Ulrich Kuhlmann bedauert die geplante Verkürzung des Zivildienstes

Altenwohnhaus St. Josef

SELM Im Zuge der Verkürzung der Wehrpflicht auf sechs Monate soll auch der Zivildienst ab 2011 auf ein halbes Jahr gekürzt werden. Viele Zivildienstleistende haben in den letzten Jahren ihren Dienst im Altenwohnhaus St. Josef verrichtet. Wie es dort nach der Verkürzung der Zivildienstzeit weiter geht, darüber sprach RN-Redakteur Malte Woesmann mit dem Leiter des Altenwohnhauses, Ulrich Kuhlmann.

27.10.2009, 16:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ulrich Kuhlmann sieht die Verkürzung des Zivildienstes skeptisch. Alle Seiten würden so verlieren.

Ulrich Kuhlmann sieht die Verkürzung des Zivildienstes skeptisch. Alle Seiten würden so verlieren.

Davon halte ich nichts. Da wird den Zivildienstleistenden ein Bärendienst erwiesen.

Der jetzige Zivildienst dauert neun Monate. In der Regel kommen die Zivildienstleistenden bei uns nach dem Abitur zum 1. Juli oder 1. August. Durch Urlaub und Lehrgänge verringert sich jetzt schon die reine Zeit bei uns auf ca. sieben Monate. Das wird nun noch weniger.

Ja, meiner Meinung nach auf jeden Fall. Ein weiteres Problem ist ja, wenn die Zivildienstleistenden schon im Februar oder März ihren Dienst beendet haben, was machen sie dann bis zum Berufsstart am 1. August oder 1. September?

Früher waren es mal 18 Monate, das war zu lang. 12 bis 14 Monate hielte ich für ein gutes Mittelmaß. Durch die sechs Monate verlieren alle: Bewohner, Zivildienstleistende aber auch die Einrichtung.

Die umfangreiche Einarbeitungszeit dauert bei uns bis zu drei Monate. Das ist jetzt schon ein hoher Aufwand für unsere Beschäftigten, die Zivildienstleistenden anzulernen. Nach dieser Einarbeitungszeit bliebe demnächst kaum noch genügend Zeit, eigenständig als Zivi zu arbeiten.

Kuhlmann: Die Frage stellt sich eigentlich nicht. Wir wollen weiterhin Zivildienstleistende beschäftigen, weil sie auch eine Bereicherung für das Haus sein können. Mehr Stellen werden wir aber wohl auch nicht anbieten können, wenn der Dienst verkürzt wird.

Wir haben immer so bis zu zwölf Zivildienstleistende pro Jahr. Zurzeit verspüren wir auch einen richtigen Nachfrageboom. Die Stellen, die wir finanzieren können, werden bei uns auch besetzt.

Sehr gut. Die Zivis genießen im Allgemeinen ein großes Vertrauen bei den Bewohnern. Die jetzige Entwicklung ist daher für alle die schlechteste. Bewohner, Einrichtung und Zivis werden dadurch verlieren. Das ist schade.

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