „Was fehlt euch, wie würde eure ideale Schule aussehen?“ Unsere beiden Interviewpartner hatten wenig Kritikpunkte am Ist-Zustand der Selma-Lagerlöf-Schule. Ein Manko fiel Stivan dann aber doch ein: „Manche Bücher fehlen noch digital. Viele Bücher kann man auch auf dem iPad als E-Book lesen und muss die dicken Wälzer nicht mehr schleppen. Aber das gibt es noch nicht für alle Bücher. Das finde ich schade.“

In der 7. Klasse bekommen die Schüler Excel-Kurse, außerdem gibt es einige AGs für Technikinteressierte. „Das finde ich wichtig. Es gibt Eltern, die haben so gar keine Ahnung von Technik, die können einem nicht so gut helfen wie die Lehrer. Nicht jeder ist technikbegeistert und kann sich das alles selbst beibringen“, findet Stivan. Auch für die „Digital Natives“, die Generation, die schon mit dem Smartphone groß wird, gibt es also auch noch Lernbedarf.

Lehrer stehen mit Rat und Tat zur Seite

Lukas de Vries und Alexander Braun sind die Lehrer, die in Sachen Technik an der Sekundarschule „den Hut auf“ haben. Bei Fragen zu den Apps oder Defekten an den Schulgeräten wenden sich die Schüler an die Profis.

Durch Fördergelder sollen bis 2023 iPads für alle Selmer Schulen angeschafft werden – eines pro fünf Schüler. Die Wartung der Geräte übernehmen weiterhin die Lehrer vom Fach – von den Schülern „E-Team“ genannt.

In Zeiten des Lockdowns gab es Online-Unterricht. Der lief zunächst über die Plattform Moodle, nun wurde auf iServ umgestellt – dort gibt es auch Gruppenchats und Videokonferenzen. Für die Schüler gab es zunächst ein Einführungsseminar in das neue Programm. Gefallen hat den Schülern der Unterricht von Zuhause ganz gut: „Es gab kaum technische Probleme, es lief ganz glatt“, sagt Stivan.

Ob ihnen der Unterricht in der Schule oder daheim besser gefällt, können die beiden nicht sagen – für die Schule spräche der direkte Kontakt mit Freunden und Lehrern. Elisa betont aber: „Zuhause kann man sich selber aussuchen, wann man aufsteht und welche Fächer man zuerst macht. Es gibt nur einen festen Abgabezeitpunkt und keine festen Stunden – das ist natürlich viel entspannter als in der Schule.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig

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