Überfall auf Selmer Rentner: Staatsanwältin beantragt hohe Haftstrafe

mlzLandgericht Dortmund

Nach dem Überfall auf einen Rentner an der Lange Straße muss sich der Angeklagte auf eine harte Strafe einstellen. Am Donnerstag hat die Staatsanwältin am Dortmunder Landgericht plädiert.

Selm

, 02.08.2019, 04:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anklägerin Sandra Lücke ist davon überzeugt, dass der 32-jährige Rumäne schwere Schuld auf sich geladen hat und dafür hart bestraft werden muss. Die Tat wertete Lücke als erpresserischen Menschenraub, schweren Raub, Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung. Ihr Antrag: acht Jahre Haft.

Verteidiger plädiert am 7. August

Am 7. August wird Verteidiger Jan-Henrik Heinz sein Plädoyer halten und dabei ganz sicher zu einem wesentlich milderen Antrag kommen. Denn nach Ansicht des Rechtsanwalts stellt sich der Fall längst nicht so eindeutig dar, wie von der Staatsanwaltschaft angenommen.

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Vor allem bewertet der Verteidiger die Rollen der beiden Täter unterschiedlich. Sein Mandant habe den Rentner „nur“ bestehlen wollen. Sämtliche Drohungen und damit auch Erpressungen seien von dem Komplizen ausgegangen.

2000 Euro Bargeld aus dem Wohnzimmer

Bei der Tat hatten die beiden Angreifer den Senior in dessen Wohnzimmer an der Lange Straße überrascht und sofort zu Boden gestoßen. Der Mittäter soll dann die Überwachung des Opfers übernommen haben, während der 32-jährige Angeklagte das Haus nach Geld und Wertgegenständen durchsucht haben soll. Schon im Wohnzimmer wurde der Rumäne fündig. Mehr als 2000 Euro in bar steckte er ein, bevor er sich in die obere Etage begab.

Fingerabdruck auf der Heizung

Schon zuvor hatte der Angeklagte jedoch einen entscheidenden Fehler begangen. Um neugierige Blicke von Nachbarn zu verhindern, hatte er die Rollläden des Wohnzimmers heruntergelassen. Dabei muss er sich jedoch mit der anderen Hand auf einem Nachtspeicherofen abgestützt haben.

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Auf diesem fanden die Spurensicherer der Polizei später einen Fingerabdruck. Dieser konnte schließlich dem Rumänen zugeordnet werden, weil dessen Daten bereits im Polizeicomputer gespeichert waren. Nur wenige Monate vor dem Überfall in Selm hatte der Mann in Burgwedel eine ganz ähnliche Tat begangen.

Ähnliche Tat in Burgwedel

Weil damals jedoch niemand bedroht und verletzt wurde, hatte der Richter diese Tat als versuchten Diebstahl gewertet und dafür lediglich eine Bewährungsstrafe verhängt. Dass er mit einer solchen nun nicht mehr rechnen darf, hat der 32-Jährige nach Angaben seines Verteidigers bereits eingesehen. Dennoch hofft er natürlich, von dem schweren Vorwurf „erpresserischer Menschenraub“ herunterzukommen. Allein für dieses Delikt sieht das Strafgesetz eine Mindeststrafe von fünf Jahren Freiheitsstrafe vor.

Die Richter gehen davon aus, das Verfahren bereits am 7. August abschließen zu können. Nach dem Plädoyer von Verteidiger Heinz sei ausreichend Zeit für die abschließende Beratung und die Verkündung des Urteils.

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