Ute Schaefer mit einigen ihrer Kunstwerke, die sie zu den unterschiedlichsten Anlässen aus Büchern gefaltet hat. © Schaefer
Menschen und Hobbies

Ute Schäfer aus Selm verwandelt Bücher in kreative 3D-Kunstwerke

Bücher lesen ist ein Hobby von unzähligen Menschen. Aus Büchern Kunstwerke zu falten, kommt immer mehr in Mode. Eine Selmerin hat das Hobby für sich entdeckt und bereitet damit Freude.

Ute Schäfer war immer schon kreativ. Abends nur zu Hause vor der Flimmerkiste sitzen, das kommt für die 63-Jährige aus Selm nicht in Frage. Häkeln, Engel aus Perlen basteln oder Bilder malen – Ute Schaefer will ihre Freizeit sinnvoll nutzen.

Begriffe stammen nicht aus Japan

Seit zwei Jahren nimmt sie immer öfter ein Buch in die Hand. Allerdings nicht immer zum Lesen. Denn die Selmerin hat Orimoto und Kirimoto für sich als neues Hobby entdeckt. Man könnte meinen, diese Kunst, aus Buchseiten etwas ganz Neues zu schaffen, stamme aus Japan. Denn die Worte Ori (für Falten), Moto (für Buch) und Kiri (für Schneiden) stammen aus dem Land, in dem derzeit die Olympischen Sommerspiele stattfinden. Erdacht wurden die Kunstbegriffe jedoch 2009 von zwei Deutschen.

Zwei verschlungene Ringe zur Hochzeit mit dem Schriftzug Liebe. © Schaefer © Schaefer

Als es vor zwei Jahren in der Lüner Stadtbücherei einen Kurs dazu gab, meldete sich Ute Schäfer an. „Ich hatte solche gefalteten Buch-Kunstwerke bei meinem Hausarzt gesehen.“ Damit hatte sich eine Patientin für die gute Behandlung bedankt. Beim zweiten Teil des Kurses in Lünen ging es darum, wie man Vorlagen mit dem Computer erstellt. „Da hab ich gefragt, ob ich meinen Mann mitbringen dürfte, der ist bei uns für den Computer zuständig“, erzählt Ute Schäfer.

Dieses Buch-Kunstwerk hat Ute Schaefer für ihren Mann gefaltet. © Schaefer © Schaefer

Sie durfte und so unterstützt Franz-Josef Schäfer seine Frau jetzt am Rechner und erstellt die gewünschten Vorlagen. Dafür gibt es als Dankeschön natürlich auch ein Kunstwerk für ihn. Mit dem Schriftzug „Aufgeben ist keine Option“, dem Wahlspruch des Selmers nach einem Schicksalsschlag.

Für dieses Kunstwerk brauchte Ute Schäfer ein ziemlich dickes Buch, denn pro Buchstabe nutzt sie 40 bis 60 Seiten. Deshalb fiel die Wahl auf einen Wälzer mit über 800 Seiten. „Alles, was Schwarz ist, zeichne ich an, dann wird immer im Wechsel die Seite ganz umgeklappt oder die Hälfte geknickt.“ Je nachdem, wie man beginnt, kommt das Motiv plastisch heraus oder es wird im Buch „versenkt“.

Nur mit gebundenen Büchern möglich

Mit Taschenbüchern funktioniert die Orimoto-Kunst nicht. Dazu braucht es schon gebundene Werke, die sind stabil genug. Für das Buch für ihren Mann brauchte Ute Schaefer etwa zwölf Zeitstunden. Alleine zwei bis drei Stunden nur für das Anzeichnen. „Das mach ich alles beim Fernsehen.“

Ein Buch-Kunstwerk mit Rose und Namen als besonderes Geschenk. © Schaefer © Schaefer

20 Bücher hat sie mittlerweile gestaltet. Eins mit dem Schriftzug BVB war das Geburtstagsgeschenk für ihren Schwager, einen großen Fan der Dortmunder Borussen. „Er hatte zwar schon im Februar Geburtstag, aber wir haben mit dem Treffen gewartet, bis wir alle geimpft waren.“

Aber auch Buch-Falt-Kunstwerke zur Geburt eines Kindes hat sie schon mit Namen des neuen Erdenbürgers gestaltet, auch zu einem besonderen Hochzeitstag oder für ihre Schwester zum Geburtstag faltete Ute Schäfer ein Kunstwerk aus einem Buch. Natürlich hat auch ihre eigene Enkelin Svea ein Buch-Kunstwerk bekommen. „Am kompliziertesten war ein Tannenbaum, weil er so feine Details hat.“

13 Bände von Charles Dickens

Entsprechende Bücher zu finden, sei nicht schwer. Die Patentante eines beschenkten Kindes hatte 13 Bände Charles Dickens daheim, sehr schön gebunden, die hab ich bekommen.“ Ab und zu findet sie auch bei Angeboten für gebrauchte Bücher etwas und – „ich lese auch selber viel.“

Dieses Buch-Kunstwerk war ein Geschenk für die langjährige Urlaubs-Gastgeberin der Schaefers. © Schaefer © Schaefer

Auch Aufträge für bestimmte Anlässe würde sie annehmen. Allerdings will die ausgebildete Technische Zeichnerin nichts mit ihrem kreativen Hobby verdienen. „Ich würde ein solches Orimoto-Buch gegen eine Spende abgeben, die ich dann an die Flutopfer weiterleite.“ Minimum liegt pro Buch bei 50 Euro, schließlich ist der Zeitaufwand schon groß.

Die nächsten Bücher sind schon in Arbeit – eins zur Hochzeit des Sohnes einer Freundin. Als nächste Herausforderung möchte Ute Schäfer gerne Portraits falten, „aber da weiß ich noch nicht, wie man an die Vorlage kommt.“

Wer ein solches persönliches Kunstwerk aus Büchern bei Ute Schäfer in Auftrag geben und damit auch die Flutopfer unterstützen möchte, kann sich gerne per Mail an beate.rottgardt@ruhrnachrichten.de wenden. Wir stellen dann den Kontakt zu der Selmerin her.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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